München - Ein freundliches Lächeln huschte über seine Lippen, mehr nicht. Reden wollte Mario Mandzukic offensichtlich nicht als er an den wartenden Journalisten vorbeischlenderte und schließlich den Mannschaftsbus des FC Bayern München bestieg. Der Kroate ließ lieber Tore sprechen. Gegen Hertha BSC traf er doppelt per Kopf und lieferte damit einen Beleg, dass die "Tiki-Taka-Bayern" auch in der Luft kaum zu bändigen sind.

Das Lob kam schließlich von seinem Chef. "Mario ist mit seiner Kopfballstärke der beste Spieler der Welt im Sechzehner", sagte Pep Guardiola. Dass er auf diese Stärke des 1,87 Meter großen Stürmers setzt, ist keinesfalls selbstverständlich. Schließlich perfektionierte der Katalane als Trainer des FC Barcelona das Kurzpassspiel mit dem 1,69 Meter großen Lionel Messi als "falschem Neuner" in der Sturmspitze.

Bayerns System - nur echt mit Neuner



Auch bei den Bayern experimentierte Guardiola häufiger mit einer ähnlichen taktischen Formation, ohne Mandzukic. Doch Spiele wie gegen Hertha BSC beweisen, dass ein echter Neuner manchmal unersetzlich ist. Seine Saisontore sechs und sieben erzielte der kroatische Nationalspieler jeweils im Anschluss an Freistoßflanken in den Strafraum.

"Wenn wir den Ball da hin bekommen, ist er sehr, sehr stark", schätzt Guardiola Mandzukic' Vorzüge. Der ehemalige Wolfsburger spielt seit 2010 in der Bundesliga und hat seitdem die meisten Kopfballtore erzielt. Kein Wunder also, dass Guardiola konsequent auf das "Kopfballungeheuer" setzt.

Und das, obwohl der Bayern-Trainer eigentlich für eine gänzlich andere Spielphilosophie steht. Während bei Barca unter seiner Führung hohe Bälle noch verpönt waren, sind sie beim Rekordmeister ein probates Erfolgsrezept. Sieben Mal trafen die Bayern nach Flanken und schon sechs Mal per Kopf - beides Bestwerte in der Liga.

"Riese" Götze mit Köpfchen



Am Wochenende war sogar Mario Götze mit einem Kopfball erfolgreich. Auch wenn der Treffer "natürlich ziemlich glücklich" war, wie der 1,76 Meter große Götze im Gespräch mit bundesliga.de gestand. Die unter Guardiola auf Dominanz in Form von Ballbesitz und Kurzpässen setzenden Bayern können es also auch ganz klassisch mit dem Kopf.

Paradoxerweise erzielten die Münchner im Vergleich zu ihren Verfolgern Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen einen deutlich geringeren Teil ihrer Treffer nach flachen Zuspielen. Nur neun Bayern-Tore fielen auf diese Weise, der BVB ist in dieser Hinsicht mit 17 Toren nach Pässen Spitzenreiter, Bayer 04 kommt auf 13.

Aber der Erfolg gibt dem Tabellenführer recht. Mit Mario Mandzukic hat der FC Bayern den perfekten Allrounder in der Spitze. Neben seinen drei Kopfballtoren traf er zwei Mal mit links und zwei Mal mit rechts. Und so lange seine Tore weiter für sich sprechen, darf sich Mandzukic auch weiterhin als stiller Genießer präsentieren.

Maximilian Lotz