Köln - Der 1. FC Kaiserslautern hat sich nach vier Jahren Abstinenz wieder eindrucksvoll in der Bundesliga zurückgemeldet. Zum Saisonauftakt siegten die Pfälzer mit 3:1 beim 1. FC Köln. Jetzt freut sich der Aufsteiger auf den Klassiker gegen Bayern München am kommenden Freitagabend.

Der Start ist gelungen. Musste er ja eigentlich auch unter diesen Voraussetzungen. Denn der Spielplan meinte es gut mit dem FCK. Ein Auswärtsspiel beim Lieblingsgegner 1. FC Köln, gegen den der Neuling in seinen letzten 22 Bundesliga-Spielen zuvor unbesiegt blieb. 17 Siege (!) und fünf Unentschieden gab es.

Als wäre dies nicht schon Geschenk genug, reduzierten sich die Kölner nach knapp 90 Sekunden auch noch selbst. FC-Kapitän Youssef Mohamad zog die Notbremse gegen Erwin Hoffer. So schnell flog noch niemand in der Bundesliga vorher vom Platz. Dann machte es FCK-Keeper Tobias Sippel mit einem groben Schnitzer zum 0:1 noch einmal unfreiwillig spannend, ehe der Zweitliga-Meister in der Schlussphase drei Mal zuschlug.

FCK führt im direkten Vergleich mit den Bayern

Gefreut haben sie sich über den Sieg schon, aber auch viele warnende Stimmen waren zu hören. Denn jetzt treffen die "Roten Teufel" auf Rekordmeister Bayern München. Und gegen den hat der FCK keine seiner vergangenen 14 Bundesliga-Partien gewonnen.

Selbst am Betzenberg gelang seit 1999 in sieben Spielen bei kläglichen 1:11-Toren kein Sieg mehr. Dabei gehörte das enge Stadion einst zu den gefürchtetesten Arenen der Bayern. Noch immer liegt der FCK daheim im direkten Vergleich mit 17:12-Siegen vorne.

Doch das interessiert verständlicherweise niemanden unter den Lauterer Verantwortlichen mehr. Sie halten sich nicht in der ruhmreichen Vergangenheit des FCK auf, sondern in der durchaus auch erfolgreichen Gegenwart. Trotz der beiden Siege in den ersten beiden Pflichtspielen in Pokal (3:1 in Osnabrück) und Meisterschaft findet Kaiserslautern Trainer Marco Kurz, "dass wir noch viel Arbeit vor uns haben".

Mannschaft zeigt Qualität

Die Fehler blieben dem Coach ebensowenig verborgen wie die große Nervosität einiger Kicker beim Bundesliga-Comeback. Aber Kurz sah auch viel Positives. "Die Mannschaft hat Herz und Willen", attestierte der 41-Jährige seiner Truppe. "Sie kann marschieren, sie kann Fußball spielen. Sie muss jetzt merken, dass sie ihre Qualität im Spiel auch zeigt."

In Köln taten dies vor allem Angreifer Srdjan Lakic, der zwei Mal traf, und der zur zweiten Hälfte eingewechselte Ivo Ilecvic, der ebenfalls als Torschütze glänzte. Zudem stand die Abwehr recht sicher. Im Mittelfeld zog Christian Tiffert die Fäden. Dafür, dass der FCK mit Erwin Hoffer, Oliver Kirch, Christian Tiffert und Jan Moravek gleich vier Neuzugänge in der Startelf und später auch die Neuen Ivo Ilicevic und Leon Jessen aufbot, war das Kombinationsspiel schon recht ansehnlich.

Gegen die Bayern bestehen

Die Integration der neuen Spieler in eine intakte Mannschaft scheint gelungen. Hinzu kommt eine starke Physis der Mannschaft. "Wir hatten viel Power", freut sich Christian Tiffert. "Wir haben in der harten Vorbereitung eine Basis gelegt. Davon profitieren wir auf dem Platz", findet auch Lauterns Kapitän Martin Amedick, der aber dennoch mahnt: "Wir müssen mutiger Fußball spielen und in manchen Situationen ruhiger am Ball bleiben."

Mit einem abgeklärten Spiel und der typischen Lauterer Kampfkraft will der FCK nun auch gegen die Bayern bestehen. "Wir müssen gegen die Bayern eine Superleistung abrufen, wenn wir da etwas holen wollen", weiß Torjäger Srdjan Lakic.

Die Fans feierten die Bundesliga-Rückkehr bereits ausgelassen. Und in der Tabelle rangieren die "Betze-Buben" vor dem Münchener Starensemble. "Es ist aber unseriös nach dem 1. Spieltag auf die Tabelle zu gucken", beschwichtigt Srdjan Lakic. "Den Fans macht es sicher Spaß, aber wir müssen realistisch bleiben." Das werden sie ganz sicher.

Tobias Gonscherowski