Kein großer Abschied für Jürgen Klopp und Sebastian Kehl, kein Pokaltriumph, keine Siegesfeier – Enttäuschung und Ernüchterung trug auch Mats Hummels nach der 1:3-Niederlage des BVB im Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg im Gesicht.

Frage: Mats Hummels, der große Traum ist zu Ende für den BVB. Wie tief sitzt der Frust?

Mats Hummels: Die Enttäuschung ist riesig. Das ist keine große Überraschung für jemanden, der solche Spiele schon mal verloren hat oder der mit einer Mannschaft mitfiebert. Wir sind sehr traurig, sehr enttäuscht. Es war wieder ein Spiel, das wir durchaus hätten in unsere Bahnen lenken können. Am Ende der ersten Halbzeit hatte Wolfsburg aus vier Schüssen drei Tore gemacht, wir aus vier Schüssen einen Treffer. Das war am Ende der große Unterschied. Die effektivere Mannschaft hat gewonnen, so simpel ist das Ganze.

Frage: Waren es bei den Gegentoren auch schlicht zu viele individuelle Fehler?

Hummels: Das ist mir zu pauschal. Es wird immer gern von individuellen Fehlern gesprochen, aber das sehe ich nicht so. Beim 1:2 zum Beispiel zieht Kevin de Bruyne einfach mal ab und trifft den Ball perfekt. Wolfsburg hatte in diesem Spiel das Momentum auf seiner Seite und vielleicht auch das nötige Quäntchen Glück. Das muss man einfach akzeptieren.

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Frage: Dabei hatte die Partie für den BVB mit der frühen Führung sehr gut angefangen.

Hummels: Wie gesagt: Es war ein Spiel, das man nicht verlieren musste. Das heißt nicht, dass wir die bessere Mannschaft waren. Aber wir haben es einfach verpasst, nach der frühen Führung das 2:0 nachzulegen. Bis dahin waren wir da, auch von der Körpersprache her. Und Wolfsburg hatte Probleme. Aber danach kassieren wir ein unnötiges Gegentor und auf einmal war das Spiel wieder komplett offen. Wolfsburg hat wieder an sich geglaubt, während bei uns ein bisschen Nervosität und Ängstlichkeit da zu sein schien. Und dann haben sie uns mit gnadenloser Effektivität bis zur Pause bestraft.

Frage: War das verpasste 2:0 durch die Großchance von Marco Reus der Knackpunkt?

Hummels: Der Knackpunkt war schon der Ausgleich. Ich hatte das Gefühl, danach wurde bei uns alles einen Tick schlechter. Trotzdem hatten wir auch danach noch unsere Möglichkeiten, aber Wolfsburg war eben wie schon gesagt einfach deutlich effektiver. Daher ist der Sieg auch vollauf verdient. Denn Torchancen-Verwertung ist eben auch eine Qualität, die man auf den Platz mitbringen kann.

Frage: War diese Niederlage auch ein Spiegelbild der Saison mit allen Höhen und Tiefen?

Hummels: Das passt wirklich. Wir hatten viele Spiele, die ähnlich liefen. Wir sind gut dabei, aber der Gegner macht die Tore. Das hat sich wirklich nach der gesamten Saison angefühlt.

Frage: Für den BVB war es jetzt das dritte Finale in drei Jahren, das man nicht gewinnen konnte. Wie sehr nagt das an der Psyche?

Hummels: Wenn man so ein Ding sportlich verliert wie wir jetzt gegen Wolfsburg, dann ist das deutlich leichter hinzunehmen als zum Beispiel die Finalniederlage gegen die Bayern im vergangenen Jahr. Das gab es andere Gründe wie das nicht anerkannte Tor, obwohl der Ball hinter der Linie war. Aber diese Niederlage jetzt ist etwas, was in der Karriere eben vorkommt und dazu gehört. Wenn man in guten Mannschaften ist, spielt man viele Finals. Wenn es gut läuft, gewinnt man mehr als die Hälfte. Wenn es schlecht läuft, verliert man mehr. Damit muss man leben.

Frage: Sie wirken sehr ruhig und reflektiert…

Hummels: Ich kann das Spiel jetzt nach dem Abpfiff nicht mehr gewinnen. Mit dem Schlusspfiff ist das Ding vorbei. Man ärgert sich natürlich noch, man kann sauer sein auf wen auch immer. Aber irgendwann muss man sich damit abfinden. Man muss versuchen, mit Niederlagen wie auch mit Siegen wenigstens halbwegs objektiv umzugehen.

Frage: Das Finale war die letzte Partie mit Jürgen Klopp und mit Sebastian Kehl. Haben Sie das schon realisiert?

Hummels: Ich glaube, das wird erst so richtig kommen, wenn man Ende Juni wieder in der Kabine sitzt und dann sind die Beiden nicht mehr da. Sie gehören einfach dazu. Mit Kehli habe ich meine komplette Zeit von siebeneinhalb Jahren hier beim BVB zusammen gespielt, mit dem Trainer sieben Jahre. Das ist eine ordentliche Zeit und an den Umbruch werden wir uns alle sicher erst gewöhnen müssen.

 

Aus Berlin berichtet Dietmar Nolte