Freiburg - Jonathan Schmid hat beim SC Freiburg eine beachtliche Entwicklung hingelegt. Unter seinem frühenren Jugendtrainer Christian Streich schaffte er den Sprung zu den Profis. Im bundesliga.de-Interview charakterisiert der 22-jährige Franzose seinen Coach und spricht über die Unterschiede des Fußballs in Deutschland und seiner Heimat.

bundesliga.de: Herr Schmid, mit gerade einmal 21 Jahren sind Sie fast schon Stammspieler einer Bundesligamannschaft. Staunen Sie manchmal selbst über Ihre Entwicklung?

Jonathan Schmid: Naja, manchmal schon. Aber im Fußball geht es manchmal gut, dann wieder abwärts. Ich bin aber auf jeden Fall sehr froh, dass ich seit letztem Jahr 30, 40 Spiele gespielt habe. Aber das hat auch mit der Mannschaft zu tun.

bundesliga.de: Inwiefern?

Schmid: Unsere Mannschaft hat schon ein sehr junges Durchschnittsalter. Wer weiß, ob ich es so schnell in die erste Mannschaft geschafft hätte, wenn man nicht auf die Jugend gesetzt hätte.

bundesliga.de: "Man" ist in dem Fall Cheftrainer Christian Streich, den Sie ja bereits aus der Freiburger Fußballschule kannten.

Schmid: Stimmt, seit der U19, also etwa seit vier Jahren. Damals hat er mich aus Offenburg geholt, wo ich noch Stürmer gespielt habe.

bundesliga.de: Charakterisieren Sie ihn doch bitte einmal.

Schmid: Er ist natürlich ein sehr emotionaler Trainer, einer, der meiner Meinung nach zu den fünf Besten der Liga gehört. Unter ihm haben wir eine gute Entwicklung genommen, das spricht für ihn.

bundesliga.de: Sie pendeln seit vier Jahren aus Straßburg nach Freiburg. Warum ziehen Sie denn nicht auf die andere Rheinseite?

Schmid: Die Mentalität in Südbaden und im Elsass ist zwar sehr ähnlich, aber meine Freunde und meine Familie leben eben in Straßburg. Das schließt ja nicht aus, dass wir nicht auch in der Mannschaft zusammen etwas unternehmen. Und überhaupt: Es ist ja keine große Entfernung.

bundesliga.de: Kennt man denn in Frankreich den SC Freiburg?

Schmid: Zumindest nicht genauer. Die Leute wissen vielleicht, dass das ein deutscher Bundesligist ist, aber nicht viel mehr. Bei uns im Elsass ist das ein bisschen anders. In der Grenzregion gibt es schon einige Leute, die auch zu den Freiburger Heimspielen kommen.

bundesliga.de: Auch weil Ihr Heimatverein, Racing Strasbourg, nach einem Lizenzentzug nur noch in der vierten Liga spielt?

Schmid: Gut möglich. Ich habe ja in der Jugend acht Jahre bei Racing gespielt. Und mein Herz hängt natürlich auch noch an dem Verein. Viele meiner Kumpels spielen da, und 10.000 Zuschauer kommen manchmal nach wie vor in der vierten Liga.

bundesliga.de: Das ist beachtlich. Wo sehen Sie die Unterschiede zwischen beiden Ländern?

Schmid: In Deutschland sind die Zuschauerzahlen natürlich gigantisch. So etwas kennen wir in Frankreich nicht, wo es mit Marseille, Paris St. Germain und Lyon eigentlich nur drei große Vereine gibt.

bundesliga.de: Wo sind sonst die Unterschiede?

Schmid: In Frankreich bleiben die Stürmer vorne. Hier in Deutschland ist ein Stürmer auch immer Defensivspieler, er muss weit mehr nach hinten arbeiten als das in Frankreich der Fall ist.

bundesliga.de: Das französische Ausbildungssystem gilt als vorbildlich.

Schmid: Stimmt, die Jugendakademien sind in Frankreich sehr gut. Leider klappt es mit dem Übergang in den Herrenbereich dann manchmal nicht ganz so gut. Wenn einer aus Lorient kommt und eine Anfrage aus der Premier League hat, überlegt er meist nicht lange.

bundesliga.de: Trotzdem kamen mit Fallou Diagne und Papiss Demba Cisse zwei richtig gute Bundesligaspieler aus Frankreich - von Ihnen ganz zu schweigen. Wie kommt das?

Schmid: Wie gesagt: Weder die Trainer, noch die Ausbildung müssen sich in Frankreich verstecken. Schade ist nur, dass der Fußball die Menschen längst nicht so interessiert wie in Deutschland.

bundesliga.de: Wollen Sie dennoch einmal in Ihrem Heimatland spielen?

Schmid: Warum sollte ich das ausschließen? Möglich ist alles.

Das Gespräch führte Christoph Ruf