Zusammenfassung

  • Marco Reus spielt in Russland sein erstes WM-Turnier

  • Der Dortmunder könnte dem Turnier seinen Stempel aufdrücken

  • Joachim Löw ist von seinen Fähigkeiten begeistert

Köln – In der Bundesliga wird Marco Reus von Borussia Dortmund bald sein 100. Tor feiern. Umso erstaunlicher, dass er mit 29 Jahren nun erstmals bei einer WM dabei sein wird. Er könnte einer der großen Stars des Turniers werden.

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Dass die internationale Fußballwelt den Namen Marco Reus vielleicht noch nicht in der Kategorie Weltklasse einordnet, mag zum einen daran liegen, dass der Dortmunder seinem Heimatverein seit nunmehr 2012 bedingungslos die Treue hält, egal von welchem renommierten Top-Club die Angebote reinfliegen. Zum anderen ist Reus im Dress der Nationalmannschaft bislang viel zu selten in Erscheinung getreten.

Seit seinem Debüt 2011 kommt er gerade einmal auf 30 Einsätze, hat dabei aber immerhin neun Tore erzielt. Zum Vergleich: Thomas Müller hat in einem ähnlichen Zeitraum schon 90 Länderspiele absolviert. Die Dramen von Reus sind hinlänglich bekannt: Vor der WM 2014 wurde er beim finalen Testspiel gegen Albanien so schwer am Sprunggelenk getroffen, dass er den Titelgewinn vor dem TV verfolgen musste. 2016 stand er zwar noch im vorläufigen Kader, eine zähe Schambeinverletzung verhinderte aber jede Einsatzchance.

"Er ist ein Spieler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten - eine Rakete" Joachim Löw

Das einzige große Turnier in seiner Vita ist die Europameisterschaft 2012. Dort spielte Reus noch eine untergeordnete Rolle und kam nur im Viertelfinale und Halbfinale zum Einsatz. Inzwischen hat sich aber viel verändert. Trotz aller Verletzungen, die sich kaum mehr zählen lassen, hat sich Reus zu einem absoluten Topstar der Bundesliga entwickelt, der inzwischen auch viel mehr Verantwortung übernimmt und den BVB als Kapitän anführt.

© imago / Schüler

Sein Glück: Auch nach langen Verletzungen ist sofort wieder auf Topform. So auch in der vergangenen Saison, als er nach seinem Kreuzbandteilriss in den letzten verbleibenden elf Spielen noch sieben Tore erzielte. Eine phantastische Quote für einen Mittelfeldspieler. Reus besticht dabei durch sein Gesamtpaket an Tempo, technischer Finesse, traumhaftem Passspiel und Abschlussstärke. Überragend ist vor allem seine Schusstechnik. Ein Treffer, wie er ihn am 23. Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach markierte, gelingt wohl nur wenigen auf der Welt. Keine Frage: Ein Reus in Topform könnte der WM in Russland seinen Stempel aufdrücken.

Video: Reus' Traumtor gegen Gladbach

Und deshalb schwärmt auch Joachim Löw: "Er ist ein geschickter und intelligenter" Spieler, der überraschend für den Gegner spielt und raffiniert im Torabschluss ist. Er ist ein Spieler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten - eine Rakete." Der Bundestrainer lässt deutlich durchblicken, dass er bedingungslos auf den Dortmunder setzt, der obendrein im offensiven Mittelfeld auf beiden Flügeln sowie in der Zentrale agieren kann.

Reus selbst hat sich diesmal nach all den Enttäuschungen hohe Ziele gesetzt: "Ich will eine wichtige Rolle spielen und bei den wichtigen Spielen dabei sein." Bezeichnend für ihn: Das Testspiel gegen Österreich war sein erstes Länderspiel seit mehr als zwei Jahren. Immerhin hat dieses verletzungsfrei überstanden. Nun wartet nur noch der finale Test gegen Saudi-Arabien. Dann steht einer phantastischen WM des Dortmunders nichts mehr im Wege.

Karol Herrmann