Köln - Am Samstag steigt im Berliner Olympiastadion das Spitzenspiel des 31. Spieltags, wenn Hertha BSC den FC Bayern empfängt. Die Berliner wollen ihre Ambitionen auf Platz vier untermauern, die Münchener könnten bei einem eigenen Sieg und einer Dortmunder Niederlage in Stuttgart sogar vorzeitig ihre vierte Meisterschaft in Folge feiern. Für reichlich Spannung ist also gesorgt. Im Interview mit bundesliga.de spricht der ehemalige Hertha-Verteidiger Marko Rehmer über die Chancen der Berliner, denen der Vizeweltmeister von 2002 den Sprung in die Champions League zutraut.

bundesliga.de: Herr Rehmer, am Samstag empfängt Hertha BSC im Topduell des 31. Spieltag den FC Bayern München - der Vierte spielt gegen den Tabellenführer. Ist das trotz des tollen Berliner Saisonverlaufes immer noch ein bisschen gewöhnungsbedürftig?

Marko Rehmer: Nein. Am Anfang der Saison hätte ich das vielleicht noch ein bisschen komisch gefunden. Aber mittlerweile hat sicher auch der FC Bayern Respekt vor einem Auswärtsspiel bei der Hertha. Anfangs wurden die Berliner sicher noch etwas unterschätzt, alle haben erwartet, dass die Mannschaft einbricht. Aber meines Erachtens stehen sie zurecht dort oben und wirken auch gefestigt. Sicherlich ist es auch der Tatsache geschuldet, dass die anderen Mannschaften nicht ganz auf ihrem Level spielen. Das kann Hertha aber egal sein, die Mannschaft ist Vierter. Somit ist es zurecht das Spitzenspiel des 31. Spieltags.

bundesliga.de: Hertha hat in den letzten drei Spielen nur einen Punkt geholt, aber trotzdem noch vier Zähler Vorsprung auf den Fünften. Wie schätzen Sie die Ausgangssituation ein? Ist die Qualifikation zur Champions Laeague für die Berliner machbar?

Rehmer: Auf jeden Fall. Auch die Konkurrenten haben kein so leichtes Programm, wenn ich da an Mönchengladbach denke, das noch nach München und gegen Leverkusen antreten muss. Hertha muss ebenfalls nach Leverkusen. Es kann noch viel passieren. Aber wie sagt man so schön: Hertha hat es in der eigenen Hand. Es ist machbar, vielleicht sogar Platz drei zurückzuholen.

"Hertha kann für eine Überraschung sorgen"

bundesliga.de: Wie sind die Bayern zu packen? Glauben Sie, dass Pep Guardiola wenige Tage vor dem Halbfinale der Champions League viel rotieren wird?

Rehmer: Alle Spieler, die bei den Bayern von der Rotation betroffen sind, würden bei allen anderen Vereinen mit Kusshand genommen. Es macht keinen so großen Unterschied, mit welcher Elf die Bayern spielen. Alle Spieler von der Nummer 1 bis zur 20 sind Topspieler. In den letzten Spielen wurden schon Thomas Müller oder Arturo Vidal geschont. Trotzdem wird es eine schwere Aufgabe für Hertha, weil die Bayern das Spiel ernst nehmen werden. Die Bremer haben es im Pokalspiel ganz gut vorgemacht, wie man mit einer gesunden Aggressivität dagegenhalten kann. Dann bekommen auch die Bayern Probleme. Man muss versuchen, eigene Torchancen herauszuarbeiten.

bundesliga.de: Haben Sie nach den letzten Resultaten den Eindruck, dass die Mannschaft im Schlussspurt mehr Druck verspürt, weil sie jetzt - nachdem sie so lange oben stand - etwas zu verlieren hat?

Rehmer: Die Tendenz deutet vielleicht darauf hin, dass der Druck größer wird. Aber nach der letzten Saison wäre es für Hertha ein Riesending, wenn man nächstes Jahr international spielt. Die Spieler sind Sportler und Profi genug, um zu versuchen, das Bestmögliche zu erreichen. Vielleicht hemmt es ein bisschen, wenn sie im Hinterkopf haben, dass sie fast die ganze Rückrunde auf Platz drei standen und da gerne bleiben möchten. Gegen die Bayern kann Hertha vielleicht für eine Überraschung sorgen, auch wenn die Bayern rein rechnerisch wieder in Berlin Meister werden können, sollte Dortmund in Stuttgart verlieren. Für Hertha werden die Spiele danach entscheidend sein, wenn es nach Leverkusen und Mainz geht.

bundesliga.de: Läuft es für Hertha auf ein Endspiel am letzten Spieltag beim 1. FSV Mainz 05hinaus? Die Mainzer haben auf dem Papier das leichtere Restprogramm.

Rehmer: Ich hätte damit gerechnet, wenn die Mainzer ihr Spiel am Wochenende gegen den 1. FC Köln gewonnen hätten. Dann wären sie bis auf einen Punkt an Hertha aufgerückt. Sie haben aber verloren. Trotzdem werden die Mainzer auch alles daran setzen, für eine Überraschung zu sorgen. Die Situation ist ähnlich wie bei Hertha. Beide spielen um die Europa-League- und vielleicht sogar um die Champions-League-Plätze mit. In dem Spiel kann es durchaus darum gehen, wer am Ende Platz vier erreicht. Die restlichen Spieltage werden ganz sicher noch sehr spannend.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski