Zusammenfassung

  • Nach 259 Tagen feiert Marco Reus sein Comeback für Borussia Dortmund.

  • Reus: "Es ist ein geiles Gefühl, einfach wieder dabei zu sein!"

  • Der Nationalspieler freut sich auf das Zusammenspiel mit seinen Kollegen André Schürrle und Mario Götze.

Dortmund - Marco Reus ist nicht unbedingt ein Freund von langen Interviews. Wenn sich der Nationalspieler von Borussia Dortmund nach einer Partie also ganz entspannt einer Runde nach der anderen stellt und plaudert, dann muss er sich richtig wohl fühlen. Und das tut er nach seinem gelungenen Comeback für den BVB. Acht Monate nach seinem Kreuzbandteilriss machte Reus beim 2:0-Sieg über den HSV auf Anhieb klar, dass er dem Spiel der Dortmunder gut tut. Auch deswegen ist der 28-Jährige, der direkt wieder große Ziele ins Visier nimmt, unser "Mann des Spieltags".

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Beim Pokalsieg in Berlin hatte Marco Reus zum letzten Mal in einem Pflichtspiel auf dem Platz gestanden. 259 elendig lange Tage musste er darauf warten, endlich wieder im schwarz-gelben Trikot auflaufen zu können. Auch für ihn, der in seiner Karriere schon manchen gesundheitlichen Rückschlag hinnehmen musste, eine ganz harte Zeit: "Am Anfang war es extrem schwierig. Für einen Fußballer ist es wirklich brutal, wenn du acht Monate raus bist. Vor allem die ersten zwei, drei Monate sind hart, wenn dein Comeback noch in weiter Ferne ist."

© imago / Moritz Mueller

Im Kopf trotzdem immer positiv zu bleiben – nicht einfach: "Du versuchst natürlich in deiner Reha-Zeit wieder auf ein Top-Niveau zu kommen. Mit mehreren Verletzungen und je älter du wirst, wird das nicht unbedingt leichter."

Emotionale Rückkehr für Reus

Umso glücklicher war Reus jetzt nach seinem Comeback und ließ daran auch jedermann gerne teilhaben. "Es ist ein geiles Gefühl, einfach wieder dabei zu sein", brachte er Emotionen und Gedanken auf den Punkt. Wieder in seinem Stadion zu sein, wieder bei der Mannschaft zu sein – "das habe ich ehrlich gesagt am meisten vermisst. Diese Atmosphäre zu spüren, das ist immer wieder ein schönes Gefühl."

Ein Gefühl, dass auch die Fans hatten. Schon bei der Mannschaftsaufstellung feierten sie ihren Dortmunder Jungen enthusiastisch, der sein Team als Kapitän aufs Feld führte und direkt wieder in der Startelf stand. "Für die Öffentlichkeit war es vielleicht überraschend, für mich nicht. Ich war im ständigen Austausch mit dem Trainer. Und ich habe mich bereit gefühlt."

60 Seconds Under Pressure: Marco Reus

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Das zeigte der 28-Jährige dann auch auf dem Platz. Reus ist einer, der Tempo ins Spiel bringt, das dem BVB oftmals gefehlt hat, der gefährliche Pässe spielt und dem Offensivspiel der Borussia mehr Zielstrebigkeit verleiht. Schon nach 50 Sekunden legte er das erste Mal einen Ball für André Schürrle auf. Weitere gute Aktionen folgten vor allem in der zweiten Halbzeit, als er auch den Treffer von Michy Batshuayi einleitete.

Endlich wieder in zentraler Rolle

Dass er das Spiel der Borussia dabei in zentraler Rolle spürbar beleben konnte, war ganz nach dem Geschmack von Reus: "Ich fühle mich auf der 10 eigentlich am wohlsten. Da habe ich auch meine besten Leistungen gebracht", betont der 28-Jährige. Dass bei ihm selbst und in der Mannschaft noch nicht alles perfekt läuft, weiß auch Marco Reus. Für ihn zählt aber jetzt das Positive: "Wir haben vor allem auch zuhause endlich mal wieder gewonnen und können uns oben festsetzen. Wir haben nicht unser bestes Spiel gezeigt, aber in dieser Phase ist es einfach wichtig, dass wir ständig punkten und auch die Dreier holen."

Reus ist überzeugt, dass mit der Zeit auch die spielerische Klasse wieder zurückkommt. Er selbst, das hat die Partie gegen die Hamburger gezeigt, kann dabei mit seinen Ideen und seinem Tempo die entscheidende Rolle spielen. Dafür ist es wichtig, dass der Offensivspieler an sich und seinen Körper glaubt – und genau das tut er offensichtlich, denn der Nationalspieler peilt schon wieder ganz große Ziele an. Wie er denn seine Chancen beurteile, bei der Weltmeisterschaft im Sommer dabei zu sein, wurde Marco Reus gefragt. Die Antwort kam ohne Zögern: "Sehr gut! Natürlich muss ich meine Leistung bringen, um dabei zu sein. Aber ich weiß auch, wenn ich das tue, dann bin ich dabei."

Ein Hauch von Maracana

Apropos Weltmeisterschaft: Marco Reus durfte auf der Bank schon durchschnaufen, als die Borussia gegen den HSV noch einen Hauch von Maracana auf den Rasen zauberte. Wie im WM-Finale 2014 legte André Schürrle in der Nachspielzeit stark für Mario Götze auf, der den Traumpass zum 2:0-Endstand im Tor versenkte. Geht es nach Reus, wird aus diesem Duo demnächst auf dem Rasen wieder ein Trio: "Es wird jetzt Zeit, dass wir Drei mal zusammen auf dem Platz stehen, um dann endlich wieder guten Fußball zu spielen."

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Mit seinem "Best Buddy" Götze hat Reus gerade einmal 97 Minuten zusammen gekickt, seit dieser im Sommer 2016 zum BVB zurückgekehrt ist.Das soll sich schon bald ändern und auch der Borussia zum nächsten Schritt verhelfen, ist Marco Reus nach seinem geglückten Comeback überzeugt: "Ich glaube schon, dass wir dann vorne in der Offensive eine ordentliche Waffe sind."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte