Gelsenkirchen - Ein schelmisches Lächeln trägt Marko Pjaca oft im Gesicht, diese Mal kam er nach dem Abpfiff aus dem Grinsen fast gar nicht mehr heraus. Zweiter Startelf-Einsatz, zweites Tor – der junge Stürmer wird für den FC Schalke 04 immer wichtiger. Mit seinem Treffer des Tages avancierte er gegen Hertha BSC nicht nur zum Matchwinner, sondern hat seinen Klub auch wieder auf Rang zwei der Tabelle geschossen.

Dass dieser Marko Pjaca keine lange Anlaufzeit benötigt und gleich liefern kann, das hat er schon in seinen ersten Wochen auf Schalke unter Beweis gestellt. Im Winter von Juventus Turin zunächst für ein halbes Jahr ausgeliehen, knipste der Kroate in seinem ersten Testspiel gegen Genk nach seiner Einwechslung schon nach vier Minuten. Sein Heimdebüt gegen Hannover, zugleich der erste Startelf-Einsatz für den 22-Jährigen, krönte er prompt mit seinem ersten Bundesligator. Gegen Hertha BSC trug Pjaca jetzt zum fünften Mal in der Liga das königsblaue Trikot - und schoss dabei das goldene Tor.

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Nabil Bentaleb hatte die Szene des Tages in der 37. Minute mit einem Seitenwechsel eingeleitet, Daniel Caligiuri den Ball nach innen geflankt, Franco Di Santo noch kurz verlängert – und dann war Marko Pjaca in bester Mittelstürmer-Manier zur Stelle. Am Fünfmeterraum reagierte er schneller als sein Bewacher und netzte flach links ein. Früh krönte der Angreifer damit seine auffällige Leistung an diesem Nachmittag. Pjaca war bis zu seinem Treffer schon an drei der vier Schalker Torschüsse beteiligt und am Ende entsprechend zufrieden: "Ich denke, ich habe meine Chance genutzt."

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Domenico Tedesco hatte seine Leihgabe dieses Mal anstelle des verletzten Guido Burgstaller als eine von zwei Spitzen aufgeboten und sich damit eine der Stärken des kroatischen Nationalspielers zu Nutze gemacht. Denn es ist die Vielseitigkeit und Flexibilität, die den Linksaußen auszeichnet und die auch sein Trainer zu schätzen weiß: "Marko bringt nochmal eine ganz neue Qualität in unsere Mannschaft. Er kann offensiv rechts und links auf der Außenbahn spielen ebenso wie auf der Acht oder im Sturmzentrum."

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Dem Kroaten kommen dabei neben seinen technischen Fähigkeiten auch seine körperlichen Voraussetzungen zugute, die er bestens einzusetzen versteht. Robust und durchsetzungsfähig im Zweikampf, ist er trotz seiner bulligen Statur und einer Körperlänge von 1,86 Meter schnell und dribbelstark. Er verfügt über eine gute Übersicht, nimmt den Ball gut mit, entwickelt Zug zum Tor und scheut keine Verantwortung, was nicht zuletzt seine Torabschlüsse gegen die Berliner gezeigt haben.

Sein zweites Tor in der Liga kommentierte Marko Pjaca entsprechend unaufgeregt, aber auch nicht ohne Selbstbewusstsein. "Just doing my thing" twitterte der Angreifer zu einem Foto, das ihn nach dem Treffer beim Torjubel mit Di Santo zeigt – beide lassen die Muskeln spielen.

Jede Menge Potenzial

Geht es nach Domenico Tedesco, wird Pjaca dazu demnächst noch öfter Grund haben. Sein Trainer sieht ihn bei ihm noch jede Menge Potenzial, das er in dieser Spielzeit aufgrund seiner schweren Verletzung bislang kaum hatte unter Beweis stellen können. In Diensten von Dinamo Zagreb war Marko Pjaca in der ersten kroatischen Liga zweimal als Fußballer des Jahres ausgezeichnet worden. Nach dem Wechsel zu Juventus absolvierte er in seiner Premierensaison in Italien 20 Pflichtspiele, ehe ihn ein Kreuzbandriss lange außer Gefecht setzte. So kam er seit November nur auf vier Partien für die U19 der Turiner, verbuchte aber auch dort zwei Treffer und drei Vorlagen. "Marko ist keiner, der in den letzten Monaten 25 Spiele hatte. Er ist sehr lange verletzt gewesen. Er braucht jetzt seinen Rhythmus", will Tedesco sein Sturmjuwel erstmal langsam wieder an eine volle Belastung heranführen.

Marko Pjaca im Duell mit Fabian Lustenberger
Marko Pjaca im Duell mit Fabian Lustenberger © imago / Horstmüller

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Nach 66 Minuten war somit auch gegen Hertha Schluss für den Stürmer, länger hat er für seinen neuen Klub noch nicht auf dem Platz gestanden. "Die Kraft reicht noch nicht für viel mehr als 60 Minuten. Das merkt er auch und er weiß das auch selbst einzuschätzen", meint Tedesco. Und was sagt Marko Pjaca selbst? Ob er denn jetzt nicht auch mal 90 Minuten spielen wolle, wurde der Kroate nach dem Sieg der Schalker gefragt. Er zögerte, überlegte. "Ich bin nicht sicher", ließ er dann wissen - und grinste dabei in seiner typischen Art so schelmisch, das jeder auch ohne Worte verstand: Dieser Pjaca ist heiß auf mehr.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte