München - Mit zwei Siegen hatte der FC Bayern München pünktlich zum Start des Oktoberfestes wieder in die Spur zurückgefunden. Doch der verpasste dritte Sieg beim 2:2 gegen den VfL Wolfsburg am Tag vor dem gemeinsamen Wiesn-Besuch dämpfte die Stimmung beim Rekordmeister. Erstmals seit dem 29. März 2014 (3:3 gegen Hoffenheim) gaben die Bayern in der Bundesliga trotz einer zwischenzeitlichen Zwei-Tore-Führung noch Punkte ab.

Mats Hummels analysierte die Gründe für die Punkteteilung gegen Wolfsburg, betrachtete den momentanen Leistungsstand und blickte auf die kommende Standortbestimmung in der Champions League bei Paris Saint-Germain.

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"Jeder von uns macht Fehler, ich mache Fehler. Sven Ulreich hat auf Schalke super gehalten und davor in dieser Saison auch schon." Mats Hummels, FC Bayern München

Frage: Mats Hummels, 2:2 nach 2:0-Führung - wie ist so ein Spielverlauf zu erklären?

Hummels: Das Tor zum 2:1 muss man losgelöst vom Spielgeschehen oder von allen anderen taktischen Dingen sehen. Nach dem 2:1 hatten wir erst die Riesenchance zum 3:1, damit hätten wir das Ding wieder beruhigen können. Dann hat man uns angemerkt, dass wir eine gewisse Unruhe in uns hatten. Wir wollten unbedingt besser spielen, mehr Druck machen und das Spiel wieder unter Kontrolle kriegen. Wir haben mit viel Laufbereitschaft und Engagement gepresst, aber nicht mit der hundertprozentigen Koordination, sodass Wolfsburg sich oft befreien konnte. So wurde es ein ziemlich offenes und wildes Spiel. Das ist nicht in unserem Sinne, wenn wir zuhause 2:1 führen. Es gab nicht viele Chancen, Wolfsburg hatte maximal zwei ernstzunehmende Chancen, wir hatten noch zwei hundertprozentige für das 3:1. Ich hatte in der 90. Minute noch die große Chance zum 3:2. Die haben wir nicht gemacht. Dann entstand aus diesem sehr offenen Spielverlauf noch ein Angriff, der von uns auf vielen Positionen sicherlich nicht gut verteidigt war. Wir sind mit diesem 2:2 irgendwie zu Recht bestraft worden.

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Frage: Muss Sven Ulreich jetzt besonders aufgebaut werden?

Hummels: Ich glaube nicht. Ich spiele gegen ihn seit ich 12 Jahre alt bin. Jeder von uns macht Fehler, ich mache Fehler. Manchmal vergibt man eine Torchance, manchmal verursacht man ein Tor. Er hat auf Schalke super gehalten und davor in dieser Saison auch schon. Es ist natürlich ärgerlich für ihn und für uns. Aber das passiert im Fußball, da gibt es Fehler, da gibt es gute Leistungen. Am Dienstag wurde er zu Recht gelobt, heute ist das 2:1 ein bitteres Ding. Wir werden ihn sicherlich noch ein bisschen aufbauen, aber so viel hat er gar nicht nötig.

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Frage: Es sollte eigentlich eine gute Generalprobe für das Spiel gegen Paris Saint-Germain werden …

Hummels: Nein, es sollte überhaupt nichts mit Paris zu tun haben. Wir wollten in der Bundesliga drei Punkte holen. Es ist völlig wurscht, was am Mittwoch kommt.

"Auswärts in Paris ist momentan eines der fünf schwersten Spiele in Europa und damit weltweit. Das wird auf jeden Fall eine ganz heiße Aufgabe." Mats Hummels, FC Bayern München

Frage: Wie ist die Verfassung der Mannschaft vor diesem doch auch wichtigen Spiel in der Champions League?

Hummels: Heute war sie nicht so gut. Das sah in den letzten beiden Spielen vor allem gegen Mainz und Schalke deutlich besser aus. Auch wenn es auf Schalke nicht perfekt war, da hat Ulreich uns ein paar Mal den Hintern gerettet. Da hätten wir ein etwas engeres Spiel haben können, aber wir haben zumindest mit viel Engagement gespielt. Wir werden sehen, wie wir das Spiel am Mittwoch angehen werden, wir werden vielleicht auch taktisch ein bisschen anders spielen.

Frage: Nach zwei Siegen zum Auftakt in der Bundesliga gab es die Niederlage bei der TSG Hoffenheim. Darauf folgten zwei überzeugende Siege, nun aber wieder ein Rückschlag gegen Wolfsburg. Wo steht der FC Bayern aktuell?

Hummels: Das ist ein Tagesgeschäft. Wir standen in den letzten beiden Spielen fast da, wo wir sein wollen. Heute waren wir davon wieder ein bisschen weiter entfernt. Sollten wir am Mittwoch wieder ein super Spiel abliefern, wird wieder alles gut sein. Aber man kann selbstverständlich sagen, wir spielen noch nicht den Fußball, den wir wollen und uns vorstellen. Aber es ist auch nicht alles schlecht.

Hummels und Ulreich sind nach dem 2:2 gegen die Wölfe enttäuscht
Hummels und Ulreich sind nach dem 2:2 gegen die Wölfe enttäuscht © imago / Ulmer

Frage: Ist das Spiel in Paris dahingehend eine echte Standortbestimmung?

Hummels: Auswärts in Paris ist momentan eines der fünf schwersten Spiele in Europa und damit weltweit. Das wird auf jeden Fall eine ganz heiße Aufgabe, an die wir mit der richtigen Motivation und Einstellung herangehen werden. So ein Spiel kann immer auch an Kleinigkeiten hängen - schauen wir mal, was am Mittwoch herauskommt.

Frage: Mit welcher Stimmung gehen Sie am Samstag aufs Oktoberfest?

Hummels: Wir sind jetzt natürlich alle sauer, aber am Samstag wird die Verfassung schon wieder anders sein. Der Blick geht dann wahrscheinlich schon Richtung Paris. Es wird nicht ganz so ausgelassen werden, wie es hätte sein können. Aber da ich ohnehin nicht so viel Bier zu mir nehme, ändert sich für mich nicht viel.

Aufgezeichnet von Maximilian Lotz