Zusammenfassung

  • Nach dem 3:2 gegen Eintracht Frankfurt spricht BVB-Star Marco Reus über die Zukunft bei Borussia Dortmund

  • Reus: "Wir haben in der ersten Halbzeit wirklich gut gespielt"

  • Vor der Partie verlängerte der Nationalspieler seinen Vertrag bis 2023

Dortmund - Marco Reus hatte gerade den Platz verlassen, als sich die Ereignisse in Dortmund überschlugen. Von der Bank aus erlebte der Nationalspieler die turbulente Schlussphase und den glücklichen 3:2-Erfolg von Borussia Dortmund über Eintracht Frankfurt samt Siegtor in der Nachspielzeit. Nach dem Abpfiff sprach Reus im Interview über die glücklichen Momente, sparte aber auch nicht mit Kritik an der spielerischen Leistung. Zudem begründet der 28-Jährige noch einmal, warum er seinen Vertrag gerade bis 2023 verlängert hat: "Dieser Verein hat immer die Chance, Titel zu gewinnen!"

Frage: Marco Reus, im Vergleich zum Spiel gegen Salzburg haben die Fans gegen Eintracht Frankfurt nicht nur aufgrund des Sieges eine deutliche Steigerung gesehen.

Marco Reus: In der ersten Halbzeit, ja.

Frage: Und dann?

Reus: Dann war's Mist.

Video: 60 Seconds mit Marco Reus

Frage: Und warum?

Reus: Gute Frage. Es ist schon seit ein paar Wochen ein bisschen unerklärlich, dass wir verschiedene Halbzeiten spielen. Wir haben in der ersten Halbzeit wirklich gut gespielt, auch taktisch ordentlich. Wir waren griffig, wir haben viele Zweikämpfe gewonnen gegen eine richtig unangenehme Mannschaft. In der zweiten Hälfte haben wir es dann nicht mehr geschafft, für Entlastung zu sorgen. Frankfurt hat ein bisschen umgestellt. Damit sind wir nicht mehr so gut klar gekommen, und der Gegner hat mehr die Oberhand gewonnen. Das begann in der zweiten Halbzeit direkt mit gefühlt zehn Eckbällen in Folge für Frankfurt. Wir müssen da stabiler werden. Jeder Einzelne muss mehr den Ball wollen, um für mehr Entlastung zu sorgen. Wir spielen zu Hause und müssen konsequenter auf das zweite Tor gehen.

Frage: Frankfurt hat das Mittelfeld mehr zugestellt, war dies das Problem?

Reus: Sie haben mit der Auswechslung von Rebic quasi Stürmer gegen Mittelfeldspieler getauscht. Sie standen dann mehr in den Halbräumen und unsere Zuteilung passte nicht mehr. Dann bekommst du Probleme. Das müssen wir in der Zukunft auf dem Platz besser lösen. Wir wollen gerade zu Hause nicht immer nur hinterherlaufen.

"Wir müssen da stabiler werden. Wir spielen zu Hause und müssen konsequenter auf das zweite Tor gehen!"

Frage: Speziell die ersten 25 Minuten waren sehr zielstrebig. Woran hat es gelegen, dass der BVB danach nicht mehr so konsequent auf das zweite Tor gespielt hat?

Reus: Frankfurt ist keine Mannschaft, die man einfach so her spielt. Die ersten 25 Minuten waren echt gut, mit schönen Kombinationen nach vorne und mit Ruhe am Ball. Uns fehlt in letzter Zeit einfach das zweite Tor, um noch mehr Ruhe zu bekommen. Da müssen wir hinkommen. Dann kommt auch das Spielerische wieder, was wir in der zweiten Hälfte haben vermissen lassen.

Frage: Die turbulente Schlussphase haben Sie auf der Bank erlebt. Wie schlimm ist es, dann selbst nicht mehr helfen zu können?

Reus: Wenn du in der letzten Sekunde noch das Siegtor machst, dann willst du natürlich am liebsten auf dem Platz sein. (lacht) Aber es ist alles okay, wir haben uns alle riesig gefreut. Und das zählt am Ende.

Gegen Frankfurt kann der BVB die Partie erst in der Nachspielzeit für sich entscheiden © gettyimages / Lars Baron

Frage: Frankfurt hat zweimal ausgeglichen, zweimal ist der BVB wieder zurückgekommen. Wie wichtig war dieser Sieg auch für die Moral der Mannschaft?

Reus: Ich glaube, dass wir schon häufiger Charakter und Moral gezeigt haben. Unser Problem ist im Moment einfach, dass wir mehr auf das zweite Tor gehen müssen, weil uns das viel mehr Sicherheit geben würde. Dann wird unser Spiel auch leichter und dann müssen wir nicht immer bis zur 95. Minute zittern.

Video: Reus trifft gegen alle Bundesligisten

Frage: Sie selbst haben am Freitag mit Ihrer Vertragsverlängerung für Schlagzeilen gesorgt. Was hat Sie dazu bewogen in einer Phase, die für den Club nicht ganz leicht ist?

Reus: Es gibt einige Gründe. Für mich persönlich war es wichtig, Klarheit zu haben vor den wichtigen Spielen in der Endphase der Saison und auch vor der Weltmeisterschaft. Da wollte ich Ruhe haben und meine Zukunft geklärt haben. Zum anderen wollte ich meinen Mitspielern zeigen, dass hier etwas entstehen kann. Ich hoffe, dass es ein Signal ist und wir die Saison auf einem Champions-League-Platz beenden. Danach müssen wir uns kontinuierlich gut aufstellen, dann sehe ich sehr positiv in die Zukunft.

"Ich wollte meinen Mitspielern mit meiner Vertragsverlängerung zeigen, dass hier etwas entstehen kann. Ich hoffe, dass es ein Signal ist" Marco Reus

Frage: Sie haben sich sehr lange bis 2023 an den BVB gebunden. Kann man also davon ausgehen, dass der Verein Ihnen eine überzeugende Perspektive aufgezeigt hat, wie es hier weitergeht?

Reus: Davon können Sie ausgehen! Wir stehen natürlich im Austausch, das ist doch klar. Dieser Verein hat immer die Chance, Titel zu gewinnen. Unser oberstes Ziel ist jetzt aber zunächst, uns wieder für die Champions League zu qualifizieren und ganz aktuell erstmal am Donnerstag in der Europa League in Salzburg in die nächste Runde zu kommen. Und dann gucken wir im Sommer, wie die Zukunft des Vereins aussieht.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte