Dortmund - Besser könnte es für Matthias Ginter zurzeit kaum laufen. Nach dem 3:1-Sieg über Hertha BSC steht er mit dem BVB an der Tabellenspitze, hat sich als Rechtsverteidiger einen Platz in der Mannschaft erkämpft und wurde für seine guten Leistungen von Jogi Löw mit der Rückkehr in die Nationalelf belohnt

Im Interview spricht der 21-Jährige über die Fortschritte im Vergleich zur vergangenen Saison, seine neue Position auf dem Platz und den perfekten Start von Borussia Dortmund in diese Spielzeit.

Frage: Matthias Ginter, waren Sie trotz des zwischenzeitlichen Anschlusstreffers der Berliner immer sicher, dass der BVB auch im dritten Spiel den dritten Sieg holen wird?

Matthias Ginter: Wir hatten viele Ballbesitzphasen. Und so ab der 60., 70. Minute wird der Gegner auch müde, wenn er immer hinterher laufen muss. So haben sich für uns große Räume ergeben und wir hatten einige gute Chancen auf dem Fuß, auch schon das 3:0 zu machen. Ein 2:0 ist natürlich immer ein gefährliches Ergebnis. Der Gegner braucht nur ein Tor, dann wird es nochmal eng. Aber zum Glück haben wir nach dem Anschlusstreffer der Berliner nichts mehr zugelassen.

"Wir ziehen unser Spiel durch"

Frage: In der letzten Saison hätte man den Sieg wahrscheinlich noch abgegeben…

Ginter: Wir stehen insgesamt viel stabiler als in der letzten Saison. Aber das ist jetzt auch nicht so schwierig. Im Ernst: Wir haben dazu gelernt. Wir werden nicht unruhig, sondern ziehen weiter unser Spiel durch.

Frage: Der BVB geht jetzt als Tabellenführer in die Länderspielpause. Hat das für Sie schon einen Wert?

Ginter: Natürlich ist das immer ein schönes Gefühl. Aber es sind erst drei Spieltage gespielt. Wir müssen weiter hart arbeiten. Nach der Länderspielpause müssen wir wieder auswärts antreten in Hannover, dann kommt Bayer Leverkusen. Uns wird nichts geschenkt. Im Moment fühlt es sich gut an und wir sind froh, dass wir mit drei Siegen gestartet sind. Aber wir wissen schon, wie hart es noch wird.

Frage: Immerhin hat die Borussia schon acht Pflichtspiele erfolgreich absolviert. Darf man da von einem perfekten Start sprechen?

Ginter: Wir sind einfach gut gestartet. Nicht mehr und nicht weniger. Gegen Hertha war es kein so deutlicher Sieg wie teilweise zuletzt. Obwohl wir genügend Chancen hatten, um es deutlich zu gestalten. Wir haben im Moment einfach richtig Spaß am Fußball und sind als Mannschaft sehr gut. Das wissen wir auch und stehen mit den drei Siegen in der Liga auch zurecht ganz oben.

"Ich freue mich auf die Nationalmannschaft"

Frage: Teilen Sie den Eindruck, dass die Mannschaft schon einen Schritt weiter ist, als man es vor der Saison erwartet hatte?

Ginter: Wir haben auch durch die Qualifikationsspiele zur Europa League schon ein bisschen mehr Rhythmus als die anderen Mannschaften. Das kommt uns gerade jetzt zum Saisonstart zugute.

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Frage: Sie selbst scheinen hinten rechts in der Viererabwehrkette eine Menge Spaß zu haben.

Ginter: Ich fühle mich sehr wohl dort. Generell ist es mir egal, auf welcher Position ich spiele. Aber die rechte Seite ist eine gute Option für mich.

Frage: Wann haben Sie Ihre Leidenschaft für die Position des Rechtsverteidigers entdeckt? Oder hat der Trainer Sie da einfach mal hingestellt?

Ginter: (lacht) Ja, so ungefähr war es. In Norwegen war es das erste Mal, dass ich diese Rolle gespielt habe. Es ist ein Mix zwischen Sechserposition und Innenverteidiger. Du läufst nicht die ganz weiten Strecken wie als Sechser, aber hast auch nicht die ganz kurzen Wege wie als Innenverteidiger. Ich habe diese beiden Positionen früher ja schon gespielt, jetzt ist es halt ein Mix.

Frage: Sie hatten in Ihrem ersten Jahr in Dortmund keine leichte Zeit, jetzt läuft es auch für Sie persönlich deutlich besser. Gibt Ihnen die Nominierung für die DFB-Elf weiteren Auftrieb?

Ginter: Auf jeden Fall! Die Einladung zur Nationalmannschaft hat mich natürlich sehr gefreut. Ich habe versucht, das vor dem Spiel gegen Berlin gar nicht an mich heran zu lassen. Ich habe mich nur aufs Spiel fokussiert. Aber ich freu‘ mich, wieder dabei zu sein!

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte