Das letzte Länderspiel des Jahres 2009 der deutschen Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste war sicherlich kein normales: Es war Spiel eins nach dem Tod von Robert Enke.

Für die deutsche Elf war das 2:2 aber auch ein erster Schritt zurück in den sportlichen Alltag. Im Interview spricht Bundestrainer Joachim Löw über seine Eindrücke der Partie, die Leistungen von Lukas Podolski und Stefan Kießling. Außerdem zieht er eine knappe Jahresbilanz.

Frage: Joachim Löw, trotz der Trauer um Robert Enke hat die deutsche Nationalmannschaft beim 2:2 gegen die Elfenbeinküste einen versöhnlichen Jahresabschluss gefeiert. Wie schwierig war es für Ihr Team, nach dem tragischen Tod von Enke wieder in den Fußball-Alltag zurückzufinden?

Joachim Löw: Nach der Trauer der letzten Tage war es nicht leicht, den Spagat zurück in die Normalität zu schaffen. Aber die Mannschaft hat dennoch enorme Stärke außerhalb des Platzes gezeigt und zum Teil auch im Spiel. Das war für mich sehr, sehr positiv. Robert hätte in die Hände geklatscht und gesagt: Es geht weiter. Ich habe auch während des Spiels an Robert gedacht und sein Trikot auf der Bank angeschaut.

Frage: Wie fällt angesichts der schwierigen Umstände Ihr sportliches Fazit aus?

Löw: Auch aufgrund der Tatsache, dass wir drei, vier Tage nicht trainiert haben, positiv. Auch wenn nach dem unglücklichen 1:1 der Rhythmus etwas verloren ging. Aber die Mannschaft hat Moral bewiesen, auch nach dem Rückstand die Köpfe nicht hängen lassen. Wir haben ein engagiertes Spiel gezeigt. Deshalb ein Kompliment an die Mannschaft. Wir hatten sehr gute Phasen, in denen wir sehr schnell, taktisch gut gespielt haben.

Frage: Lukas Podolski war nicht nur wegen seines "Doppelpacks" gegen die Elfenbeinküste bester deutscher Spieler. Wie erklären Sie sich, dass Podolski vor allem in der Nationalmannschaft zu Höchstleistungen aufläuft?

Frage: Lukas bringt bei uns immer enorme Spielfreude mit. Er hat ein unglaubliches Potenzial, ist dynamisch, schnell, abschlussstark - egal auf welcher Position er spielt. Er war an allen gefährlichen Aktionen beteiligt. Das macht ihn für uns unverzichtbar. Bei uns spüre ich immer, dass er mit großer Lust bei der Sache ist.

Frage: Auch der Leverkusener Stefan Kießling wusste bei seinem DFB-Startelf-Debüt zu überzeugen. Wie beurteilen Sie seine Leistung?

Löw: Stefan hat eine sehr, sehr gute Leistung gezeigt. Er war unheimlich präsent, hat Räume geschaffen, den Elfmeter rausgeholt und die Bälle gut verteilt. Es hat mir gut gefallen, was er 60 Minuten geboten hat, nachdem er ja jetzt länger nicht mit dabei war.

Frage: Im DFB-Tor konnte sich Tim Wiese in der ersten Halbzeit kaum auszeichnen, Manuel Neuer agierte in der zweiten Halbzeit beim ersten Gegentor unglücklich. Wie sehen Sie die Leistungen der beiden direkten Konkurrenten um die Nummer 1 im deutschen Tor?

Löw: Das war nicht einfach für sie. Beide haben ihre Sache gut gemacht. Ich denke, so ein Tor erlebt man viele Jahre nicht mehr. Möglicherweise wäre es besser gewesen, wenn Heiko Westermann den Ball Richtung Tribüne geschlagen hätte. Das hätte er besser lösen können.

Frage: Die WM-Qualifikation wurde souverän gemeistert. Insgesamt gab es 2009 in elf Länderspielen sieben Siege, drei Remis und eine Niederlage. Wie fällt ihre Jahres-Bilanz aus?

Löw: Wir haben die WM-Qualifikation souverän geschafft, das war das Wichtigste. Die Mannschaft hat im zwischenmenschlichen Bereich viel Stärke bewiesen, viel Ansehen gewonnen. Da kann man ihr nur ein großes Kompliment aussprechen. Diese Stärke haben wir in Ansätzen gegen die Elfenbeinküste auch auf dem Platz gesehen.