Köln - Trotz zuletzt vier Niederlagen in Folge steht der SV Darmstadt 98 auf Platz 15 und damit über dem Strich. Nun erwarten die Lilien den Hamburger SV. Vor dem richtungsweisenden Spiel gegen den Tabellenletzten spricht Darmstadts Tempodribbler Marcel Heller im Interview mit bundesliga.de über das schwere zweite Jahr in der Bundesliga und sein jüngstes Erfolgserlebnis.

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bundesliga.de: Marcel Heller, am Sonntag konnten Sie im Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 nach einer tollen Kombination Ihr erstes Tor im Jahr 2016 erzielen. Wie gut hat Ihnen persönlich dieses Erfolgserlebnis getan?

Heller: Das hat mir sehr gut getan. Wenn man ein Tor schießt oder vorbereitet, ist das immer etwas Schönes. Das gibt einem noch etwas mehr Selbstvertrauen. Man wird befreiter. Es war eine tolle Sache. Aber wichtiger ist, dass wir als Mannschaft Erfolge feiern und Punkte sammeln. Wer das Tor schießt, ist am Ende nicht so interessant. Leider haben wir auf Schalke verloren.

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bundesliga.de: Bei Ihnen ist in den letzten Partien ein Formanstieg festzustellen. Der Trainer hatte Sie vorher mal ein Spiel draußen gelassen. Hat Norbert Meier den gewünschten Effekt erzielt? Wie haben Sie es selbst gesehen?

Heller: Ich war am Anfang der Saison nicht so gut in Form. Die drei Jahre zuvor habe ich konstant auf einem hohen Level gespielt. Dass dann einmal eine Phase kommt, in der es nicht so gut läuft, ist ganz normal. Diese Phase hatte ich am Anfang der Saison. Trotzdem habe ich immer weiter Gas gegeben, weil ich wusste, dass ich das auch wieder umbiegen kann. Ich musste weiter hart arbeiten. Allzu viele Gedanken habe ich mir nicht gemacht. Ich habe dann zurecht einmal ein Spiel ausgesetzt, weil der Trainer auch etwas anderes ausprobieren wollte. Es ist komisch, dass es danach bei mir besser lief. Vielleicht wäre es auch so gekommen, wenn ich nicht draußen gesessen hätte. Ich weiß es nicht.

bundesliga.de: Sie spielen jetzt das vierte Jahr in Darmstadt. Ist die Bundesliga und der Abstiegskampf inzwischen Normalität geworden oder noch etwas Besonderes?

Heller: Es ist immer noch etwas Besonderes mit Darmstadt 98 das zweite Jahr in Folge in der Bundesliga zu spielen. Wir wissen, dass wir in der Bundesliga der Verein sind, der den niedrigsten Etat hat. Sich unter diesen Bedingungen durchzusetzen, ist etwas Außergewöhnliches. Wir wollen auch in diesem Jahr mit den geringeren Mitteln die Klasse halten und zeigen, dass es geht. Das ist unser Ziel, auch wenn es schwerer werden dürfte als in der letzten Saison. Dafür müssen wir alle an einem Strang ziehen und Vollgas geben.

bundesliga.de: Sie hatten vor Ihrem Engagement in Darmstadt bei einigen Vereinen gespielt, aber bei keinem so lange wie jetzt in Darmstadt. Erleben Sie bei den Lilien die schönste Phase Ihrer Karriere?

Heller: Das kann man schon sagen. Ich habe in Darmstadt zwei Aufstiege und den Klassenerhalt erlebt. Besser konnte es gar nicht laufen. Vorher gab es Höhen und Tiefen. Mal bin ich bei einem Verein nicht klar gekommen, mal war ich lange verletzt. Es hat nicht so richtig funktioniert. Aber die letzten Jahre haben mir sehr gut getan. Ich habe viele Erfolge gefeiert. Deshalb ist es die schönste Zeit, die ich gerade erlebe.

"Haben es letztes Jahr geschafft, wollen es wieder schaffen"

bundesliga.de: Die Mannschaft steht immer noch über dem Strich, aber es fehlen im Vergleich zur letzten Saison viele Punkte. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation von Darmstadt 98?

Heller: Wir wussten natürlich, dass es in diesem Jahr schwierig würde, die Klasse erneut zu halten, und wir nicht um die Plätze acht bis zehn spielen werden. Aber wir haben es im letzten Jahr geschafft, wir wollen es wieder schaffen. Die Lage ist so, dass die Mannschaften, die mit uns unten stehen, alle eng beieinander liegen. Es ist spannend. Wir müssen die Situation annehmen und wissen, was auf uns zukommt. Am Sonntag können wir uns mit einem Sieg gegen den Hamburger SV ein bisschen absetzen.

bundesliga.de: Letztes Jahr hat Darmstadt einen Großteil seiner Punkte auswärts geholt. In dieser Saison stehen in der Fremde noch null Punkte zu Buche. Warum ist diese Stärke verloren gegangen?

Heller: Ich glaube, es liegt vor allem daran, dass sich die Gegner besser auf uns eingestellt haben, obwohl der neue Trainer im Training auch neue spielerische Elemente einbringt. In dem einen oder anderen Spiel hat man auch gesehen, dass wir uns Torchancen herausspielen können und auch spielerisch nach vorne kommen können. Es ist ein Reifeprozess, der natürlich nicht bis zum 34. Spieltag dauern darf, bis alles funktioniert. Aber wir müssen Geduld haben und immer weiter daran arbeiten. Trotzdem müssen wir sicher auswärts, wo wir in der vergangenen Saison so stark waren, wieder den einen oder anderen Punkt holen. Denn nur über die Heimspiele, in denen es dafür besser läuft, werden wir die Liga nicht halten.

"Wir müssen voll dagegen halten"

bundesliga.de: Jetzt geht es gegen den Hamburger SV, der sieglos auf Platz 18 steht. Aber auch Darmstadt hat zuletzt viermal in Folge in verloren. Auf was für eine Partie stellen Sie sich ein?

Heller: Wir hatten eine ähnliche Konstellation schon vor zwei Wochen gegen den FC Ingolstadt (>>> Zum Matchcenter der Partie #D98FCI), das auch noch kein Spiel gewonnen hatte. Wir haben die Partie mit 0:1 verloren, obwohl wir Riesenchancen hatten. So haben wir Ingolstadt näher an uns herankommen lassen. Der HSV wird es ähnlich versuchen. Die Hamburger können ihre Chancen mit einem Sieg erhöhen. Wir müssen das Spiel so angehen, dass wir mindestens den Abstand auf den HSV verteidigen oder sogar ausbauen. Wir wissen, dass es eine ganz schwere Aufgabe wird, weil sich Hamburg unter dem neuen Trainer immer mehr findet. Wir müssen voll dagegen halten.

bundesliga.de: Danach warten mit den Spielen beim SC Freiburg, zuhause gegen den FC Bayern München und abschließend bei Hertha BSC noch drei schwere Aufgaben bis zur Winterpause.

Heller: Die acht Punkte, die wir jetzt haben, werden hochgerechnet für den Klassenerhalt sicher nicht reichen. Natürlich brauchen wir noch ein paar Punkte aus diesen Spielen vor Weihnachten, um beruhigter in die Pause zu gehen. Es werden noch ganz schwere Aufgaben. Wir müssen weiter hart arbeiten und brauchen auch ein wenig Glück - wie immer in der Bundesliga.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski