Köln - Nun ist Schluss mit lustig. Die Sommerpause der Bundesligisten ist vorbei und allerorten wird wieder konzentriert und engagiert trainiert. Die Lust auf Fußball ist überall riesengroß.

Nur die Trainer brüten noch über den Übungsplänen. Sie überlegen sich, wie die Nationalspieler, die jetzt im Sonderurlaub sind, später schnell das gleiche Fitnesslevel erreichen wie die Kollegen. Jürgen Röber, früher Bundesliga-Trainer beim VfB Stuttgart, Hertha BSC, dem VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund kennt das. bundesliga.de sprach mit ihm.

bundesliga.de: Herr Röber, die Vereine der Bundesliga haben die Saisonvorbereitung begonnen. Vereine wie Dortmund oder Bayern starten das Training nach der EM mit einem Rumpfkader. Wie schwer tut sich ein Trainer mit dieser Situation?

Jürgen Röber: Nach einem Großereignis wie einer WM oder EM ist das für die Clubs, die viele Spieler abgestellt haben, immer etwas problematisch. Ich kenne diese Situation aus eigener Erfahrung, als ich Trainer beim VfB Stuttgart war und Spieler wie Thomas Berthold oder Carlos Dunga erst viel später in die Vorbereitung dazu stießen. Mir war klar, dass es in der Hinrunde in erster Linie darum geht, sich mit einer einigermaßen guten Ausgangsposition in die Winterpause zu retten und eine relativ gute Halbserie zu spielen.

bundesliga.de: Wie bereitet man sich dennoch vernünftig vor?

Röber: Die Vorbereitung ist mehr oder weniger ein Drahtseilakt. Es kommt auf die richtige Dosierung an. Die Spieler, die für ihre Nationalmannschaften länger im Einsatz waren, brauchten unbedingt einen längeren Urlaub. So geht es auch in diesem Jahr vielen Spielern. Sie müssen nicht nur ihren Akku wieder aufladen, sondern wie zum Beispiel Bastian Schweinsteiger auch ihre Verletzungen auskurieren oder wie im Falle Arien Robbens ihre Niederlagen verarbeiten. Die Nachzügler laufen also ihren Kollegen erst einmal hinterher.

bundesliga.de: Die Bundesligisten sind ganz unterschiedlich gestartet, Hoffenheim schon fast drei Wochen vor Schalke. Wie hätten Sie es gehandhabt?

Röber: In diesem Jahr ist die Pause auch besonders lang. Als Trainer kommt einem dies eher entgegen. Man ist froh über die lange Vorbereitungszeit. Man kann die neuen Spielern integrieren, am System arbeiten.

bundesliga.de: Früher kursierten die tollsten Geschichten von übergewichtigen Profis, die Südamerikaner haben gerne mal ihren Urlaub verlängert. Das passiert heute seltener oder?

Röber: In den letzten Jahren haben sich die Spieler professionell verhalten. Man kann es zwar nicht ganz ausschließen, aber auch die Südamerikaner sind inzwischen meistens pünktlich aus dem Urlaub zurück. Die Spieler haben sich im Urlaub professionell verhalten und ihre Pläne eingehalten. Dank der modernen Leistungsdiagnostik, den Pulsuhren und den Laktattests lässt sich ja leicht feststellen, ob jemand geschludert hat. Außerdem kennt man seine "Pflegefälle". Bei mir war das ein Torwart, der oft übergewichtig zum ersten Training erschien.

bundesliga.de: Was halten Sie vom Trend zu zwei Trainingslagern in der Vorbereitung, eins, um der konditionellen Grundlagen zu legen, ein zweites für die Detailarbeit?

Röber: Werder Bremen gehörte zu den ersten Vereinen, die das gemacht haben. Thomas Schaaf hat seine Jungs schon seit Jahren nach Norderney zum Lauftrainingslager gebeten. Ich bin mit meinen Mannschaften meistens in ein Trainingslager nach Österreich gefahren. Das hält jeder anders.

bundesliga.de: Hat Ihnen als Trainer die Sommerpause gereicht, um den Akku wieder komplett aufzuladen?

Röber: Ja, die Sommerpause ist auch für einen Trainer die Zeit, in der er mal richtig abschalten kann. Im Winter geht das eher nicht. Ich bin dann zwar auch immer ein paar Tage in die Berge gefahren, aber richtig Ruhe hatte ich da nicht. Im Sommer ist das möglich. Die meisten Transfers wurden bereits vorher eingefädelt, die Planungen abgeschlossen, bevor man in Urlaub fährt. Die Vereine sind in der Zeit eher damit beschäftigt, Spieler noch irgendwie abzugeben, als selbst neue zu holen. Wenn dann das Training wieder beginnt, freut man sich auf die neue Saison.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski