Sotirios Kyrgiakos (r.) und Alexander Madlung (M.) konnten die Löcher in der Defensive noch nicht stopfen
Sotirios Kyrgiakos (r.) und Alexander Madlung (M.) konnten die Löcher in der Defensive noch nicht stopfen
Bundesliga

Magaths zahnlose "Wölfe" - woran hakt es?

München - Zwei Teams mit großen Ansprüchen. Zwei ehemalige Meister, die aus einer Krisensaison kommen. Doch nur einer der beiden Kontrahenten des Topspiels des 5. Bundesligaspieltags, Wolfsburg gegen Schalke, hat den Hebel in der neuen Saison erfolgreich umgelegt.

Während die "Knappen" sich zum Bayern-Jäger Nummer eins gemausert haben und punktgleich mit den Münchnern auf Platz 2 der Tabelle stehen, hinken die "Wölfe" ihren Ansprüchen weit hinterher, liegen mit nur drei Punkten und drei Niederlagen auf Platz 15. Doch woran hapert es genau in der Autostadt? Wo liegen die Defizite bei der Magath-Elf, gerade im Vergleich mit seinem Ex-Club? bundesliga.de hat die Daten genau analysiert.

Torflaute kommt nicht von ungefähr

Der größte Kontrast offenbart sich in der Offensive. Zwar ging es für Magaths Truppe gegen Köln (drei Tore) gut los, doch seitdem stockt die Angriffsmaschinerie gewaltig. Nur ein Treffer (beim 1:4 in Gladbach) folgte - Schalke hat mit zehn Treffern mehr als doppelt so oft eingenetzt und stellt die erfolgreichste Offensive der Bundesliga.

Die Torflaute kommt nicht von ungefähr: Wolfsburg erspielt sich einfach zu wenige Chancen. Nur vier Teams gaben weniger Torschüsse ab als der VfL (47), S04 versuchte es ganze 65 Mal und damit am zweithäufigsten.

Und das Schlimmste: Wolfsburg vergibt die wenigen Torchancen auch noch fahrlässig. Magaths Team nutzte nur 33 Prozent seiner Großchancen, Schalke genau doppelt so viele.

Mangelnde Spielkontrolle und Dominanz

Von dominanter Spielweise ist Wolfsburg im Moment genauso weit entfernt wie von der Tabellenspitze. Im Schnitt kommt der VfL nur auf 41 Prozent Ballbesitz - ebenfalls der niedrigste Wert aller Bundesligisten. Es geht meistens hoch und weit. Wolfsburg spielte die meisten langen Pässe aller Teams und die wenigsten Doppelpässe: nicht gerade moderner Fußball. Auch Kapitän Christian Träsch kritisierte: "Jeder hat sein eigenes Süppchen gekocht. Wir müssen uns als Mannschaft finden."

Und wenn es schon über das Spielerische nicht geht - auch die Standards bringen nichts ein beim VfL. Das Team kam am seltensten (neun Mal) nach einem ruhenden Ball zum Abschluss, S04 mit 18 Mal doppelt so oft.

Defensive lückenhaft

Doch nicht nur vorne hapert es gewaltig, auch in der Defensive liegt vieles im Argen. Acht Gegentore sind die viertmeisten der Liga, ganze sieben davon fielen in den letzten beiden Spielen. Schalke hingegen steigerte sich und blieb zuletzt ohne Gegentreffer. Auch die Wolfsburger Defensivschwäche ist kein Zufall, das Zweikampfverhalten ist stark verbesserungswürdig. Im Schnitt gewinnt Wolfsburg nur 53 Prozent seiner Duelle, der zweitschlechteste Wert in der Liga.

Die Probleme in der Abwehr liegen vor allem auf den Außenpositionen. Ganze 54 Flanken ließen die "Wölfe" in dieser Saison schon zu, Schalke erst 18. Drei der acht Wolfsburger Gegentore fielen nach Flanken - Schalke ließ erst ganze zwei Torschüsse nach Hereingaben zu. Felix Magaths letzte Maßnahme, mit den "Funktürmen" Alexander Madlung und Sotirios Kyrgiakos zumindest in der Zentrale für Lufthoheit zu sorgen, scheiterte: Oliver Barth erzielte in Freiburg per Kopf den Freiburger Führungstreffer.

"Wurden mit einfachsten Mitteln ausgespielt"

Auch die Wolfsburger Abwehrspieler redeten nach dem Freiburg-Spiel nicht um den heißen Brei herum. "Wir wurden mit einfachsten Mitteln ausgespielt. Wir haben Glück gehabt, nicht höher zu verlieren. Freiburg hätte auch sechs Tore machen können", erklärte Defensivspieler Patrick Ochs nach der Partie im Breisgau.

Und zu allem Überfluss ist auch Wolfsburgs Keeper noch nicht in Topform: 58 Prozent abgewehrte Torschüsse sind stark verbesserungswürdig für den ansonsten so starken Schweizer Nationalkeeper Diego Benaglio, der auch gegen den SC wieder patzte.

Helfen die Neuzugänge?

Keine Dominanz im Mittelfeld, weder Torgefahr noch Effizienz im Sturm. Dazu eine innen und außen wacklige Defensive und ein unsicherer Schlussmann: Es gibt keinen Mannschaftsteil in Wolfsburg, bei dem es nicht reichlich Luft nach oben gibt - und das jetzt, wo Wolfsburg auf die formstarken Schalker trifft.

Doch für Wolfsburg ist noch nicht aller Tage Abend. Magath stehen mit Aliaksandr Hleb, Chris und Rasmus Jönsson drei namhafte Neuzugänge zur Verfügung, die für die Wende sorgen könnten. Und da es gegen seinen Ex-Club geht, wird Trainerfuchs Magath sicher noch ein Ass im Ärmel haben. Der VfL-Coach jedenfalls gibt sich optimistisch: "Ich bin zuversichtlich, dass wir nach der Länderspielpause mehr Stabilität ins Spiel bekommen."

Christoph Gschoßmann