München - Jede Menge Erleichterung lag in Mats Hummels‘ Torjubel. Mit einem lauten Schrei und geballter Faust feierte der 27-Jährige seinen ersten Bundesligatreffer im Trikot des FC Bayern München. Der Ex-Dortmunder sicherte dem Rekordmeister damit den 2:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen.

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Es war allerdings „keiner aus der Leckerbissen-Abteilung“, gestand Hummels hinterher. Im Interview sprach der Innenverteidiger über die Bedeutung des ersten Siegs nach zuvor zwei sieglosen Ligaspielen in Serie, die zu behebenden Defizite und den Erfolgsfaktor Zufall.

Frage: Glückwunsch zum Sieg und zu Ihrem ersten Bundesligator für die Bayern, Mats Hummels. Nach vielen Aktionen, in denen Sie Pech hatten, wurde es auch langsam Zeit, oder?

Mats Hummels: Pech oder nicht gut gemacht - beides war dabei. Wir hatten schon haufenweise Chancen nach Standards, auch ich habe schon viele vergeben. In der Kabine haben daher viele das Wort „überfällig“ benutzt. Für mich persönlich war es wichtig und der Sieg war es für uns auch. Das war keiner aus der Leckerbissen-Abteilung, sondern ein erkämpfter. Es war viel Einsatz von uns, aber auch mit einigen Fehlern. Alles in allem war auch ein bisschen Glück dabei, aber das haben wir uns auch verdient, nachdem wir in zwei der letzten vier Partien, die wir nicht gewonnen haben, mit einigen Aluminiumtreffern nicht unbedingt vom Glück verfolgt waren. Es war ein schöner Tag, aber bei weitem kein perfekter, weil wir wissen, dass wir noch zu deutlich mehr in der Lage sind, obwohl es heute auf jeden Fall okay war.

Frage: War die Standardsituation, die zu Ihrem Tor führte, einstudiert?

Hummels: Wir haben tatsächlich Standards einstudiert, die Art und Weise wie das Tor gefallen ist, war aber kein Teil davon. Joshua Kimmich sollte eigentlich gar nicht schießen, aber am Ende ist es einfach am besten, wenn irgendeiner den Ball reinflankt. Damit habe ich persönlich die besten Erfahrungen gemacht. Sobald der Ball zehn Meter zentral vor dem Tor ist, hat man die Chance ihn reinzumachen. Wir waren bisher in dieser Saison damit auch sehr gefährlich, wir hatten bloß noch nicht getroffen – vor allem ich nicht. Es ist umso schöner, das geschafft zu haben.

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Frage: In der Defensive fehlt momentan etwas die Souveränität. Wie erklären Sie sich das?

Hummels: Wir haben am Ende einen Konter nach dem anderen in den Sand gesetzt. Auf einmal hatten wir hinten Vier-gegen-Vier- und Fünf-gegen-Fünf-Situationen, in denen es wirklich noch mal gebrannt hat. Wir haben es am Ende nicht mehr geschafft, für Entlastung zu sorgen. Wir hätten das Spiel ein bisschen besser kontrollieren müssen. Wir sind gerade nicht in der allerbesten Phase, die wir haben können. Dann muss man einfach in Kauf nehmen, dass der Gegner auch mal zu mehr Situationen vor dem Tor kommt, als uns lieb ist. Wir finden nicht immer die Balance, aber daran arbeiten wir. Es war ein Sieg der Mentalität und nicht unbedingt der Klasse oder taktischen Überlegenheit – es war einfach ein Kampfspiel.

Frage: Haben Sie durch den Sieg von RB Leipzig einen besonderen Druck gespürt?

Hummels: Klar, ein bisschen. Den Druck machen wir uns vor jeder Partie selbst. Ansonsten konnten wir eigentlich für uns einen guten Spieltag machen, wenn man vom Leipziger Sieg absieht. Drei von vier Mannschaften hinter uns konnten nicht gewinnen. Deswegen wollten wir den letzten verkorksten Spieltag ein bisschen wieder gutmachen. Das haben wir geschafft. Jetzt müssen wir weitermachen. Es war eben nur ein Spiel, mehr nicht.

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Frage: Hatten Sie im Hinterkopf, was passieren würde, wenn man gegen Leverkusen nicht gewinnt?

Hummels: Im Hinterkopf klingt so, als würden wir das im Spiel mit uns herumtragen. Wir wussten vor dem Spiel, dass der Vorsprung von Leipzig größer geworden wäre, wenn wir nicht gewonnen hätten. Aber mit dem Anpfiff war bei jedem die Tabellensituation weit weg. Wir wollten für uns selbst mal wieder einen Sieg reinhauen. Wir sind glücklich, aber nicht zu hundert Prozent zufrieden.

Aus München berichtet Maximilian Lotz