Köln - Mit Borussia Mönchengladbach gewann Martin Max 1995 den DFB-Pokal, zwei Jahre später mit Schalke 04 den UEFA-Cup. Im Interview mit bundesliga.de spricht der zweimalige Torschützenkönig der Bundesliga über die anstehenden "Mönchengladbach-Schalker-Festwochen", duellerieren sich seine beiden Ex-Vereine nun doch innerhalb von zwölf Tagen in Bundesliga und Europa League gleich dreimal.

bundesliga.de: Herr Max, in den kommenden zwei Wochen treffen Ihre beiden Ex-Vereine Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 in kurzer Zeit dreimal aufeinander. Wie sehr kribbelt es bei Ihnen bei diesen Duellen?

Martin Max: Das ist natürlich immer etwas Besonderes. Beide Clubs sind Traditionsvereine. Die Borussia war mein erster Verein im Profibereich. Da habe ich meine Lehrjahre verbracht. Bei Schalke habe ich dann meine Gesellenprüfung absolviert. Danach war ich ein erfahrener und fertiger Spieler, für den sich auch der persönliche Erfolg eingestellt hat.

bundesliga.de: Sie wurden mit den Fohlen Pokalsieger, mit Schalke UEFA-Cup-Sieger und bei den Münchener Löwen zweimal Bundesliga-Torschützenkönig. Welche Erfolge waren die schönsten?

Max: Die Mannschaftserfolge. Es war damals noch eine andere Zeit. Ich kam als Verbandsliga-Spieler zur Borussia und wurde gleich ins kalte Wasser geworfen. Deshalb spreche ich von Lehrjahren. Im Grunde musste ich mir alles selber beibringen. Die Jungs werden heutzutage alleine durch die Nachwuchsleistungszentren viel besser auf das Profigeschäft vorbereitet. Schalke war dann der Verein, für den ich von klein auf geschwärmt habe. Ich bin noch mit dem Fahrrad und später mit dem Moped ins Parkstadion gefahren. Schalke war und ist mein Herzensverein. Als Rudi Assauer mich damals anrief, war schnell klar, dass ich zu Schalke gehen würde. Die sechs Jahre in Mönchengladbach waren dann auch genug.

Video: Bentaleb schlägt ein

bundesliga.de: Heute rangieren Mönchengladbach auf Platz 10 und Schalke auf Rang 12. Das dürften sich beide Vereine anders vorgestellt haben.

Max: Absolut. Beide Mannschaften haben in der Bundesliga ihre Probleme. Trotzdem ist bei beiden Qualität vorhanden. Das zeigen sie auch immer wieder. Aber es fehlt in diesem Jahr die Stabilität. Ich erwarte ein Duell auf Augenhöhe und sehen die Chancen in der Euro League bei 50:50. Kleinigkeiten werden entscheiden. Nichtsdestotrotz wünscht man sich ja im europäischen Wettbewerb einen internationalen Gegner. Für mich kommt die Begegnung daher ein bisschen zu früh. Für den deutschen Fußball ist es auch nicht schön, dass eine Mannschaft auf der Strecke bleibt. Für den Gewinner aber sehe ich gute Chancen, weit zu kommen. Schon bei uns hatte Franz Beckenbauer 1997 gesagt: "Wenn man ins Finale kommt, ist alles möglich."

bundesliga.de: Trauen Sie einem oder vielleicht auch beiden Vereinen noch die große Aufholjagd in der Bundesliga zu?

Max: Wie gesagt, Qualität ist in beiden Kadern vorhanden. Wenn sie einen Lauf hinbekommen, ist es sicher noch möglich. Noch sind genügend Spiele da - sie müssen aber langsam mal damit anfangen. Bei uns auf Schalke treten wir durch die vielen Unentschieden ein bisschen auf der Stelle. Es müssten jetzt ein paar Siege her.

bundesliga.de: Wenn Sie sich so Schalkes Saisonverlauf bislang anschauen: Sehen Sie Parallelen zur Saison 1996/97, als die Eurofighter geboren wurden, die in der Bundesliga schwächelten, aber den UEFA-Pokal gewannen?

Max: Die Frage wird mir jetzt oft gestellt und ist ja auch berechtigt. Ich sehe da durchaus Parallelen. Wir waren damals in der Liga auch nicht die Erfolgreichsten und standen auf einer ähnlichen Position wie die Mannschaft heute. Für uns waren die internationalen Spiele dann etwas ganz Besonderes. Für die Jungs dürfte das heute auch nicht großartig anders sein. Damals haben uns unsere Fans zum Erfolg getragen. Warum soll das nicht noch einmal möglich sein?

bundesliga.de: Worauf wird es zwischen Gladbach und Schalke vor allem ankommen?

Max: Ich glaube, das werden ganz enge Spiele, in denen die Tagesform entscheiden wird. Beide Mannschaften müssen in der Bundesliga jetzt ihre Spiele gewinnen. Daher erwarte ich einen offenen Schlagabtausch.

"Hecking hat neue Impulse gesetzt"

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bundesliga.de: Bei beiden Vereinen sitzen Trainer auf der Bank, die ihren Verein noch nicht so lange trainieren. Dieter Hecking hat im Winter übernommen und in Mönchengladbach den Umschwung wie es scheint hinbekommen. Die Fohlen sind die beste Rückrundenmannschaft.

Max: Dieter Hecking hat sicherlich neue Impulse gesetzt, die gefruchtet haben. Das sieht man. Die Qualität war vorher schon da. Die Mannschaft sammelt jetzt fleißig Punkte. Bei uns auf Schalke fand im Sommer ein großer Umbruch statt. Wir hecheln immer noch den ersten fünf Spielen hinterher, in denen wir keinen Punkt geholt haben. Dann kamen noch einige Verletzte dazu. Die Serie reißt ja leider nicht ab. Das macht die Aufgabe natürlich noch schwerer.

bundesliga.de: In der Offensive hat die Borussia momentan mehr Optionen als Schalke. Ist das ein Vorteil für Gladbach?

Max: Das muss nicht sein. Schalke kommt mehr über die Geschlossenheit der Mannschaft, in der jeder in der Lage ist, ein Tor zu schießen. Im Mittelfeld denke ich da beispielsweise an Alessandro Schöpf, Nabil Bentaleb oder andere. Aus Stürmersicht muss ich aber auch sagen, dass dir ein Topstürmer in den eigenen Reihen am Ende fünf, sechs Punkte mehr bringen kann.

bundesliga.de: Werden Sie sich das Bundesliga-Spiel am Samstag im Stadion angucken?

Max: Wahrscheinlich ja. Es steht aber noch nicht genau fest, weil ich mir auch am Freitag die Partie des FC Augsburg gegen RB Leipzig ansehen möchte. Ich muss ja auch mal meinen Sohnemann anschauen.

bundesliga.de: Das ist ein gutes Stichwort. Was ist denn da falsch gelaufen, dass Ihr Sohn Philipp Max Abwehrspieler geworden ist?

Max: (lacht) In der Hinsicht hat er nichts von mir. Er hat einen guten linken Fuß, Linksfüße werden immer gesucht. Ich habe ihn immer gefördert und mit Zuckerbrot und Peitsche unterstützt. Ich bin sehr zufrieden mit seiner Entwicklung.

bundesliga.de: Wie geht das Spiel am Samstag aus?

Max: Ich tippe auf einen 2:1-Sieg von Schalke. Mein Herz schlägt für Schalke.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski