München - Als Torhüter Marwin Hitz den Ball in der Nachspielzeit im Tor von Bayer 04 Leverkusen versenkte, brachen beim FC Augsburg alle Dämme. "Dass ich den Torjäger ins Tor stelle, hätte ich auch nicht gedacht", gab Markus Weinzierl anschließend zu. Der Trainer hatte sich im Laufe der Woche entschieden, Hitz erstmals seit seinem Kreuzbandanriss Ende November wieder aufzubieten.

Eine solch spektakuläre Rückkehr ins Tor des FCA hätte sich der abgeklärte Schweizer wohl nicht erträumen können. Unmittelbar nach seiner Ehrenrunde durch das Stadion stand der 27-Jährige noch ganz unter dem Eindruck der verrückten letzten Minuten. Im Interview gibt Hitz einen Einblick, was in diesen Sekunden in ihm vorging.

"Dann stand ich am richtigen Ort"

Frage: Marwin Hitz, wie haben Sie die spektakulären letzten Minuten und Ihren Treffer zum 2:2-Ausgleich erlebt?

Marwin Hitz: Ich habe zum Trainer geschaut und er hat mich nach vorne gewunken. Ich bin dann lange am zweiten Pfosten geblieben, weil ich sicher war, dass mich dort keiner deckt. Ich bin dann reingelaufen, aber die Ecke war leider zu kurz und wurde geklärt. Der Ball blieb aber bei uns. Da habe ich gedacht, ich bleibe vorne, denn der Weg nach hinten ist zu weit. Und dann stand ich am richtigen Ort.

Frage: Viele Torhüter gehen eher mit dem Kopf hin, weil sie sich in der Luft sicherer fühlen, aber Sie haben den Ball mit dem rechten Fuß versenkt.

Hitz: Mit dem Kopf hätte ich den nicht reinbekommen (lacht). Es war die richtige Entscheidung, mit dem Fuß hinzugehen.

Frage: Das war durchaus technisch anspruchsvoll, solch ein Tor macht nicht jeder.

Hitz: Ich war zwar schon immer Torhüter, aber früher in der Jugend öfters mal vorne unterwegs. Beim Warmmachen habe ich lieber aufs Tor geschossen, anstatt selbst im Tor zu stehen. Vielleicht hat sich das jetzt ausgezahlt.

"War nicht leicht, hineinzukommen"

Frage: Das Tor haben Sie mit dem rechten Fuß gemacht, das Knie hat Ihnen nach Ihrem Kreuzbandanriss dabei keine Probleme bereitet?

Hitz: Nein, überhaupt nicht. Ich trage so einen schönen "old school" Schoner - vielleicht war das entscheidend.

Frage: Sie haben haben Ihr erstes Spiel seit dem 12. Spieltag gemacht. War es für Sie zunächst schwierig, wieder hineinzufinden?

Hitz: Ich war sehr lange verletzt und hatte zudem noch einen Rückschlag erlitten. Es war nicht leicht, hineinzukommen, mit den Platzverhältnissen war es auch nicht einfach. Ich hatte in diesem Jahr noch kein Spiel bestritten, aber am Schluss ist alles gut ausgegangen.

"Werde das Trikot behalten"

Frage: Was ging Ihnen durch den Kopf, als der Ball im Netz einschlug?

Hitz: Ich wollte kurz jubeln und dann eigentlich direkt zurück. Doch dann bin ich leider festgehalten worden und musste noch ein bisschen mitjubeln (lacht). Aber ich hatte schon wieder den Anpfiff im Kopf.

Frage: Haben Sie das wirklich so schnell abgehakt?

Hitz: Ich breche sonst auch nicht in großen Jubel aus, wenn wir ein Tor schießen. Deswegen wollte ich so schnell wie möglich zurück und das Spiel weiter verfolgen.

Frage: Sie hätten sich ja auch einen speziellen Torjubel überlegen können?

Hitz: Für mein nächstes Tor überlege ich mir jetzt etwas (lacht).

Frage: Wird Ihr Trikot einen besonderen Platz bei Ihnen bekommen?

Hitz: Ich habe eigentlich keine große Sammlung meiner Trikots, aber das werde ich jetzt doch behalten. Oder vielleicht auch noch die Schuhe.

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz

Treffsichere Torhüter der Bundesliga-Geschichte

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