Beim VfL Wolfsburg blickt man optimistisch in die Zukunft. Der Erfolg im Niedersachsen-Derby war der dritte Sieg in einem Pflichtspiel in Folge, und die im Meisterjahr noch drittbeste Verteidigung der Liga gab mit dem 1:0 in Hannover den wenig lobenswerten "Titel" als schwächste Abwehr der Bundesliga an den Nachbarn aus der Landeshauptstadt ab.

"Bis zu diesem Spiel haben wir in dieser Saison nur zweimal zu Null gespielt. Das ist eines Meisters nicht würdig", beschrieb Lorenz-Günther Köstner einen der Gründe für den zeitweisen Absturz auf Rang zwölf mit einer Negativserie von 13 Spielen ohne Sieg.

"Können wieder zu Null spielen"

"Ich habe der Mannschaft klargemacht, dass alle nach hinten arbeiten müssen", so der Trainer. - Mit Erfolg: Kassierten die "Wölfe" unter Vorgänger Armin Veh noch zwei Tore pro Spiel, sind es in den fünf Spielen unter dem 58-Jährigen nur noch 1,4 Treffer.

"Dass wir hinten wieder zu Null spielen können", war für Manager Dieter Hoeneß dann auch die wichtigste Erkenntnis aus dem Spiel in Hannover. "Das ist gerade im Hinblick auf die Europa League sehr wichtig. Da zählen Tore ja schnell mal doppelt."

"Kein Gequatsche"

Das Spiel nach hinten musste auch das "magische Dreieck" Zvjezdan Misimovic, Edin Dzeko und Grafite lernen. Zwischen Köstner und Misimovic herrschte zeitweise ein eisiges Verhältnis. Als der Bosnier beim 1:3 gegen Bayern München zum zweiten Mal in Folge ausgewechselt wurde, würdigte er dem Trainer keines Blickes und warf wütend seine Handschuhe in den Gang zur Kabine.

"Ich war früher auch sauer, wenn ich ausgewechselt wurde. Ich erwarte von jedem Spieler eine Trotzreaktion auf dem Platz und kein Gequatsche und keine Rederei", apellierte Köstner an die Ehre des 27-Jährigen.

"Misimovic kommt wieder"

Die Maßnahmen zeigten Wirkung: In Hannover erinnerte der Nationalspieler nicht nur an seine Glanzleistungen im Spielaufbau aus der Vorsaison, sondern der Spielmacher kämpfte und grätschte, dass es Köstner eine Freude war. Misimovic hatte mit 93 die meisten Ballkontakte in seiner Mannschaft und legte auch mit vier Vorlagen zu einem Torschuss einen Spitzenwert hin. Außerdem erzielte der Zehner das spielentscheidende Tor.

"Misimovic kommt wieder. Ich habe mich sehr über sein Tor gefreut", lobte Köstner. Und Manager Hoeneß will in Kürze mit dem Spielmacher über seine Zukunft in Wolfsburg reden.

Auch Top-Torschützen müssen schuften

Was für den Spielmacher gilt, gilt auch für die Top-Torschützen der vergangenen Saison. Wie Misimovic hinkten Dzeko und Grafite ihrer Form ein gutes Stück hinterher und taten in den Augen des Trainers zu wenig für die Defensive. Auch das ist abgestellt: Das magische Dreieck zaubert wieder.

Dzeko ist zwar noch ein gutes Stück von seinen 26 Treffern aus der vergangenen Saison entfernt, liegt aber mit zehn Toren mittlerweile auf Rang sechs der Torjägerliste und sorgt ständig für Gefahr im gegnerischen Strafraum.

"Er bindet meist zwei oder gar mehr Gegenspieler, dadurch haben wir mehr Raum", beschreibt Sascha Riether die Vorzüge des bosnischen Nationalspielers für das Spiel der Wölfe.

Grafite träumt wieder von WM

Einen besonders tiefen Fall tat Grafite. 2008/09 wurde Grafite mit 28 Treffern Torschütze des Jahres, sein Hackentreffer zum 5:1 gegen den FC Bayern wählten die Fans zum Tor des Jahres. In dieser Saison traf er bisher ganze acht Mal ins Netz.

Grafite träumte während der Rückrunde der vergangenen Saison von einer Teilnahme an der WM in Südafrika - obwohl er dann bereits 31 Jahre alt sein wird und bis dahin gerade einmal in der Selecao gestanden hatte.

"Werde alles geben"

"Nach meiner schwachen Vorrunde war das für mich kein Thema mehr. Um so mehr freut es mich, dass Nationaltrainer Carlos Dunga mich für das Spiel gegen Irland in den Kader berufen hat", so der Brasilianer.

"Ich werde alles geben, um bei der WM dabei zu sein", verspricht der Fußballer des Jahres 2009, der sich mit fünf Treffern in den letzten sieben Pflichtspielen ins Notizbuch von Dunga zurückschoss.

"Ich werde meinen acht Toren noch einige hinzufügen", verspricht Grafite. Köstner und Dunga wird's freuen.

Jürgen Blöhs