Analyse: So hat der BVB die Partie in Frankfurt noch gedreht - © imago images / RHR-Foto
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Match-Facts-Analyse: So drehte Borussia Dortmund die Partie bei Eintracht Frankfurt

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Mit einer Willensleistung hat Borussia Dortmund Eintracht Frankfurt geschlagen und damit einen erfolgreichen Auftakt ins neue Jahr gefeiert: Nach 0:2-Pausenrückstand schlug der BVB in den letzten 20 Minuten zurück und gewann letztlich noch mit 3:2. bundesliga.de zeigt anhand der Bundesliga Match Facts powered by AWS, wie zwei Wechsel den Schwarzgelben halfen, die Partie in letzter Minute noch für sich zu entscheiden.

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Nach 70 Minuten noch 0:2 hinten und doch gewonnen? Borussia Dortmund kam in Frankfurt erst spät in die Partie, konnte aber letztlich einen kaum mehr für möglich gehaltenen Auftaktsieg ins neue Jahr verbuchen. Rafael Borre (15./25.) hatte die Eintracht vor der Pause in Führung geschossen, der BVB wackelte defensiv mitunter bedenklich in der ersten Hälfte. In einem fulminanten Schlussspurt waren es dann Thorgan Hazard (71.), Jude Bellingham (87.) und Mahmoud Dahoud (89.), die die Schwarzgelben zum ersten Triumph bei der SGE seit 2013 schossen. "Mit dem 1:2 kam der Glaube zurück. So ein Spiel komplett zu drehen, sollte den Jungs nun zeigen, dass sich das Thema Haltung sehr lohnt", schilderte BVB-Coach Marco Rose nach der Partie.

Borussia Dortmund feiert einen "geilen, emotionalen Sieg" bei Eintracht Frankfurt

Dabei sah es lange nicht danach aus, als würde Dortmund nach dem Abpfiff positiv über das Thema Mentalität sprechen können. Nach starkem Start inklusive Pfostentreffer von Thomas Meunier holten die Schwarzgelben altbekannte Abwehrschwächen ein, die die Eintracht eiskalt auszunutzen verstanden. Borre brachte nach Filip Kostics Freistoß aus dem Halbfeld die Frankfurter quasi aus dem Nichts in Führung, doch danach spielte im Grunde fast nur noch die SGE. Auch die nächste Großchance der Gastgeber entstand unter gütiger Dortmunder Mithilfe, wieder war Borre der Nutznießer. Der Kolumbianer war die personifizierte Eintracht-Effizienz in der ersten Hälfte: Zwei Tore aus einem xGoals-Wert von 0,3 – eine Abschluss Effizienz von +1,7, das kann sich wahrlich sehen lassen.

Der dominierende Mann der ersten Hälfte: Frankfurts Filip Kostic - imago images / Schüler

Doch Frankfurt drehte danach so richtig auf, besonders Kostic bereitete der BVB-Defensive gewaltige Kopfschmerzen. Der Serbe war auf dem linken Flügel die dominierende Figur der ersten Hälfte: Mehr als die Hälfte aller Frankfurter Angriffe gingen über seine Seite, BVB-Rechtsverteidiger Meunier gewann bis zum Halbzeitpfiff keinen einzigen Zweikampf gegen den umtriebigen Flügelflitzer. Kaum verwunderlich, dass Kostic nahezu an jeder gefährlichen Situationen der Eintracht beteiligt war. Das 1:0 bereitete er direkt vor, das 2:0 leitete der 29-Jährige ein. Dazu sorgte Kostic selbst durch Abschlüsse für Torgefahr und war für den BVB in den ersten 45 Minuten nicht in den Griff zu bekommen. Auch defensiv hatte der Serbe seine Seite nach wackligem Beginn unter Kontrolle.

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Doch trotz aller Abwehrsorgen war Borussia Dortmund nicht derart weit weg, wie das Ergebnis zur Pause vielleicht suggerierte. Der BVB hatte 61 Prozent Ballbesitz, lag auch durch einen Pfostentreffer von Donyell Malen kurz vor dem Halbzeitpfiff in Sachen xGoals zur Pause knapp vorn. "Der Trainer hat uns in der Pause gesagt, dass wir die Sachen, die wir in den ersten 15 Minuten der ersten Halbzeit gemacht haben, weiter auf den Platz bringen müssen, dass wir immer Chancen bekommen werden, dass wir immer die Qualität haben, Tore zu schießen, dass wir es schaffen müssen, das Spiel dominant zu gestalten", erklärte Mats Hummels nach der Partie. Und: Die BVB-Akteure hatten bei der Ansprache offensichtlich gut zugehört, versuchten das Blatt nach dem Seitenwechsel noch zu ihren Gunsten zu wenden.

