Goldene Hände hat Felix Magath nicht. Aber alles, was der Meistertrainer beim FC Schalke angepackt hat, trägt einen feinen Glanz. In der Tabelle überwintern Magaths Männer auf Rang 2 - und im "königsblauen" Pott träumt man wieder von Europa.

Als vor knapp zwei Wochen die letzte Bundesliga-Halbzeit der Hinrunde angepfiffen wurde, da war der FC Schalke 04 sogar Herbstmeister. Ganz oben in der Tabelle, vor Bayern, Bremen, dem HSV und auch noch vor Leverkusen. Dass es 45 Minuten später nicht ganz gereicht hat, quittieren sie in Gelsenkirchen mit Gelassenheit.

"An dieser Zahl messe ich alles!"

Zehn Saisonsiege können die "Königsblauen" bereits auf ihrem Konto verbuchen - mehr als jede andere Mannschaft in der Bundesliga. Insgesamt 34 Punkte sind auch für Felix Magath ein Traum; ein Pfund, mit dem man wuchern kann: "An dieser Zahl messe ich alles!"

Dem "Meistermacher" spielt es sogar in die Karten, dass sein Team mit dieser Punktausbeute nicht auf Rang 1 in die Rückrunde geht. "Wir müssen uns noch gewaltig steigern, wenn wir überhaupt oben dabei bleiben wollen", predigt der Trainer gebetsmühlenartig. Jetzt bloß nicht abheben, heißt die Devise.

Schalke träumt vom internationalen Parkett

So hatte es Magath auch zu Saisonbeginn gehalten, als er als Trainer, Manager und Vorstand in Gelsenkirchen einen Vertrag unterschrieb. "Magath war die richtige Entscheidung im richtigen Moment", lobt Aufsichtsratschef Clemens Tönnies diesen Coup heute. Im Sommer dümpelte Schalke im grauen Mittelmaß, zwischen Fans und Mannschaft klaffte eine tiefe Kluft. Heute darf der Club wieder von internationalem Fußball träumen und hat die Anhänger sicher im Rücken.

Auf dem Weg dahin forderte Magath von seinen Männern vor allem eines eines - harte Arbeit. Kampf und Ausdauer, Leidenschaft und Willen sieht er als Schlüssel zum Erfolg. Disziplin und Arbeit sind die oberste Maxime.

Dass vor allem in den ersten Spielen eine Portion Glück hinzu kam, will Magath gar nicht verhehlen. "Am Anfang haben uns glückliche Siege die nötige Sicherheit gegeben. Danach hat es die Mannschaft immer besser gemacht und ist homogener geworden." Der Erfolg hat das Team zusammengeschweißt. "Wir haben ein neues Wir-Gefühl", freut sich auch Torhüter Manuel Neuer.

Youngster trumpfen auf

Dabei hat Magath das Gesicht der Mannschaft maßgeblich verändert. Auch mangels finanzieller Masse setzt der neue Mann auf die Jugend - und zauberte so manches Talent hervor. Neben gestandenen Routiniers wie Marcelo Bordon, Rafinha und Kevin Kuranyi haben sich Youngster wie Christoph Moritz, Lukas Schmitz, Levan Kenia oder Joel Matip in den Vordergrund gespielt.

Die frischen, unverbrauchten Profis haben auch die "alten Recken" überzeugt. "Es macht Spaß, in dieser Mannschaft zu spielen", bestätigt der 33-jährige Marcelo Bordon. Übertreiben aber will Magath den Jugendkult nicht - im Gegenteil. "Der ein oder andere erfahrene Mann fehlt in unserer jungen Mannschaft", räumt der Trainer ein.

Was Schalke nicht mehr fehlt, ist die bedingungslose Unterstützung der Fans. Vielleicht ist es der größte Verdienst des 56-Jährigen, den Schulterschluss mit den Anhängern vollzogen zu haben. Schwächere erste Halbzeiten oder sogar Rückschläge wie die Heim-Niederlagen gegen Freiburg und Wolfsburg werden verziehen. "Ohne diese Entwicklung bei den Fans hätten wir mit Sicherheit weniger Punkte", ist Magath überzeugt.

Zu viel Aufwand

Kritik übt der Coach noch am Aufwand seiner Elf, der er in den meisten Fällen eine Mittelfeldraute als taktische Ausrichtung verordnet. Dass vor dieser Raute Kevin Kuranyi zu alter Form gefunden hat und seinem Ruf als Torjäger wieder gerecht wird, verdeckt allerdings auch nicht das größte Problem der Schalker - die Chancenverwertung. "Wir können es uns manches mal leichter machen", grantelt Magath.

Bis zum Rückrundenstart wird der "Meistermacher" daran arbeiten, auch dieses Problem abzustellen. Nicht auszudenken, wo Schalke landen könnte, wenn auch das noch funktioniert. Dann wird man in der Rückrunde im "königsblauen" Pott sicher nicht nur von Europa träumen.

Dietmar Nolte