Sinsheim - Er ist der erfolgreichste Torschütze seiner Mannschaft und zählt zudem zu den treffsichersten deutschen Stürmern. Mark Uth trägt großen Anteil daran, dass die TSG Hoffenheim noch gute Chancen hat, sich erneut für einen internationalen Wettbewerb zu qualifizieren. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht der 26-Jährige über die Arbeitsweise von Julian Nagelsmann, über seine Nationalmannschaftschancen und über seinen Wechsel im kommenden Sommer zum FC Schalke 04.

bundesliga.de: Herr Uth, wirft man einen Blick auf die vergangenen zehn Spiele, so fällt auf, dass sich Sieg und Niederlage beinahe wöchentlich abwechseln. Wo sehen Sie den Grund für die fehlende Konstanz?

Mark Uth: Wir haben es versäumt, das eine oder andere Spiel frühzeitig für uns zu entscheiden. Gegen Freiburg (1:1; d. Red.) etwa haben wir ein gutes Spiel gemacht, kassieren dann aber doch noch den Ausgleich. Das darf uns nicht passieren. Wir müssen die Chancen, die wir uns erarbeiten, auch nutzen und mit dem zweiten oder dritten Tor den Sack dann endgültig zu machen. Dann stellt sich die Frage nach Konstanz auch nicht mehr.

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bundesliga.de: Es soll weitere Angebote aus dem Westen gegeben haben. Was hat den Ausschlag für Schalke 04 gegeben?

Uth: Ich bin überzeugt, dass Schalke für meine persönliche Weiterentwicklung der ideale nächste Schritt ist.

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bundesliga.de: Haben Sie sich mit Ihrem jetzigen Teamkollegen Adam Szalai ausgetauscht, der auf Schalke nicht glücklich wurde?

Uth: Wir haben mal kurz über das Thema gesprochen, aber nicht besonders intensiv. Adams Schalker Zeit liegt bereits einige Jahre zurück, und die Situation war dort eine ganz andere.

"Schalke ist für meine persönliche Weiterentwicklung der ideale nächste Schritt" Mark Uth

bundesliga.de: Apropos Karriereschritte: Was haben der Wechsel zu und die Zeit in Hoffenheim für Ihre Karriere bedeutet?

Uth: Ich glaube insgesamt sagen zu können, dass ich im Laufe meiner Karriere bisher nicht allzu viele falsche Entscheidungen getroffen habe. Die Anfangszeit in Hoffenheim war zwar nicht ganz so rosig für mich, die vergangenen zweieinhalb Jahre aber würde ich als nahezu perfekt bezeichnen. In dieser Zeit habe ich mich hier hervorragend weiterentwickeln können, und dafür bin ich der TSG und ihren Verantwortlichen sehr dankbar.

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bundesliga.de: Welche Rolle hat Julian Nagelsmann für Ihre Entwicklung gespielt?

Uth: Er hat einen großen Anteil daran. Seitdem Julian unser Trainer ist, läuft es für mich sehr gut. Er hat mich deutlich besser gemacht.

bundesliga.de: Was zeichnet Nagelsmann besonders aus?

Uth: Er ist taktisch der beste Trainer, den ich bisher hatte. Julian hat ganz klare Vorstellungen und weiß genau, wie der jeweilige Gegner zu bespielen ist. So etwas hatte ich zuvor noch bei keinem Trainer erlebt.

Uth:
Uth: "Julian Nagelsmann ist taktisch der beste Trainer, den ich bisher hatte. Er weiß genau, wie der jeweilige Gegner zu bespielen ist." © imago / MIS

bundesliga.de: Auch Ihr zukünftiger Trainer, Domenico Tedesco, zählt zur Garde der jungen, hervorragend geschulten Übungsleiter. Hat bei Ihrer Entscheidung eine Rolle gespielt, dass auch Tedesco die moderne Fußball-Philosophie im Hoffenheimer Nachwuchsbereich verinnerlichen konnte?

Uth: Auch dieser Punkt war sehr wichtig für meine Entscheidung. Ich hatte Domenico Tedesco vor meiner Verpflichtung noch nicht persönlich kennengelernt, aber man kann auf Schalke deutlich die Qualität seiner Arbeit sehen.

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bundesliga.de: Bevor Sie auf Schalke Ihre neue Stelle antreten, findet die WM in Russland statt. Wie viele Hoffenheimer sehen Sie im deutschen Kader stehen?

bundesliga.de: Puh, ich denke, es wird in dieser Saison eher schwierig.

"Ich habe die Hoffnung, Nationalspieler zu werden, nicht aufgegeben. Für die WM dürfte es aber zu knapp sein" Mark Uth

bundesliga.de: Auch für Sie und Serge Gnabry?

Uth: Ich würde mich für Serge natürlich sehr freuen. Und in seinem Fall kann ich mir durchaus vorstellen, dass dieser Traum auch in Erfüllung gehen könnte. Was mich betrifft, möchte ich mich allerdings nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

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bundesliga.de: Immerhin sind Sie einer der erfolgreichsten deutschen Torschützen der Liga, und Ihr Ex-Kollege, der jetzige Bayern-Stürmer Sandro Wagner, hat bewiesen, dass man es auch im späteren Verlauf der Karriere zum Nationalspieler bringen kann...

Uth: Niemand kann voraussagen, was irgendwann in der Zukunft passieren könnte. Und ich habe die Hoffnung, Nationalspieler zu werden, auch nicht aufgegeben. Für die WM dürfte es aber zu knapp sein. Ich glaube nicht, dass der Bundestrainer einen Spieler in seinen Kader berufen wird, der zuvor noch nie für die Nationalmannschaft nominiert war.

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bundesliga.de: Sollte sich die TSG stabilisieren und sollten Sie entsprechend weiterhin treffen, könnte sich das vielleicht ändern...

Uth: Nach dem Sieg gegen Wolfsburg sieht die Tabelle gleich wieder anders aus. Wir wollen eine kleine Serie starten, und uns wieder an die internationalen Plätze ran arbeiten.

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"Das Schicksal des 1. FC Köln geht mir natürlich nahe. Ich trage diesen Verein im Herzen" Mark Uth

bundesliga.de: Eine Serie würde auch der 1. FC Köln dringend benötigen. Wie nahe geht Ihnen als gebürtiger Kölner die Situation des FC?

Uth: Das Schicksal des FC geht mir natürlich nahe. Ich trage diesen Verein im Herzen, und freue mich immer, wenn ich im RheinEnergieSTADION auflaufen darf. Und selbstverständlich hoffe ich, dass der Abstieg noch irgendwie vermieden werden kann.

Das Interview führte Andreas Kötter