Hamburg - Am 16. Februar 2011 war die Welt noch in Ordnung beim FC St. Pauli. Sogar mehr als das. Mit dem überraschenden 1:0-Erfolg im Nachholspiel des 21. Spieltags beim Hamburger SV machten sich die "Kiezkicker" bei ihren Anhängern unsterblich.

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Es war bereits das fünfte ungeschlagene Spiel in Folge und der dritte Sieg in Serie für den FC St. Pauli. Es sollte der bis heute letzte "Dreier" in der Bundesliga gewesen sein. Denn in den vergangenen fünf Begegnungen schlichen die Hamburger immer als Verlierer vom Platz.

Eigentor gegen den BVB

Als ob diese Tatsache für den Aufsteiger nicht allein schon bitter genug wäre, mindestens drei der Niederlagen hätten verhindert werden können. St. Pauli spielte immer gut mit, aber offensichtlich geht der Mannschaft von Holger Stanislawski kurz vor dem Abpfiff die Puste aus.

Los ging die Niederlagenserie mit einem 0:2 gegen den souveränen Tabellenführer aus Dortmund. Keine Schande, dennoch ärgerlich, legte St. Pauli sich doch mit dem selbst ein "Ei ins Nest".

Späte Gegentore

Anschließend kassierte St. Pauli in vier Spielen zehn Gegentreffer - allein fünf davon in Nürnberg. Von diesen zehn Toren fiel die Hälfte in der Schlussviertelstunde. Noch schlimmer: Vier Tore kassierten die Hamburger quasi mit dem Abpfiff.

Gegen Hannover erzielte das 1:0 für die 96er. Beim Debakel im Frankenland markierte Christian Eigler zwei seiner vier Tore in der Schlussphase ( und ). Gegen Stuttgart traf der eingewechselte Sven Schipplock in der 88. Minute zum . Und am 27. Spieltag markierte Theofanis Gekas den 2:1-Siegtreffer. Vier dieser fünf späten Gegentreffer fielen aus dem Spiel heraus.

Kaum Schüsse

Während St. Pauli in der Defensive gegen Spielende der Durchblick fehlt, mangelt es der Offensive an Durchschlagskraft. In Frankfurt fanden den Weg aufs Tor. Eine Woche zuvor gegen Stuttgart wurde der gegnerische Keeper gar .

Noch schlimmer verlief das Spiel in Nürnberg. Da gaben die Hamburger , von denen lediglich ein Schuss aufs Tor ging. Auch gegen Hannover musste der gegnerische Keeper - bei insgesamt sieben Schüssen. Und in Dortmund gab es , der aufs Tor ging (und ein Eigentor).

Zentrale mit Schwächen

Bei den zuletzt fünf Niederlagen hatte St. Pauli in jeder Partie lange Durststrecken ohne einen einzigen Schuss. Und in den vergangenen beiden Partien fiel der letzte Torschuss in der 50. (Frankfurt) beziehungsweise 49. Minute (Stuttgart).

Heißt im Klartext, es kommen zu wenige Bälle aus dem Mittelfeld. Am 27. Spieltag war dies an Matthias Lehmann deutlich zu erkennen. Im zentralen Mittelfeld brachte er nur knapp mehr als an (29 von 54). Sein einziger Flankenversuch fand keinen Abnehmer.

Takyi konnte auch nicht überzeugen

Eine Woche zuvor durfte sich Charles Takyi in der Zentrale probieren. Zwar brachte er prozentual mehr Pässe an (ca. 72 Prozent), doch sind recht wenig für einen Spielgestalter. Alle waren zudem erfolglos.

Auch zwei Wochen zuvor beim Heimspiel gegen Hannover stand Takyi im zentralen Mittelfeld. Dabei blieb er ebenso blass wie schon gegen Stuttgart. Er brachte in an (von 23). Erneut fand einen Abnehmer.

Andere Systeme in Nürnberg und Dortmund

In diesen drei Spielen ließ Stanislawski sein Team in einem 4-2-3-1-System auflaufen. Anders war es in Nürnberg und Dortmund. Beim "Club" spielte St. Pauli in einer 4-3-3-Aufstellung. In Dortmund war es ein 4-1-4-1-System.

In Nürnberg schlug St. Pauli im gesamten Spiel , von denen nur zwei ankamen. Fabian Boll, als Mittelfeldspieler zentral hinter den drei Spitzen fungierend, hatte unter seinen 32 Zuspielen.

Beim 0:2 in Dortmund setzte Stanislawski auf zwei zentrale Mittelfeldspieler. Doch auch diese Variante erwies sich nicht als ideal, konnte doch nur einer überzeugen. bei 61 Versuchen. Seine drei Flanken gingen jedoch . Max Kruse kam rechts von Takyi . Er spielte nur 21 Pässe (zwölf erfolgreich) und brachte ebenfalls keine Flanke an (null von zwei).

Der Gegner konnte schalten und walten

Auf der Seite des Gegners sah das meist anders aus. Das zeigt ein Blick auf die Schussstatistik der vergangenen fünf Partien. In vier der fünf Spiele wurden mindestens die Hälfte der Schüsse von innerhalb des Hamburger Strafraums abgegeben.

In Frankfurt waren es zuletzt . Insgesamt . In Nürnberg durfte der FCN im gegnerischen Sechzehner gar (bei insgesamt 19 Schüssen). Noch dramatischer war es beim Gastspiel in Dortmund. Der BVB hatte , 13 davon gab er aus maximal 16 Metern Entfernung ab. Und ging ein Schuss aufs Tor.