München - Pep Guardiola wusste ganz genau, wem er zu danken hatte. Schnurstracks steuerte der Trainer des FC Bayern München nach dem Schlusspfiff auf Manuel Neuer zu, nahm ihn kumpelhaft in den Arm und klopfte ihm mehrmals auf die Brust. Beim 4:1-Erfolg gegen den 1. FC Köln war der Torhüter der Bayern der Matchwinner - allerdings nicht ohne Makel.

"Manuel Neuer war im richtigen Moment Manuel Neuer", sagte Trainer Guardiola (Stimmen zum Spiel) und würdigte damit die Paraden des 28-Jährigen. "Ich konnte mich in den letzten Spielen gegen Paderborn und gegen den HSV nicht so auszeichnen", gab Neuer zu. Gegen Köln musste er dafür umso mehr sein ganzes Können aufbieten.

"Muss auf meinen Instinkt hören"

So verhinderte er zunächst gegen Anthony Ujah mit einem starken Reflex den Ausgleich zum 2:2 (58.) und parierte kurz darauf auch Marcel Risses Direktabnahme (59.). "Da muss ich auf meinen Instinkt hören", kommentierte Neuer die Vereitelung von Ujahs Chance.

Dass der Bayern-Sieg trotz der frühen 2:0-Führung durch Bastian Schweinsteiger (3.) und Franck Ribery (10.) kurzzeitig ernsthaft in Gefahr geriet, lag vor allem daran, dass Ujahs Anschlusstreffer in der Nachspielzeit der ersten Hälfte den Gästen einen wahren Schub verlieh. "Bei der Standardsituation waren wir nicht ganz auf der Höhe und lassen so das 1:2 zu", ärgerte sich Neuer. "Nach der Pause wurde es noch mal ein bisschen eng. Als wir das dann überwunden hatten, lief wieder alles ganz normal."

Torschütze Robben dankt Neuer

Normalität bedeutet bei den Bayern derzeit, dass Arjen Robben trifft. Mit seinem 17. Saisontor sorgte der Niederländer für die Vorentscheidung (67.), Robert Lewandowski machte nach glänzender Vorarbeit Robbens den Deckel drauf (75.). Auch der 31-Jährige hob hinterher Neuers Anteil am elften Heimsieg in dieser Saison hervor. "Wir müssen uns bei Manu bedanken, er hat uns das Spiel heute gewonnen", betonte Robben. "Ohne ihn wäre es vielleicht anders ausgegangen."

Trainer Guardiola weiß ebenfalls, was er an dem Weltmeister im Tor des FC Bayern hat. Deshalb suchte der Spanier auch unmittelbar nach dem Abpfiff das Gespräch mit Neuer. Allerdings ging es dabei nicht nur um die tollen Paraden. Auch der unerlaubt aufgenommene Rückpass von Jerome Boateng war ein Thema des Dialogs. Der indirekte Freistoß von Jonas Hector (23.) blieb zwar folgenlos, sorgte aber dennoch für Ärger bei Perfektionist Guardiola.

Unnötiges Risiko

Bereits in der Vorwoche ging Neuer in einer ähnlichen Szene bei einem abgefälschten Pass von Boateng das Risiko eines Freistoßes ein. "Wenn wir davon sprechen, etwas zu verbessern, dann auch das", sagte Guardiola, betonte aber zugleich: "Manuel hat in der zweiten Halbzeit gezeigt, dass es kein Konzentrationsproblem war. Wir haben gewonnen, weil er zweimal überragend gehalten hat."

Aus München berichtet Maximilian Lotz