München - Seit Sommer 2016 spielt Mats Hummels für den FC Bayern München. Der Weltmeister von 2014 ist einer der erfahrensten im Team, der bereits auf 55 Länderspiele für Deutschland zurückblicken kann. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht der 28-Jährige über seinen Start bei den Bayern, seine neue Rolle und FCB-Trainer Carlo Ancelotti.

>>> Hol dir Mats Hummels beim Bundesliga Manager

bundesliga.de: Herr Hummels, Sie sind im Sommer aus Dortmund zu den Bayern gewechselt. Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Mats Hummels: Ich denke schon. Für mich persönlich haben sich die Erwartungen erfüllt, es lief gut. Ich habe schnell rein gefunden, was sicher auch daran lag, dass ich einige im Team und im Trainer- und Betreuerstab schon gut kannte. Dazu wohnen viele meiner Freunde in München und die Familie.

bundesliga.de: Wie sieht die Bilanz aus, wenn es um die Mannschaft im Gesamten geht?

Hummels: Die Resultate sind bisher absolut in Ordnung und wir sind da, wo wir hinwollten. Wir führen die Bundesliga an und sind in allen drei Wettbewerben mit guten Chancen unterwegs. Natürlich gibt es immer Steigerungsmöglichkeiten, auch bei uns. Wir wollen noch dominanter auftreten und unser Spiel stärker machen.   

bundesliga.de: Sie sind nicht ins Ausland gewechselt, mussten keine neue Sprache lernen und trotzdem geht so ein Wechsel nicht immer so einfach vonstatten wie es bei Ihnen den Anschein hatte?

Hummels: Wie gesagt, ich kannte schon einige gut, was einem von Anfang an ein gutes Gefühl gibt und den Neuanfang erleichtert. Dazu ist es ja nicht so, dass ich als junger Spieler kam, der auf wenig Erfahrung bauen kann. Das Gesamtpaket hat gestimmt. Das dürften die Hauptgründe für den guten Start sein.

bundesliga.de: Trotzdem kamen Sie als Kapitän eines namhaften Clubs nach München. Von einem Kapitän wird erwartet, dass er sich stark einbringt und immer wieder die Lage einschätzt und kommentiert. War es schwierig, diese Rolle abzulegen oder zumindest etwas defensiver zu interpretieren?

Hummels: Ich war nie einer, der lautstark auf dem Trainingsplatz seine Meinung gesagt hat. Natürlich ist es manchmal notwendig ein klares und offenes Wort auszusprechen. Wie bei anderen Teams auch, wird auch bei uns in München über vieles gesprochen und dabei sage ich auch meine Meinung, wenn ich das Gefühl habe, ich sollte das tun. Das findet dann eher in kleineren Gruppen statt. Wir haben in Philipp Lahm einen hervorragenden und sehr erfahrenen Kapitän, der die Aufgaben eines Kapitäns bestens erfüllt.

bundesliga.de: Mussten Sie sich in mancher Situation, etwa auf dem Trainingsplatz zurücknehmen und den Impuls, etwas zu sagen, unterdrücken?

Hummels: Vielleicht gab es Situationen, in denen ich früher als Kapitän etwas gesagt hätte. Und sicher habe ich in mancher Situation kurz darüber nachgedacht, etwas zu sagen. In München aber sind so viele sehr erfahrene Spieler und ein Trainer mit einer großen internationalen Erfahrung, die das erledigen. Bis ich darüber nachgedacht hatte, hatte schon ein Teamkollege oder der Trainerstab etwas gesagt. (lacht) Das war für mich eher eine komfortable Situation.

bundesliga.de: Haben Sie Ihr Spiel sehr verändert bei den Bayern?

Hummels: Ich spiele vielleicht nicht mehr so oft einen langen Ball, weil das bei der Spielweise unserer Stürmer nicht nötig oder eingeplant ist. Insgesamt ist das Spiel für einen Innenverteidiger aber so wie immer.

bundesliga.de:  Zurück zum aktuellen Spiel der Bayern. Manche sagen, es sei nicht mehr so dominant wie in den Jahren zuvor, wobei ja die Ergebnisse, wie gesagt, stimmen.

