Wolfsburg - Beim 6:0 über Werder Bremen stand Marcel Schäfer erst zum zweiten Mal in der aktuellen Saison in der Wolfsburger Startelf. Konkurrent Ricardo Rodriguez war wegen eines Trauerfalls in der Familie in die Schweiz gereist. Schäfer zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen zurück.

"Er hat seine Sache gut gemacht. Aber damit habe ich auch gerechnet", lobte VfL-Trainer Dieter Hecking den 31-Jährigen nach der Partie. "Marcel lässt sich trotz seiner Reservistenrolle nicht hängen und gibt in jedem Training alles. Vorbildlich.

Die Zahlen bestätigen die starke Leistung des 31-Jährigen. Einen Treffer legte er auf, 71 Prozent gewonnener Zweikämpfe sowie acht Flanken aus dem Lauf waren Spitzenwerte im Wölfe-Team. Nach der Partie verriet Schäfer, warum die Länderspielpause dem VfL gut getan hat und wie die Wölfe am Mittwoch in Moskau auftreten müssen, um in der Champions League zu überwintern.

"Unglaubliche Spielfreude an den Tag gelegt"

Frage: Herr Schäfer, 6:0 gegen Werder Bremen. Wie erklären Sie das klare Ergebnis?

Marcel Schäfer: Wir haben defensiv sehr gut gestanden. Ich kann mich an keine Chance der Bremer erinnern. Ich glaube, der Sieg geht daher auch in dieser Höhe in Ordnung und hätte sogar noch höher ausfallen können, weil wir in der ersten Halbzeit viele Chancen haben liegen lassen. So kann es weitergehen.

Frage: Wolfsburg hat zuletzt geschwächelt, jeweils 0:2 in Eindhoven und in Mainz. Wie erklären Sie die Leistungsexplosion gegen Werder?

Schäfer: Wir haben eine unglaubliche Spielfreude an den Tag gelegt. Wir haben trotz der Belastungen durch die englischen Wochen, die wir hinter uns haben und die bis Weihnachten jetzt noch vor uns liegen, nicht auf Ergebnisverwaltung gespielt.

"Wenn wir so spielen, sind wir schwer zu schlagen"

Frage: Kam die Länderspielpause dem VfL gelegen?

Schäfer: Im Nachhinein betrachtet muss man sagen, die Pause hat uns gut getan.

Frage: Dieter Hecking und Klaus Allofs haben die Einstellung der Mannschaft zuletzt stark kritisiert. Was haben sie in den zwei Wochen seit Mainz gemacht?

Schäfer: Die Beiden haben viele Einzelgespräche geführt und wir Spieler haben uns mal zusammengesetzt, denn natürlich waren auch wir alles andere als zufrieden. Natürlich kann man Spiele auch mal verlieren, aber nicht in der Art und Weise, wie wir das in Eindhoven oder Mainz getan haben. Ich glaube, das Spiel heute hat gezeigt, dass wir die richtigen Ansätze gefunden haben. Es ist wichtig, dass wir auf dem Platz eine Idee haben, dass wir defensiv und offensiv gut zusammenarbeiten. Das ist immer so leicht dahergesagt, aber es ist nicht so leicht. Das war ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn wir so spielen, ist es ganz schwer, uns zu schlagen.

"Rufen auswärts nicht das ab, was wir können"

Frage: Gerade in der Fremde harpert es. Noch kein Auswärtssieg (zur Tabelle). Woran liegt's?

Schäfer: Das weiß ich auch nicht. Wir rufen auswärts nicht das ab, was wir gern abrufen würden. (schmunzelt) Aber ich kann mich dran erinnern, dass wir auswärts schon mal eine Riesenschwäche hatten. Wo das endete, wissen alle. (2008/09 hatte der VfL nach 13 Spieltagen gerade mal drei Pünktchen eingefahren. Am Ende wurden die Wölfe Meister; die Red.)

Frage: Es war Ihr zweiter Einsatz von Beginn an...

Schäfer: Ich hätte mir natürlich einen anderen Anlass gewünscht, meine Chance zu bekommen...

"Man kann sich auf mich verlassen"

Frage: Wie zufrieden waren Sie mit Ihrer Leistung?

Schäfer: Ich glaube, ich habe meinen Job gut gemacht. So wie letztes Jahr auch und so wie immer. Ich kann mich an kein Spiel erinnern, nach dem man sagen würde: Den alten Schäfer kann man nicht mehr gebrauchen. Ich denke, ich habe heute wieder bewiesen, dass man sich auf mich verlassen kann. Vielleicht ist mein Sohn heute auch mal zufrieden mit mir, auch wenn ich kein Tor geschossen habe. Er ist Stürmer, und da wird man nun mal an Toren gemessen.

Frage: Trifft er denn ordentlich?

Schäfer: Oh ja, er trifft. (lächelt) Leider.

"Hart für die Champion League gearbeitet"

Frage: Am Mittwoch geht es in der Champions League bei ZSKA Moskau weiter. Was erwartet den VfL in Moskau?

Schäfer: Wir waren schon mal da. Die Konstellation war damals wie diesmal wirklich eng. (Auch 2009/10 musste der VfL am vorletzten Gruppen-Spieltag zu ZSKA Moskau und unterlag 1:2; die Red.) Es wird ein schweres Spiel werden. Aber wir wollen in die K.o.-Phase. Und wenn wir die Spielfreude, die wir heute entwickelt haben, mit nach Moskau nehmen und so auftreten, werden wir einen Dreier einfahren.

Frage: Was bedeutet die Königsklasse für Sie und den Verein?

Schäfer: Wir freuen uns auf jeden Champions-League-Abend. Dafür haben wir lang und hart gearbeitet. Wir haben es bisher ja nicht allzu oft geschafft, in der Champions League dabeizusein. Ich hoffe für den Verein, dass wir es schaffen, die nächsten Jahre konstant in der Champions League dabeizusein. Und wenn ich nicht mehr spiele, sitze ich vielleicht bei euch Journalisten da oben und genieße diese Abende.

Aus Wolfsburg berichtet Jürgen Blöhs