Berlin - Kein Spieler stand am Samstagabend so im Fokus wie er: Mats Hummels. Der Dortmunder Verteidiger wechselt zur neuen Saison zum Gegner, Bayern München. Ausgerechnet in seinem letzten Spiel in Schwarz-Gelb musste Hummels in der zweiten Hälfte ausgewechselt werden. Im Interview spricht der 27-Jährige über seine Verletzung und sein letztes Spiel im Trikot von Borussia Dortmund.

Frage: Herr Hummels, ausgerechnet in Ihrem letzten Spiel mussten Sie verletzt ausgewechselt werden. Haben Sie dem Trainer signalisiert, dass es für Sie nicht mehr weiter ging oder hat Thomas Tuchel gesehen, dass Sie verletzt waren?

Mats Hummels: Der Trainer hat es gesehen, dass es nicht mehr ging. Ich hatte schon eine Zeit vor der Auswechslung Krämpfe und weiß gar nicht mehr genau, wo ich mir die Verletzung zugezogen habe. Es ist dann komplett in die Wade reingeschossen, dann war Schicht in der Wade. Ich habe zwar versucht, es heraus zu laufen, aber es ging nicht mehr. Man hat es mir auch angesehen, dass ich nicht mehr konnte.

Frage: Wie schätzen Sie selbst Ihre eigene Leistung ein in Ihrem letzten Pflichtspiel für den BVB?

Hummels: Das ist irrelevant. Es ist egal, ob ich gut oder schlecht gespielt habe, oder nur Durchschnitt. Für mich überwiegt einfach die Enttäuschung. Es waren 120 Minuten, in denen wir es nicht geschafft haben, zu gewinnen.

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Frage: Am Ende verlor der BVB unglücklich im Elfmeterschießen. Ihr Trainer Thomas Tuchel erklärte, dass er mitverantwortlich war, dass das Elfmeterschießen verloren ging. Er hätte die Reihenfolge der Schützen ändern sollen. Wie sehen Sie die Situation rund um das Elfmeterschießen?

Hummels: Ach, ich weiß nicht. Beim Elfmeterschießen kann man relativ wenig beeinflussen. Es war sicherlich schwer, geeignete Schützen zu finden. Es waren wirklich alle Spieler kaputt. Schon in der regulären Spielzeit haben sich die Teamkameraden gedehnt und versucht, Krämpfe zu vermeiden. Man hat schon allen Spielern auf dem Platz angemerkt, dass wir alle eine lange, harte Saison gespielt haben und dass es ein sehr intensives Spiel war. Ich bin keiner, der einem einen Vorwurf macht, wenn er einen Elfmeter verschießt. Wer den Mut hat zu sagen, ich schieße, dem gebührt Anerkennung. Und das dann ausgerechnet die vielleicht besten Spieler bei uns im Team (Bender und Sokratis, Ann. d. Redaktion), die Elfmeter verschießen, ist tragisch. Ohne sie wären wir wahrscheinlich gar nicht in die Verlängerung gekommen.

Frage: Wie fühlt es sich nach dem Spiel an, jetzt nie wieder das gelb-schwarze Trikot zu tragen? Wie viel Wehmut schwingt da bei Ihnen mit?

Hummels: Mir ist gerade auch erst bewusst geworden, dass ich zum letzten Mal das gelb-schwarze Trikot getragen und vor unseren tollen Fans gespielt habe. Es war am Samstag das letzte Mal, dass die Schwarz-Gelben für mich jubelten, zum größten Teil jedenfalls. Das wird in Zukunft anders sein und ein merkwürdiges Gefühl dazu. Jetzt muss ich mich an etwas anderes gewöhnen. Es war halt eine sehr schöne Zeit, die nun zu Ende ist, aber ich habe das ja selbst entschieden und hoffe, dass es eine gute Entscheidung war. Ich freue mich für jeden einzelnen Spieler und freue mich auch, wenn der BVB weiterhin Erfolg hat. Nur weil ich gehe, bin ich jetzt nicht gegen den BVB.

Aufgezeichnet von Alexander Barklage in Berlin