Manuel Neuer: "Das Problem waren die ganzen Kontersituationen. Es hat ja wirklich gebrannt bei uns" - © gettyimages / Alex Grimm/Bongarts
Manuel Neuer: "Das Problem waren die ganzen Kontersituationen. Es hat ja wirklich gebrannt bei uns" - © gettyimages / Alex Grimm/Bongarts
Bundesliga

Manuel Neuer vom FC Bayern München im Interview: "Die Tabelle können wir alle lesen"

Dortmund - Die Bayern-Verantwortlichen um Uli Hoeneß lobten Charakter und Mentalität der Mannschaft, doch Manuel Neuer fiel das Lächeln nach der 2:3-Niederlage des FC Bayern München bei Borussia Dortmund schwer. Im Interview nach dem Klassiker setzte sich der Nationaltorhüter auch kritisch mit dem Auftritt seiner Mannschaft auseinander und gab die Richtung für die nächsten Wochen vor.

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Frage: Manuel Neuer, am Ende steht der FC Bayern nach einem spektakulären Duell mit leeren Händen da. Wie bewerten Sie die Partie?

Manuel Neuer: Das ist für uns natürlich enttäuschend! Wir haben viel investiert. In der ersten Halbzeit haben wir es gut gemacht, haben die Dortmunder dann aber in der zweiten Halbzeit auch stark gemacht mit unserem Spiel. Was sie auszeichnet, das weiß man nicht erst seit dieser Saison, sondern das kennt man auch aus den Jahren zuvor. Sie strahlen mit viel Tempo ihre Gefahr aus und schalten mit vier, fünf Spielern sehr schnell um. Und genau das haben sie auch gegen uns wieder unter Beweis gestellt. Damit haben sie uns erwischt, das muss man ganz klar sagen.

"Sie strahlen mit viel Tempo ihre Gefahr aus. Damit haben sie uns erwischt, das muss man ganz klar sagen." Manuel Neuer (FC Bayern München)

Gegen Marco Reus kommt Neuer vor dem Elfmeter zum 1:1 einen Schritt zu spät - © gettyimages / Dean Mouhtaropoulos

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Frage: Der BVB ist so auch zu einer ganzen Reihe von Chancen gekommen.

Neuer:  Sie hatten mehr als die drei Chancen, aus denen sie dann auch die Tore gemacht haben. Auch in der ersten Halbzeit hätten es schon mehr Treffer sein können, wenn zum Beispiel Bruun Larsen den Querpass härter in die Mitte spielt. Oder wenn Marco Reus gleich zu Beginn noch weiter auf mich zuläuft, dann hätte es da auch schon anders aussehen können. Grundsätzlich war aber in der ersten Halbzeit die Kontrolle im Spiel viel mehr auf unserer Seite. In der zweiten Halbzeit haben wir es dann teilweise durch unsere Fehler so gestaltet, dass Dortmund im eigenen Stadion die Chancen hatte, zu kontern.

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Frage: Was bedeuten jetzt sieben Punkte Rückstand auf die Dortmunder für die nächsten Wochen und die weitere Saison?

Neuer: Die Tabelle können wir alle lesen, wir dürfen darauf aber jetzt nicht schauen. Wir wissen, dass wir hinten dran sind. Wir müssen jetzt einfach unsere Spiele gewinnen. Es war in der Vergangenheit schon so, dass wir unter Druck standen. Jetzt stehen wir weiter unter Druck. Wie gesagt, wir müssen unsere Spiele gewinnen – und das bis zur Winterpause möglichst durchgehend.

Frage: So, wie der BVB in der zweiten Halbzeit aufgetreten ist, wird es aber schon schwer, die sieben Punkte aufzuholen…

Neuer: Wir spielen ja nicht jede Woche gegen Dortmund. Und man weiß ja auch, gegen welche Mannschaften die Dortmunder ihre Probleme haben. Wenn Mannschaften hinten drin stehen, dann tun sie sich auch schwerer. Das hat man gegen den einen oder anderen Gegner schon gesehen. Aber für uns ist es wichtiger, nicht über Dortmund zu sprechen, sondern an uns zu denken. Jeder muss alles dafür tun, dass es beim FC Bayern besser wird und wir unsere Spiele gewinnen.

"Jeder muss alles dafür tun, dass es beim FC Bayern besser wird und wir unsere Spiele gewinnen" Manuel Neuer (FC Bayern München)

Frage: Kann die Mannschaft dabei auf dem aufbauen, was sie in der ersten Halbzeit gezeigt hat?

Neuer: Man kann immer auf irgendetwas aufbauen. Wir konnten auch auf der zweiten Halbzeit in Athen aufbauen für dieses Spiel. Aber wir haben es nicht kaltschnäuzig zu Ende gespielt, so dass wir auch mal über längere Zeit in Führung lagen. Vor allem, dass wir die 2:1-Führung nicht halten konnten, das war unser Problem.

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Frage: Es war auch gegen Freiburg so, dass Bayern die Führung am Ende nicht nach Hause bringen konnte.

Neuer: Das kann man jetzt nicht miteinander vergleichen. Ich habe ja schon beschrieben, was dieses Mal das Problem war – die ganzen Kontersituationen. Es hat ja wirklich gebrannt bei uns. Und bei den Chancen hätte Dortmund sich den Ball sonst wo hinlegen können, weil gefühlt immer jemand frei gewesen ist im Strafraum.

Frage: War das für die Mannschaft vielleicht auch ein Problem des Läuferischen? 

Neuer: Mit den Wechseln wurde bei Dortmund schon zusätzliches Tempo eingewechselt. Dortmund kam über das Tempo und die schnellen Spieler, die uns dann weh getan haben.  

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte