Zusammenfassung

  • Matthias Ginter erarbeitete sich in der Nationalmannschaft zuletzt einen Stammplatz
  • Der Gladbacher profitiert dabei von seiner Vielseitigkeit
  • Langfristig könnte er in die Fußstapfen von Hummels und Boateng treten

Köln – Matthias Ginter von Borussia Mönchengladbach galt bereits in jungen Jahren als eines der größten Innenverteidiger-Talente Deutschlands. Nun hat sich der 24-Jährige aus dem Schatten seiner Konkurrenten gespielt – und ist inzwischen auch für Joachim Löw unersetzlich.

Es ist schon eine beeindruckende Vita, die Matthias Ginter in seiner noch jungen Karriere mitbringt: Pokal-, Supercup- und Confed-Cup-Sieger, dazu hat er bei Olympia die Silbermedaille geholt und darf sich Weltmeister nennen.

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Zwar war Ginter neben Erik Durm und Kevin Großkreutz der einzige Feldspieler beim WM-Erfolg 2014, der nicht zum Einsatz kam. Bei Borussia Dortmund schaffte er es unter Thomas Tuchel aber zeitweilig zur Stammkraft, am Ende verließ er den BVB trotzdem aufgrund der großen Konkurrenzsituation in der Defensive und schloss sich der anderen Borussia aus Mönchengladbach an. Ein Karriereschritt, der sich auszahlen sollte. Dazu aber später mehr.  

In der Nationalmannschaft debütierte er bereits als 20-Jähriger Spieler des SC Freiburg Anfang 2014. Und obwohl er – mit Ausnahme der Euro 2016 – fast immer von Bundestrainer Joachim Löw berücksichtigt wurde, kam er nie über den Status des Ergänzungsspielers hinaus. In 48 Spielen war er dabei, 26 Mal saß er davon über die vollen 90 Minuten auf der Bank.

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Ginters Status beim DFB hat sich jetzt – das haben die jüngsten Spiele in der Nations League gezeigt – deutlich verbessert. In allen vier Spielen nach der WM in Russland stand der Gladbacher in der Startelf. Und zu verdanken ist das vor allem seiner Vielseitigkeit. So profitiert er derzeit davon, dass der etatmäßige Rechtsverteidiger Joshua Kimmich im defensiven Mittelfeld agiert, während Ginter in die nun vakante Lücke hinten rechts hineinstößt.

Stark im Zweikampf, im Spielaufbau und vor dem Tor

Und das, obwohl er im Club seit zwei Jahren ausschließlich als Innenverteidiger zum Einsatz kommt. Löw schätzt dabei vor allem seine defensive Stabilität. "Die Priorität hat die Defensive. Ich versuche aber auch immer wieder, ob jetzt als Innen- oder Außenverteidiger, auch offensiv im Spielaufbau Akzente zu setzen. Im Grunde genommen kenne ich die Position ja noch aus der Dortmunder Zeit", so Ginter.

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Tatsächlich machte der Defensiv-Spezialist seine vielleicht besten Spiele im BVB-Dress in der Saison 2015/16 auf der Rechtsverteidiger-Position, wovon er heute merklich profitiert. Aber auch im beim DFB noch jungen System mit Dreier-Abwehrkette – gegen Frankreich in der Nations League praktiziert – hat er inzwischen einen Stammplatz sicher.

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Entscheidend dabei ist in erster Linie die enorme Entwicklung, die Ginter seit dem Sommer 2017 in Mönchengladbach genommen hat. Der 24-Jährige ist dort als Führungsspieler gereift und ist für Trainer Dieter Hecking derart unersetzlich, dass er sowohl in der vergangenen als auch in dieser Saison keine einzige Bundesliga-Minute verpasst hat. Und neben einer beachtlichen Zweikampfquote von 58 Prozent und seinem enorm sicheren Aufbauspiel (90 Prozent der Pässe kommen beim Mitspieler an), ist der Gladbacher auch einer der torgefährlichsten Abwehrspieler der Bundesliga geworden. In gut einem Jahr bei den Fohlen hat er in der Bundesliga gleich sechs Mal getroffen.

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Und alleine schon, weil die beiden Platzhirsche Mats Hummels und Jerome Boetang in diesem Jahr beide 30 Jahre alt werden, ist ihre Zukunft beim DFB auf wenige Jahre beschränkt. Matthias Ginter ist auf bestem Wege, in ihre Fußstapfen hineinzutreten.

Karol Herrmann