Chemnitz - Als den FC St. Pauli in der ersten Runde des DFB-Pokals die "volle Breitseite" erwischt hatte, blieb dem Aufsteiger eine Woche vor dem Start der Bundesliga nur noch das Vorbild FSV Mainz 05. "Die haben es im vergangenen Jahr vorgemacht. Die sind als Aufsteiger auch im Pokal gleich ausgeschieden und haben dann eine super Bundesligasaison gespielt", sagte Mittelfeldspieler Fabian Boll nach der 0:1-Pleite beim Viertligisten Chemnitzer FC: "Es nützt ja nichts, wenn wir jetzt die Mannschaft aus der Bundesliga abmelden."

Auch die Offiziellen wollten die indiskutable Leistung im ersten Pflichtspiel der Saison nicht beschönigen, wiegelten jedoch bei der Frage nach den negativen Auswirkungen für den Bundesliga-Auftakt sofort ab.

"Das war ein Schuss vor den Bug"

"Das war ein Schuss vor dem Bug, aber das müssen wir jetzt aufarbeiten und uns möglichst schnell auf Freiburg konzentrieren", sagte Trainer Holger Stanislawski. Und auch Sportdirektor Helmut Schulte wollte von negativen Effekten nichts wissen. "Ich habe keine Angst vor nächster Woche. Ich bin mir 100 Prozent sicher, dass das nicht unsere Leistung über die kommende Saison sein wird", erklärte der 52-Jährige: "Das Spiel gibt keine Rückschlüsse." Darauf können die Hamburger nur hoffen, denn was der Favorit gegen den Außenseiter anbot, war teilweise erschreckend.

85 Minuten liefen die Paulianer dem 0:1 durch den Chemnitzer Kapitän Andreas Richter (5.) hinterher, echte Torchancen erspielten sie sich aber kaum. Vor allem das hochgelobte Mittelfeld um U21-Nationalspieler Deniz Naki zeigte sich alles andere als bundesligareif. Zu langsam und behäbig agierte St. Pauli über weite Strecken des Spiels und schaffte es kaum, den viertklassigen Gegner unter Druck zu setzen. Die beste Möglichkeit zum Ausgleich vergab Max Kruse bereits nach zwölf Minuten.

"Der Sieg war verdient"

"Es ist ernüchternd, dass wir uns in 85 Minuten gerade einmal drei Chancen erspielt haben", gab Schulte unumwunden zu: "Wir haben nicht gezeigt, wo der Klassenunterschied war. Der Sieg der Chemnitzer war daher auch verdient." Hinzu kamen Schwächen der Hamburger bei Standardsituationen. Aus einer Ecke fiel auch das entscheidende Gegentor. "In der Bundesliga brechen dir Standards manchmal das Genick", sagte Kapitän Fabio Morena: "Da brauchen wir eine Leistungssteigerung."

Ganz anders sah naturgemäß die Gefühlslage beim Überraschungssieger aus - auch wenn Trainer Gerd Schädlich in der Stunde des Erfolgs vor allzu viel Euphorie warnte. "Wir können den Sieg heute und morgen genießen, aber ich will jetzt nicht dauernd von Pokal, Auslosung und Wunschgegnern sprechen", sagte er.

Zumindest die 10.431 Fans, die im Stadion an der Gellertstraße für die höchste Besucherzahl seit mehr als zehn Jahren sorgten, sahen das natürlich anders. Schon nach der 1:0-Führung hatten sie die Zielrichtung vorgegeben: "Noch 6 Spiele bis Europa" war auf einem Transparent zu lesen gewesen.


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