London - Es ist wirklich geschehen. Der FC Bayern München hat mal wieder ein Fußballspiel verloren. Am Mittwochabend musste das Team von Pep Guardiola die erste Pflichtspielniederlage der Saison einstecken, ein 0:2 bei Arsenal London in der Champions League. Besonders im Fokus stand Manuel Neuer, der zunächst seine Weltklasse unter Beweis stellte, dann aber einen seiner ganz seltenen Fehler machte.

Es lief die 33. Minute als die meisten der 49.824 Zuschauer im Emirates Stadion schon den Jubelschrei auf den Lippen hatten. Theo Walcott köpfte aus kurzer Distanz auf das Münchener Gehäuse. Manuel Neuer tauchte links zur Seite und wuchtete den Ball mit einer Weltklasse-Parade mit der linken Hand noch zur Ecke.

Lahm: "Seine Parade war Wahnsinn"

"Seine erste Parade war Wahnsinn, den hält auf der Welt keiner außer ihm", erklärte Philipp Lahm nach dem Spiel. Bereits nach sieben Minute musste Neuer zum ersten Mal sein ganzes Können aufweisen, um einen Schuss von Mesut Özil zu halten. Es schien ganz so als sollte es der große Tag des Manuel Neuer werden. Doch nachdem er seine Mannschaft mehrfach vor einem Rückstand bewahrt hatte, wurde einer seiner seltenen Fehler dann bitter bestraft.

13 Minuten vor Schluss sorgte der gerade erst eingewechselte Franzose Olivier Giroud mit seinem Treffer für die Londoner Führung. Vorausgegangen war eine unglückliche Aktion Neuers, der an einer Freistoßflanke des Spaniers Santi Cazorla vorbei segelte. "Ich habe einen Fehler gemacht beim Rausgehen und muss eigentlich auf der Linie bleiben, dann passiert nichts", analysierte der Bayern Keeper, der in der Bundesliga die Rekorde seiner großen Vorgänger Sepp Maier und Oliver Kahn jagt, nach dem Spiel. "Natürlich ärgert mich der Fehler, aber ich kann damit umgehen. Ich weiß, dass ich ein gutes Spiel gemacht habe. Ich kann die Situation sehr gut einschätzen. Es geht weiter."

Für den FC Bayern blieb so nach 90 Minuten die erste Saisonniederlage und das erste Spiel ohne eigenes Tor. Chancen hatte die Bayern gegen den Tabellenzweiten der Premier League allerdings genug. So hätte Thiago nach schöner Kombination mit Thomas Müller bereits nach nur neun Minuten treffen können. Doch am Dienstagabend war die mangelnde Chancenauswertung das große Manko des deutschen Rekordmeisters. "Die Niederlage ist sehr bitter. Vom Gefühl her hatten wir zehn Minuten vor Pause etwas Schwierigkeiten, da haben wir den Gegner zu Kontern eingeladen und da haben sie brutal starke Spieler. Die ersten 30 Minuten und die zweite Hälfte haben wir kontrolliert", erklärte Stürmer Thomas Müller, der seinem Keeper überhaupt keinen Vorwurf machen wollte: "Manu hat uns zuvor überhaupt im Spiel gehalten. Wenn ein Torwart einen Fehler macht, dann ist es meistens immer gleich ein Tor."

Bayern vor einem historischen Sieg

Die Londoner waren vor der Partie immens unter Druck, hatten sie doch unerwartet die ersten beiden Gruppenspiele verloren. Trainer Arsene Wenger verordnete seiner Mannschaft eine starke Defensivtaktik. Arsenal attacktierte erst spät und zog sich teilweise mit allen elf Spielern in die eigenen Hälfte zurück. "Arsenal hat in der Premier League immer mehr Ballbesitz als der Gegner, egal ob sie auswärts spielen oder nicht. So kennt man die Gunners eigentlich nicht," erklärte ein sichtlich überraschter Neuer. Trotz der defensiven Grundhaltung hatte der FC Arsenal die besseren Chancen in der ersten Hälfte.

Nach Wiederbeginn hatten die Bayern das Geschehen wieder besser im Griff. Douglas Costa und Robert Lewandowski scheiterten jedoch mit ihren Versuchen am starken Arsenal-Keeper Peter Cech. "Wir wollten so lange wie möglich die Null halten. Wir wussten, dass wir unsere Chancen bekommen. Es ist alles so gelaufen wie geplant. Wir haben den Bayern über 90 Minuten nicht viel Raum gelassen", analysierte Per Mertesacker, der deutsche Weltmeister in Diensten der Gunners.

Nicht unzufrieden mit der Leistung seines Clubs war Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge: "Der Glücklichere hat gewonnen. Wir haben aus den vielen Chancen, die wir hatten, kein Kapital geschlagen. Wir müssen jetzt das Heimspiel gegen Arsenal gewinnen", so Rummenigge. Am kommenden Sonntag empfangen die Bayern in der Bundesliga den 1. FC Köln. Dann wollen die Münchner nicht nur ihren Startrekord weiter ausbauen, sondern auch als erster Club den 1000. Sieg ihrer Bundesliga-Geschichte feiern (Ewige Tabelle).

Aus London berichtet Alexander Barklage

Twitter: Götze und Schürrle feiern Neuers Parade