Dortmund - Nach 79 Minuten gönnte Thomas Tuchel seinem Kapitän die ganz große Bühne. Mats Hummels verließ den Platz unter donnerndem Applaus und mit stehenden Ovationen – und mit dem guten Gefühl, beim 4:1-Sieg über Eintracht Frankfurt endlich wieder eine ganz starke Leistung auf den Platz gezaubert zu haben. Nach aller Unsicherheit und Kritik in den letzten Wochen war diese Partie Balsam für Seele und Selbstvertrauen des Nationalspielers.

18 Minuten zuvor hatte Hummels im gegnerischen Strafraum Maß genommen. Ball mit rechts angenommen, dann ein satter Linksschuss aus der Drehung, 3:1 für die Borussia. Der Rest war nur noch Jubel und dabei sprachen die Bilder Bände: Der Torschütze brüllte seinen Frust der letzten Wochen und seine Freude über die Befreiung gleichermaßen hinaus, den Mund weit aufgerissen und die Fäuste geballt.

Ilkay Gündogan sprang ihm aufs breite Kreuz, alle Mitspieler kamen hinzu. Eine einzige große Jubeltraube und jeder Einzelne schien zu spüren und zu wissen, was dieser Moment für Mats Hummels bedeutete. Und jeder Einzelne wollte auch ganz bewusst ein Zeichen der Demonstration setzen, wie Gündogan später bestätigte: "Wir stehen hinter jedem unserer Spieler, hinter unserem Kapitän ganz besonders. Teile der Hinrunde sind für ihn nicht einfach verlaufen. Das war ein Zeichen jedes Einzelnen, dass wir zu ihm stehen und uns mit ihm freuen."

Hummels: "Sehr gut für mein Selbstverständnis"

Hinter Hummels liegen schwere Wochen. Nach einem glänzenden Saisonstart mit Borussia Dortmund hatte die Leistungskurve kontinuierlich nach unten gezeigt. Ungewohnte Fehler, fehlendes Timing, Patzer, ein Eigentor – der 26-Jährige wirkte unkonzentriert und fahrig, rückte so immer mehr in die Kritik. Der Verteidiger reagierte missmutig und zog sich ein wenig zurück. Kritische Stimmen tat er nach außen ab. Und doch nagte die Fehlerkette im Innern gewaltig an seinem Selbstbewusstsein, wie er jetzt zugab.

"Mein Selbstvertrauen war in den letzten Wochen zum ersten Mal in meiner Karriere ein bisschen angeknackst. Das habe ich vorher bei mir selbst noch nicht so erlebt. Deswegen waren dieses Spiel gegen Frankfurt, meine Leistung und mein Treffer für mein Selbstverständnis natürlich sehr gut", erklärte Mats Hummels im Interview nach der Partie. "Es lässt sich nicht abstreiten, dass da etwas abgefallen ist."

Zwar sah auch der Nationalspieler beim Gegentor nicht glücklich aus, doch insgesamt zeigte Hummels endlich wieder die ganze Bandbreite seiner Qualitäten. Und die liegen eben nicht nur in einer erstklassigen Defensivarbeit, sondern auch im Spielaufbau. Hier verbuchte der Dortmunder gegen die Eintracht überragende Szenen: Sowohl den Ausgleich zum 1:1 als auch die 2:1-Führung leitete er mit einem Steilpass ein.

Extralob von Thomas Tuchel

Der eigene Treffer war schließlich das I-Tüpfelchen auf eine starke Leistung. So stark, dass Hummels die Szenen nachher sogar mit einem Lächeln kommentieren konnte: "Das sind einfach schöne Momente. Schöner, als wenn man einen Ball verliert und hinten kracht es. Das kann ich ganz gut vergleichen durch die letzten Wochen. Ich bevorzuge ganz klar das heutige Gefühl."

Verdient hatte sich Mats Hummels nach dem Jubel der Mitspieler und den Ovationen der Fans schließlich auch noch ein Extralob seines Trainers: "Ich weiß, dass Mats die Kritik nicht kalt gelassen hat. Er hatte ein bisschen das Selbstvertrauen verloren", gab auch Thomas Tuchel zu (Stimmen zum Spiel). "Ich bin sehr froh, dass er da durch gegangen ist und die Mannschaft ihm dabei geholfen hat. Gegen Frankfurt war er sehr stark – so, wie wir ihn unbedingt brauchen."

Und das am besten schon wieder am Mittwoch. Dann stehen Mats Hummels und der BVB beim DFB-Pokal-Achtelfinale in Augsburg vor der nächsten Herausforderung.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte