Köln - Im Premierenspiel der "Deutschen Legenden" haben sich Lothar Matthäus und Co. in Köln gegen eine Weltauswahl aus ehemaligen Bundesligastars mit 5:4 im Elfmeterschießen durchgesetzt. Nach der Partie, in der Fredi Bobic in der Nachspielzeit die Führung durch Ex-Bayer Paulo Sergio ausgeglichen hatte, sprach Matthäus - seines Zeichens Rekordnationalspieler und Initiator der Veranstaltung - über das Klassentreffen der Idole, die deutsche Nationalmannschaft, Khediras Verletzung und den bevorstehenden "Clasico" in der Bundesliga.

Frage: Herr Matthäus, wie viel Spaß hat es Ihnen heute im Kreis der Legenden gemacht?

Lothar Matthäus: Es macht immer großen Spaß mit ehemaligen Kollegen gegen ehemalige Gegner zu spielen. Es ist ein Klassentreffen von Spielern, die über drei Jahrzehnte Fußballgeschichte geschrieben haben. Man hat heute wieder die Spielfreude gesehen. Es ist aufgrund der Gesetze der Natur zwar alles etwas langsamer geworden, trotzdem war es taktisch ein gutes Spiel von beiden Teams mit guten Passstafetten. Nur die Sprints sind vielleicht nicht mehr ganz so schnell wie früher.

Frage: Welche Idee steckt hinter den "Deutschen Fußball-Legenden"?

Matthäus: Wir wissen, dass das Publikum die ehemaligen Spieler wieder sehen will. Während der Vater mit dem Sohn am Wochenende ins Stadion geht, um mit ihm die heutigen Idole wie Reus, Schweinsteiger oder Götze zu sehen, will er genauso den Sohn mitnehmen, um ihm die Idole seiner Zeit, die vor 20 oder 30 Jahren Geschichte geschrieben haben, zu zeigen. Das motiviert die ehemaligen Spieler, dabei zu sein.

Frage: Wie zufrieden sind Sie mit der Resonanz?

Matthäus: Ich habe schon vom DFB organisierte Spiele in Moskau oder Dubai vor 150 Zuschauern gemacht. Das ist eine Schande für Spieler, die etwas für den deutschen Fußball geleistet haben. Sie haben ein Spiel in einem guten Stadion vor möglichst vielen Zuschauern verdient. Wir werden versuchen, diese Events in den nächsten Jahren zu etablieren. Heute war das Stadion nicht so voll, weil alles vielleicht etwas kurzfristig war, aber ich denke, dass die Fans trotzdem zufrieden nach Hause gehen. Für uns ist wichtig, dass sie ein ernsthaftes Spiel gesehen haben, in dem keine der beiden Mannschaften der anderen ein Tor schenkt.

Frage: Mit wie viel Ehrgeiz gehen Sie persönlich in diese Spiele?

Matthäus: Man lächelt heute vielleicht eher einmal, wenn ein Pass nicht ankommt oder ein Schuss vorbei geht. Aber der Ehrgeiz ist immer noch da und man will gewinnen. Das ist auch der Sinn dieser Spiele. Es wird nichts geschenkt und es gibt meist knappe Ergebnisse. Kein 6:6 oder 7:7. Es wird bis zur letzten Sekunde gefightet. Uns ist in der Nachspielzeit deshalb der Ausgleich gelungen und die Stimmung nach dem gewonnenen Elfmeterschießen ist richtig gut.

Frage: Kommen wir zur aktuellen Nationalmannschaft. Nach dem Spiel gegen Italien gab es die Schock-Nachricht vom Kreuzbandriss bei Sami Khedira. Glauben Sie, dass er zur WM zurückkehrt?

Matthäus: Es tut mir wahnsinnig leid für ihn. Es ist eine so schwere Verletzung, die ich in meiner Karriere selbst auch hatte. Es ist ihm zu wünschen, dass er es bis zur WM schafft, aber die Zeit ist sehr knapp. Fünf bis sechs Monate braucht er sicher, dann muss er noch den Rhythmus finden. Es wird ein Wettlauf mit der Zeit. Es ist sehr schade für ihn so kurz vor einer Weltmeisterschaft. Diese schweren Verletzungen sind die Schattenseiten des Profifußballs. Jogi Löw hat aber das Glück, dass alle Positionen doppelt oder dreifach besetzt sind. Jetzt müssen eben andere einspringen. Gündogan und Schweinsteiger kommen zurück, die Bender-Zwillinge stehen bereit. Auch Philipp Lahm könnte als Sechser eine Rolle spielen. Möglichkeiten sind da und Jogi Löw hat in den letzten Jahren immer Lösungen gehabt. Auch den Ausfall von Khedira wird er lösen können.

Frage: Am Dienstag steht in England der nächste Klassiker auf dem Programm. Wie wichtig sind solche Spiele gegen Top-Teams?

Matthäus: Diese Spiele bringen mehr als gegen Moldawien, Aserbaidschan oder Finnland, in denen es immer einseitig ist. Deshalb konzentriert man sich beim DFB in der Vorbereitung auf die WM auf Klassiker, auf schwere Gegner, auf die man im Turnier auch treffen könnte. Denn eines ist klar, es wird eine sehr schwere WM. Wir sind ganz sicher einer der Favoriten, aber trotzdem ist jedes Spiel eine Herausforderung und wird der Mannschaft alles abverlangen, um das große Ziel zu erreichen.

Frage: Danach kommt es zum Bundesliga-Showdown zwischen Dortmund und den Bayern. Wie sehen Sie diesem Knaller entgegen?

Matthäus: Ich als Fußball-Fan wünsche mir einen Sieg von Borussia Dortmund, damit die Bundesliga in diesem Jahr etwas spannender bleibt, als im letzten Jahr. Bayern hat schon vier Punkte Vorsprung. Bei einem Sieg wären es sieben und wir könnten uns auf eine einseitige Meisterschaft gefasst machen. Im Endeffekt soll die beste Mannschaft - und das ist wohl der FC Bayern - die Meisterschaft holen. Um die Saison aber ein bisschen spannend zu halten, würde ein Sieg von Dortmund der Bundesliga gut tun.

Frage: Bayern hat zuletzt die unglaubliche Siegeserie des HSV übertroffen. Gibt es überhaupt eine Mannschaft, die den FCB besiegen kann?

Matthäus: In einem Spiel ist Dortmund immer in der der Lage gegen Bayern zu gewinnen. Auf 34 Spiele gesehen ist Bayern konstanter. Eine Niederlage wie letzte Woche in Wolfsburg wäre dem FC Bayern im Gegensatz zu Dortmund nicht passiert. Das ist dann doch der Unterschied, wenn es auf Kleinigkeiten ankommt.

Frage: Kommt das Spiel für Dortmund nach zwei Niederlagen in Folge und der schweren Verletzung von Neven Subotic zu einem ungünstigen Zeitpunkt?

Matthäus: Sicher ist Subotic ein wichtiger Spieler und Bestandteil des Dortmunder Erfolgs, andererseits rücken andere Spieler nach. Man hat sich in Dortmund auch in der Breite verstärkt. Ich freue mich auf eine spannende und vor allem faire Partie, auch wenn viel auf dem Spiel steht. Denn es geht nicht nur um Punkte, sondern auch ums Prestige. Es ist mittlerweile in Deutschland ein Clasico wie zwischen Real Madrid und Barcelona in Spanien. Ich glaube, dass ganz Deutschland diesem Spiel sehr entgegen fiebert.

Aus Köln berichtet Markus Hoffmann