Der Spieler mit der besten Pass Effizienz auf dem Platz: Marco Reus - imago images / RHR-Foto

Das machte sich zunächst Richtung Frankfurter Tor wenig bemerkbar: Trotz viel Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte fehlte es den Gästen an der nötigen Durchschlagskraft. Die Eintracht verpasste es derweil, die Partie vorzeitig zu entscheiden – Jesper Lindström, Rookie des Monats Dezember, scheiterte direkt nach Wiederbeginn im Eins-gegen-Eins an Dortmunds Keeper Gregor Kobel. Der BVB kämpfte sich allerdings Stück für Stück in das Spiel, zeigte vor allem läuferisch in der zweiten Hälfte eine andere Einstellung: Hatte Frankfurt in den ersten 45 Minuten noch fast zwei absolvierte Kilometer mehr auf dem Tacho, konnten die Schwarzgelben nach dem Seitenwechsel aufschließen. Auch bei den Zweikämpfen legte die Rose-Elf einen Zahn zu und entschied besonders die wichtigen Duelle im Mittelfeldzentrum für sich.

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Dadurch erhöhte Dortmund sukzessive den Druck, insbesondere Erling Haaland wurde von seinen Offensivkollegen vermehrt in Szene gesetzt. Entscheidend für den Umschwung in der Partie waren allerdings zwei Wechsel: Bei der Eintracht verließ Kapitän Sebastian Rode das Feld, zuvor hatte die SGE das Zentrum sehr gut bespielen und sich immer wieder befreien können. Mit einem Wert von +2,59 hatte der Routinier die beste Pass-Effizienz bei den Frankfurtern. Auf der Gegenseite war Marco Reus derjenige, der in dieser Kategorie herausragte – mit 3,2 war der BVB-Spielführer der beste Akteur auf dem Rasen. Und durch Hazards Hereinnahme (kam für Julian Brandt) bekam der Offensivallrounder mehr Freiheiten im Zentrum, die die Schwarzgelben zu nutzen wussten.

Gerade durch die Mitte strahlte das Rose-Team nun deutlich mehr Wucht aus, wusste auch Haaland besser ins Spiel zu bringen. Nach Martin Hintereggers technischem Fehler eroberte Reus den Ball und brachte Haaland ins Spiel – dessen perfekte Vorlage veredelte Hazard zum 1:2, das letztlich den Glauben zurückbrachte. Mut, Mentalität und Marco Reus: Mit diesen Zutaten setzte der BVB der Eintracht in der Schlussphase zunehmend zu – auch wenn die Frankfurter es mit viel Leidenschaft erst einmal gut verteidigt bekamen. Doch letztlich brachte die individuelle Qualität der Dortmunder die Entscheidung: Haaland war in zwei Situationen nur gerade noch zu stoppen, beide Male nutzten seine Mitspieler die Freiräume. Beim 2:2 lief Bellingham perfekt in die Lücke im Zentrum und köpfte Meuniers mustergültige Flanke freistehend ein, den entscheidenden Treffer erzielte Dahoud mit einem sehenswerten Schlenzer nach Haalands Dribblingversuch.

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Unterm Strich stand in einem wilden Spiel ein letztlich glücklicher, aber verdienter Sieg für den BVB, der niemals aufhörte an den Erfolg zu glauben. Mit einer Steigerung der Intensität gegen den Ball und einer großen Wucht im letzten Drittel gelang es innerhalb von 18 Minuten, aus einem 0:2-Rückstand einen 3:2-Auswärtssieg zu machen. Durch den ersten Triumph in Frankfurt seit 2013 verkürzten die Schwarzgelben den Abstand zu Tabellenführer FC Bayern München auf sechs Punkte. Und doch hat der spektakuläre Schlagabtausch bei der Eintracht trotz des erfreulichen Endergebnisses viel Arbeit für Marco Rose und sein Team aufgezeigt. "Stabilität müssen wir uns ganz oben auf die Fahne schreiben“, betonte auch BVB-Abwehrchef Mats Hummels. "Wenn wir etwas gewinnen wollen, brauchen wir dieses Energielevel über 90 Minuten jede Woche“, so der Innenverteidiger. Welche Wucht Borussia Dortmund ausstrahlt, wenn das Energielevel stimmt, davon kann Eintracht Frankfurt nun ein Lied singen.