München - Die Aufregung wird Manuel Neuer wohl auch am 12. Januar nicht anzusehen sein. Schließlich ist es als Torhüter sein Job immer ruhig zu bleiben. Dank dieser Stärke gewann Neuer mit dem FC Bayern München seit 2011 alles, was es zu gewinnen gibt und wurde mit der Nationalmannschaft in diesem Jahr Weltmeister. Anfang kommenden Jahres könnte mit der Auszeichnung zum Weltfußballer ein weiterer Titel hinzukommen.

Der Weg zum Ballon d´Or führt für den amtierenden Welttorhüter jedoch über namhafte Konkurrenz. Gegen die Superstars Cristiano Ronaldo und Lionel Messi hat Neuer als Torhüter womöglich einen schweren Stand.

"Er sollte den Ballon d´Or gewinnen"

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Dennoch ist der 28-Jährige für seinen Teamkollegen Rafinha der Favorit. "Normalerweise schafft es kein Torwart überhaupt unter die letzten Drei, damit hat er schon viel erreicht. Aber ich denke, er sollte den Ballon d’Or auch gewinnen", sagt der Brasilianer im Interview mit bundesliga.de.

Neuer wäre der erste Torhüter seit Lev Yashin 1963, der diesen Titel erringen würde. Als letzter deutscher Keeper schaffte es Oliver Kahn 2002 in die Endauswahl. Der ehemalige Torhüter des FC Bayern musste damals dem Brasilianer Ronaldo den Vortritt lassen.

Kahn kennt die Nachteile eines Torwarts im Vergleich zu Offensivstars wie Ronaldo und Messi. "Man hat bei dieser Wahl Hemmungen, einen Torwart zu wählen, denn es heißt ja schließlich Weltfußballer", sagte Kahn unlängst dem SID. "Manuel hat aber Chancen, denn er ist ja Fußballer."

Der elfte Feldspieler

Neuer ist eben nicht nur auf der Linie stark, sondern auch als quasi elfter Feldspieler ein wichtiger Faktor im Spiel der Bayern. Sein Aktionsradius reicht dabei weit über die Grenzen des Strafraums hinaus. Beim 1:0-Sieg gegen Leverkusen war Neuer selten gefordert, aber wenn, dann erledigte er seine Aufgaben souverän, zum Beispiel als er im Stile eines Liberos in der 19. Minute einen langen Pass auf Gonzalo Castro weit außerhalb seines Sechzehners abfing und so einen Konter verhinderte.

"Wenn wir ihn brauchen, ist er zur Stelle", betont Rafinha. "Natürlich spielt er in einer super Mannschaft, die hinten wenig zulässt. Wenn aber doch mal einer durchrutscht, können wir uns auf Manuel verlassen." Im Kalenderjahr 2014 kassierte Neuer in 29 Bundesliga-Spielen nur 13 Gegentore, in der laufenden Spielzeit sind es erst drei. Gegen Leverkusen feierte er sein 60. Zu-Null-Spiel im Bayern-Trikot und hielt damit in über 55 Prozent der Bundesliga-Spiele der Münchner seinen Kasten sauber.

Durch nichts aus der Ruhe zu bringen

Seit 2011 trägt Neuer das Trikot des Rekordmeisters. Sein Wechsel vom Ligarivalen FC Schalke 04 zu den Bayern war spektakulär und verlief nicht ganz reibungslos. In München sollte Neuer in die Fußstapfen des zwei Jahre zuvor zurückgetretenen Kahn treten, doch einige Fans sahen die Verpflichtung des gebürtigen Gelsenkircheners skeptisch. Auch auf Schalke haben ihm einige Anhänger seinen Abgang nicht verziehen. Doch Neuer stellt klar: "Ich habe keine Angst vor Pfiffen."

Auswirkungen auf seine Leistungen haben diese ohnehin nicht, denn auf dem Platz lässt er sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Die Nebengeräusche seines Starts sind in München ohnehin längst vergessen, seine tadellosen Leistungen sprechen für sich. In seinen letzten 34 Liga-Spielen hat Neuer kein Gegentor mehr verschuldet - agiert sein einem Jahr praktisch ohne groben Schnitzer.

Neuer selbst bleibt mit Blick auf den Ballon d´Or bescheiden. Für ihn ist das Erreichen der Endauswahl bereits eine große Ehre. "Dass ein Torwart nominiert wird ist ja nicht selbstverständlich", postete Neuer auf Facebook. "Das habe ich aber in besonderem Maße auch meinen Mannschaften zu verdanken: Mit dem FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft haben wir ein großartiges Jahr 2014 gespielt und Titel gewonnen." Das Jahr 2015 könnte mit dem persönlichen Titel für Manuel Neuer genauso großartig beginnen.

Maximilian Lotz