Freiburg - Lange wollten sie beim Sport-Club Freiburg ihren Innenverteidiger Matthias Ginter nicht gehen lassen. Der 20-jährige frisch gebackene Weltmeister schien nicht zu ersetzen, entschied sich aber für einen Wechsel zu Borussia Dortmund. Mit Marc-Oliver Kempf haben die Breisgauer aber doch noch einen würdigen Nachfolger gefunden.

 

"Ich möchte beim Sport-Club den nächsten Schritt machen und mich dauerhaft in der Bundesliga etablieren", sagte der 19-Jährige, als er im Juli seinen Vertrag beim SC unterschrieb. Dass dieses Ziel nicht abwegig ist, zeigen die ersten sieben Spieltage der laufenden Bundesliga-Saison: Als einziger Freiburger stand er in allen Pflichtspielen in der Startelf, obwohl er aufgrund der Teilnahme an der U19-EM erst Anfang August ins Training einstieg und keinen Urlaub hatte. Seinen Stammplatz hat der junge Spieler unter Christian Streich also scheinbar sicher. Kempf ist auf dem Weg nach oben.

Bisher 585 Spielminuten beim SC

Bei Eintracht Frankfurt lief es nicht ganz so gut für Marc-Oliver Kempf, der dem Verein eigentlich gerne treu geblieben wäre. "Zuhause, bei Familie und Freundin, das hat schon was." Seit der Jugend spielte er dort und obwohl er 2012 einen Profivertrag unterzeichnete, kam er seitdem nur zu insgesamt 346 Spielminuten in der Bundesliga. Bei seinem neuen Verein hat er diese Zahlen schon nach vier Spieltagen überholt, 585 Minuten kam der Innenverteidiger mittlerweile zum Einsatz.

15 Fouls beging er in diesen ersten sieben Spielen - und damit schon deutlich mehr als Vorgänger Ginter in der kompletten vergangenen Saison (zehn in 34 Einsätzen). "Auf meiner Position sind natürlich in erster Linie Zweikampfverhalten oder Kopfballduelle gefragt", sagt Kempf.

Seine Kopfballstärke kam ihm bei seinem ersten Bundesliga-Tor zu Gute: Nach einer Ecke schraubte sich der 1,85 Meter große Youngster hoch und machte gegen Hertha BSC das bisher einzige Freiburger Kopfballtor dieser Saison.

Auch dass ihm die "Spieleröffnung richtig wichtig" ist und "der Innenverteidiger im modernen Fußball ja fast so eine Art erster Zehner ist", zeigt Kempf in jedem Spiel der Breisgauer. Er ist verantwortlich für den Spielaufbau aus der Abwehr heraus und hatte im Schnitt die meisten Ballbesitzphasen beim SC: 70 pro 90 Minuten.

Erfolgreich in den Junioren-Nationalmannschaften

Während er bei Eintracht Frankfurt auf Anerkennung warten musste, startete Marc-Oliver Kempf als Junioren-Nationalspieler durch. Er durchlief alle Teams ab der U16, mit der U19 stand er bei der Europameisterschaft im Juli 2014 in allen sechs Spielen in der Startelf und holte mit dem deutschen Team sogar den Titel. Sein erstes Spiel für die U20 bestritt er am 3. September gegen die italienische U20-Auswahl.

Helge Winter