Mainz - Diesen Sonntag findet der Benefiz-Weihnachtsmarkt der Fanszene im alten Bruchwegstadion von Mainz 05 statt. Für die Mainzer Profis hätte das ein entspannter Ausklang des Wochenendes werden können. Doch nach einer starken ersten Halbzeit mussten sie sich am Samstag statt des erhofften Sieges mit einem 1:1-Unentschieden gegen den VfB Stuttgart zufrieden geben. Der Befreiungsschlag gelang also beiden Mannschaften nicht.

Mainz bleibt seit sieben Spielen ohne Sieg und Stuttgart trotz des gewonnen Auswärtspunktes Tabellenletzter. VfB-Trainer Huub Stevens resümierte: "Wenn man den Spielverlauf sieht, können wir mit einem Punkt zufrieden sein.“ Und die Mainzer waren natürlich unzufrieden, nachdem sie das Spiel lange bestimmt hatten und dennoch ohne die drei Punkte dastanden am Ende. Rechtsverteidiger Daniel Brosinski sagte: "Wir haben im Moment nicht das Glück auf unserer Seite. Stuttgart schießt zwei Mal aufs Tor und holt einen Punkt." Mainz gelang es nicht, sich von der Abstiegszone entscheidend abzusetzen. Stattdessen gabensie den Aufbauhelfer für die schwachen Stuttgarter.

45 Minuten lang auf ein Tor

In der ersten Halbzeit war es ein Spiel auf ein Tor – nämlich auf das der Stuttgarter Der 0:1-Rückstand war für den VfB Stuttgart nach 45 Minuten eher schmeichelhaft. Wer versuchte, sich an Torchancen des Tabellenletzten zu erinnern, konnte sich noch so anstrengen – es gab keine. Im Sturm spielten Timo Werner und Daniel Ginczek. Vor allem Ginczek konnte sich kaum in Szene setzen, die fehlende Spielpraxis nach seiner langen Verletzungspause  ist dem im Sommer aus Nürnberg gekommenen Angreifer anzumerken.  "Daniel ist noch nicht da, wo er sein kann“, sagt Stevens. Aber angesichts der Ausfälle der Stürmer Abdellaoue, Ibisevic und kurzfristig auch Harnik habe er vorne keine Alternativen sagt Stuttgarts Trainer: "Wir haben keine besseren auf ihren Positionen als die jungen Burschen.“

Zwar freute sich Stevens nach der Gegentorflut zuletzt beim 0:4 gegen Schalke über "mehr Stabilität", aber der erfahrene Coach weiß auch: "Wir haben noch viel Arbeit vor uns." Die Stuttgarter verloren eine Stunde lang fast jedes Kopfballduell im Angriff, im Mittelfeld bekamen sie kaum einen abgewehrten Ball unter Kontrolle und in der Abwehr ließen die Schwaben ihren Gegenspielern immer wieder zu viel Platz. Und dennoch brauchten die Mainzer eine Standardsituation, um in Führung zu gehen. Der sehr starke Johannes Geis zirkelte den Ball aus 18 Metern über die Mauer ins Eck (36.). Zuvor rettete VfB-Torwart Sven Ulreich zwei Mal gegen die je frei vor ihm zum Schuss gekommenen Sami Allagui (29.) und Shinji Okazaki (32.).

Mainz hält körperlich dagegen

Die Mainzer stemmten sich zunächst mehr gegen den negativen Trend nach zuletzt sechs sieglosen Spielen als ihr Gegner vom Tabellenende. In Mainz hatte es ja jüngst nach der Niederlage in Hamburg Diskussionen über die Spielweise gegeben. Sie sei zu wenig mainznullfünfmäßig – das heißt zu wenig aggressiv. Diesmal gingen die Mainzer zumindest körperlich viel engagierter zu Werke. Stuttgart hatte zumindest eine Halbzeit der Wucht der Mainzer nichts entgegenzusetzen.

VfB-Trainer Stevens versuchte in der 57. Minute mit der Einwechslung des offensiven Alexandru Maxim für den defensiven Oriol Romeu das Mittelfeld stärker nach vorne auszurichten. Und zehn Minuten später brachte der Holländer auch noch den offensiven Filip Kostic auf der rechten Außenbahn für den eher defensiven und ganz schwachen Florian Klein (68.). "Wir mussten mehr ins Risiko gehen“, erklärte Stevens seine dann erfolgreichen Umstellungen. Es war ja schließlich der Serbe Kostic, der vier Minuten nach seiner Einwechslung nach einer Freistoßvorlage von Maxim den Ball von der rechten Strafraumkante flach an Freund und Feind vorbei zum 1:1-Ausgleich ins entfernte Toreck schoss. "Das war ein kurioses Tor", haderte der Mainzer Verteidiger Brosinski.

"Ich hoffe, wir holen 20 Punkte"

Die Mainzer schienen ihrer intensiven ersten Halbzeit kräftemäßig Tribut zollen zu müssen. Vor allem die beiden jungen Offensivspieler Yunus Malli und Jairo bauten im zweiten Durchgang immer mehr ab, bevor sie von Trainer Hjulmand in der 81. Minute ausgewechselt wurden. Doch Hjulmand hatte mit seinen Wechseln nicht so viel Glück wie Stevens. Die Mainzer mussten am Ende mit dem einen Punkt zufrieden sein.

Mit nun 17 Punkten sind die Mainzer der Abstiegszone nicht entkommen. Ist Shinji Okazaki wie gegen seinen alten Klub aus Stuttgart nicht in bester Form, strahlt die Mannschaft zu wenig Torgefahr aus. "Uns fehlte das 2:0", haderte FSV-Trainer Kasper Hjulmand. Mainz 05 erwartet sehnsüchtig die Rückkehr des verletzten Offensivmannes Jonas Hofmann.

Doch der kommt erst nach Weihnachten wieder – zuvor müssen die Mainzer noch Punkte holen in Mainz und zuhause gegen Bayern. Mittelfeldspieler Johannes Geis sagt: "Ich hoffe, wir holen 20 Punkte, um beruhigt Weihnachten feiern zu können." Gelingt das nicht, sind die Mainzer mindestens so stark in den Abstiegskampf verwickelt wie der VfB Stuttgart, der noch nach Hamburg muss und zum Vorrundenende Paderborn empfängt.

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter