Hamburg - Während die Fußballwelt sich aufgrund der - noch nicht einmal beendeten - dominanten Hinrunde vor Borussia Dortmund verneigt, zieht Hannover 96 beinahe unbemerkt seine Kreise. Und das im oberen Tabellendrittel.

So funktioniert die neue Spiel-Matrix auf bundesliga.de!

Vor wenigen Monaten im letzten Moment dem Abstieg von der Schippe gesprungen, stehen die Niedersachsen nach 15 Spieltagen mit 28 Punkten sensationell auf Platz 4. Damit fehlen den 96ern nur noch fünf Zähler, um die Gesamtausbeute der Vorsaison einzustellen.

Das Team der knappen Siege

Am Samstag sicherte sich die Mannschaft von Mirko Slomka mit dem 2:1-Sieg bei Borussia Mönchengladbach bereits den neunten "Dreier" der Saison. Zum siebten Mal gewann Hannover mit einem Tor Unterschied. Das spricht für großes Selbstbewusstsein und eine gewisse Kaltschnäuzigkeit, die gegen die "Fohlen" einmal mehr deutlich wurde.

Denn lange Zeit hatte Gladbach das Heft in der Hand. Gleich der zweite Torschuss der Borussen traf , als Michael Bradley in der 17. Minute mit einem Freistoß von links zum 1:0 erfolgreich war. Vorausgegangen war dem Treffer ein Foulspiel von Lars Stindl.

Gladbach dominierte

Ein Foulspiel war auch die spielentscheidende Szene der Begegnung. In der 43. Minute trat Raul Bobadilla Hannovers Sergio Pinto ins Bein und sah dafür zu Recht die Rote Karte. Von diesem Moment an drehte sich das Spiel zugunsten der in Überzahl spielenden Gäste.

Doch eines nach dem anderen: Bis zu Bobadillas Blackout hatte Gladbach aufs gegnerische Tor geschossen. Die Borussia spielte gefällig und verteilte den Ball gut in der gegnerischen Hälfte.

Bradley und Daems auffällig

Gladbachs Spieler brachten bis zur 43. Minute 61 von 82 Pässen in an. Dazu kamen sechs Flanken (zwei erfolgreich) und drei Torschussvorlagen, vier direkte Freistöße und acht Ballgewinne.

Zu den auffälligsten Akteuren in diesem Zeitraum gehörten Bradley und Filip Daems. Bradley war erfolgreich: Er brachte 14 von 19 Pässen an den Mann, er schlug eine Flanke und bereitete einen Torschuss vor. Daems fand nicht nur 23 von 31 Mal einen Anspielpartner, er schlug zudem und eroberte vier Mal den Ball. Die Flanken sprechen für die offensive Ausrichtung und den Platz, den Borussia zu Beginn hatte.

Alles anders nach Roter Karte

Nach dem Platzverweis seines Teamkollegen hatte aber auch Daems seine Schwierigkeiten. Nur noch 50 Prozent seiner Zuspiele kamen an. Allein in der eigenen Hälfte leistete er sich . Bradley kam nur noch und Gladbach als Team hatte nur noch einen einzigen Schuss, .

Hannover lief bis zur 43. Minute fast nur hinterher. Die Zahlen belegen die eindeutig: nur drei Torschüsse gab 96 ab. Hinzu kamen 31 Fehlpässe und 41 Tacklings mit Ballverlust . Das begann schon im Aufbauspiel, wo sich die 96er 33 Fehlpässe in der eigenen Hälfte leisteten (bei 56 erfolgreichen).

Hannover besser im Aufbau

Das Bild änderte sich drastisch nach dem Platzverweis von Bobadilla. Gladbach zog sich zurück, störte nicht mehr so früh. Dies gab Hannover nach vorn. Das Aufbauspiel wurde schlagartig besser. Nur noch 28 Fehlpässe bei 117 erfolgreichen Zuspielen verdeutlichen dies.

Dieser Trend setzte sich auch in der gegnerischen Hälfte fort. , elf Flanken und sieben Torschussvorlagen gab es von Hannover ab der 44. Minute. Vor allem über die rechte Seite stieß 96 immer wieder nach vorn.

Schlaudraff auf rechts souverän, Hanke mit Kopf

Jan Schlaudraff überzeugte mit 16 erfolgreichen Pässen bei nur zwei Fehlpässen auf rechts. Und selbst Steven Cherundolo und brachte 18 von 21 Pässen auf rechts an.

Slomka brachte in der 59 Minute zudem Mike Hanke. Der Trainer selbst erklärte nach dem Spiel, er entschied sich für diesen Wechsel, um erfolgreicher im Kopfballspiel agieren zu können. Dies gelang bedingt, . Nur zwei Mal kam Hannover in Überzahl zum Abschluss per Kopf. Beide Male war es Hanke, der in der 73. Minute per Kopf den Ausgleich erzielte.

In typischer Stürmermanier

Ansonsten war Hanke zwar aktiv, aber . Zehn seiner 18 Pässe fanden einen Abnehmer. Er versuchte sich zwei Mal als Flankengeber - erfolglos, hatte neben seinen zwei Kopfbällen noch einen Torschuss und wusste sich drei Mal nur per Foulspiel zu helfen.

Dass soll aber nichts Negatives heißen. Denn gute Stürmer sollen schließlich eines tun: Tore schießen. So wie auch Didier Ya Konan. Er trat nur 29 Mal in Erscheinung, davon bis zu Bobadilla Platzverweis. Doch als der Platz plötzlich da war, mit einem Assist und dem Siegtreffer.