Hummels: Zuerst einmal ist es für mich schwierig, Vergleiche von früher zu heute zu ziehen. Vor dem vergangenen Sommer war ich ja nicht dabei. Die Ansicht, das Spiel sei nicht mehr so dominant, mag zum Teil stimmen. Ich habe aber generell den Eindruck, dass sich in ganz Europa einige Teams schwerer tun in dieser Saison. Ganz perfekt läuft es bei keinem. Vielleicht ist es so, dass immer mehr  Teams sehr gut organisiert sind. Das ist auch in der Bundesliga so. Es gibt ja einige "Überraschungen", was in erster Linie für die Zuschauer perfekt ist, weil Spannung garantiert ist.

bundesliga.de: Wie wirkt Bayern-Trainer Carlo Ancelotti auf Sie? In den vergangenen Jahren hatten Sie einen eher lebhaften Trainer wie Jürgen Klopp. Carlo Ancelotti wirkt wie das Gegenteil, viel ruhiger und gelassener.

Hummels: Das ist sicher zuerst eine Typ-Frage. Carlo Ancelotti hat in über 20 Jahren im Profifußball vieles erlebt, neben großen Erfolgen auch schwierigere Tage. Ihn kann offenbar nur noch wenig überraschen. Das scheint ihm Ruhe und Gelassenheit zu geben. Das bedeutet ja nicht, dass er nicht sieht, wenn er eingreifen muss. Das tut er auf seine Art.

bundesliga.de: Wir haben gehört, Sie sind nicht nur "beruflich" im Fußball unterwegs, sondern schauen auch Zuhause so viel Sie können?

Hummels: Das stimmt. Es gibt ab und zu mal Tage, an denen ausruhen und regenerieren auf dem Programm steht. Beim Fußball schauen kann ich gut entspannen. Vor kurzem habe ich mir das gesamte Programm reingezogen. 2. Bundesliga, Bundesliga und dann das Abendspiel. Ich schaue auch Montag das Zweitliga-Spiel, wenn es geht.

bundesliga.de: Vielleicht ist die nächste Frage nicht ganz ernst gemeint, weil sie auf einem von Ihnen nicht ganz ernst gemeinten Zitat basiert. Sie haben mal gesagt, Sie fühlen sich wie 33...

Hummels: (lacht) Das habe ich nach dem sechsten Tag des Trainingslagers gesagt. Da fühlt sich jeder eher müde. Wir haben hart gearbeitet. Da fühlt sich jeder älter (lacht).

bundesliga.de: Das führt uns zur Frage nach einem Karriereplan bei Ihnen. Gibt es Pläne wie lange Sie spielen wollen. Der ehemalige Bayern-Profi Ze Roberto spielt noch erfolgreich mit über 40.

Hummels: (lacht) Das ist, glaube ich, nichts für mich. Einen Karriereplan aber gibt es nicht. Ich habe noch ein paar Jahre vor mir und schaue dann, wie es geht.

bundesliga.de: Zurück zu den Erwartungen. Wie sehen die bei Ihnen aus diese Saison?

Hummels: Eine Bilanz lässt sich da sicher erst am Ende der Saison ziehen. Derzeit sind wir in allen drei Wettbewerben gut dabei und können alle Titel gewinnen. Das ist sicher ein Ziel. Aber das haben viele Vereine. 

bundesliga.de: Am Mittwoch steht die erste K.o-Runde der Champions League gegen den FC Arsenal an. Was wird auf den FC Bayern zukommen?

Hummels: Spiele, die für uns auch ein Stück weit eine neue Dimension sind. Es geht in zwei Spielen gegen eine extrem starke Mannschaft ums Weiterkommen.

Das Gespräch führte Oliver Trust