Frankfurt – Am Mittwoch steht für Eintracht Frankfurt-Kapitän Marco Russ die letzte Untersuchung bei seinem Kampf gegen den Krebs auf dem Programm. Der 31-jährige hofft, die Wintervorbereitung in Abu Dhabi bereits wieder mit dem Team absolvieren zu können. Am vergangenen Samstag spielten sich in der Commerzbank-Arena emotionale Szenen ab, als Russ seine Teamkameraden wiedersah und im Innenraum vor allem auch von einigen Profis des FC Bayern München begrüßt wurde. Rafinha und Mats Hummels umarmten das Eintracht-Urgestein herzlich. "Glücksbringer" Russ sah danach ein achtbares 2:2-Unentschieden seiner Eintracht.

Die Leidenszeit von Russ begann Ende April dieses Jahres mit einer nicht bestandenen Dopingkontrolle nach dem 2:1-Sieg beim SV Darmstadt 98: Nachdem Eintracht Frankfurt von der Anti Doping Komission der DFL darüber informiert wurde, dass SGE-Kapitän Russ im Test einen ungewöhnlich hohen Wert des Wachstumshormon HCG aufwies, musste die Ursache für dieses Ergebnis gefunden werden. Entweder der Frankfurter hatte leistungssteigernde Dopingmittel zu sich genommen, oder er litt an einer Krebserkrankung. 

Viel Unterstützung aus der Bundesliga

Wie sich herausstellte, war es Letzteres. Am Tage des wichtigen Relegationsspiels gegen den 1. FC Nürnberg, gab der Verein bekannt, dass bei Russ eine "schwere Tumorerkrankung" festgestellt wurde, und sich der Spieler unmittelbar in Behandlung begebe. 

Trotz dieser Neuigkeiten erklärte sich Russ für die Partie spielbereit, die dann alles andere als geplant verlief. Im Hinspiel in Frankfurt erzielte er zunächst ein Eigentor, das den Zweitligisten noch vor der Halbzeitpause in Führung brachte. Die Hessen erzielten zwar noch den 1:1-Ausgleich, doch da Russ mit einer Gelben Karte verwarnt wurde, fehlte er im Rückspiel gesperrt. 

Vier Tage später und, nachdem Frankfurt den Klassenerhalt in Nürnberg perfekt gemacht hatte, wurde Russ erfolgreich operiert und startete kurz darauf die Chemotherapie. 

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Der kantige Innenverteidiger, der aus der Eintracht-Jugend stammt, gab im März 2006 sein Bundesliga-Debüt. Nach einem kurzen Gastspiel beim VfL Wolfsburg 2011/12 entwickelte er sich zu einem festen Bestandteil des Frankfurter Kaders und wurde zu Beginn der letzten Saison zum Kapitän ernannt. 

Im September erklärte Frankfurt, dass Russ ein Angebot zur Vertragsverlängerung bis 2019 unterzeichnet habe, woraufhin der Spieler dem Club für das entgegengebrachte Vertrauen und die Unterstützung dankte. 

Es wird zwar noch einige Zeit dauern bis der Fanliebling endgültig wieder fit ist – vor allem aufgrund der Chemotherapie – aber der 31-jährige hofft auf eine Rückkehr in der Winterpause.

Eine Sache war die ganze Zeit über sicher: Die Gedanken der Bundesliga waren und sind beim Frankfurter Spielführer. So auch die von Bayerns Rafinha, der Russ am Samstag noch in den Arm genommen hatte -ein Bild, das um die Welt ging – und ihm auch via Twitter Genesungswünsche zukommen lies. Angesichts der Untersuchung am Mittwoch ist Russ optimistisch: "Sie werden noch einmal meinen kompletten Körper durchchecken, und, wenn die Ärzte ihr OK geben, werde ich anfangen mit unseren zwei Fitnesstrainern zu arbeiten. Mein Ziel ist es beim Wintertrainingslager zum Team zu stoßen. Ich hoffe, für die zweite Saisonhälfte wieder fit zu sein, um eine Option für den Trainer und für Frankfurt darzustellen." 

Andy Smith