München - Wenn es bei einem Profi-Verein nicht richtig läuft, die Felle so langsam davonzuschwimmen drohen, sehnen sich die betroffenen Clubverantwortlichen häufig nach einer neuen Aufbruchstimmung.

Frischer Wind soll für neue Energie, neuen Glauben an die eigene Stärke sorgen. Meist erfolgt in solch einer Situation immer der gleiche Schritt: ein Trainerwechsel. So auch beim abstiegsbedrohten VfL Wolfsburg.

Riesen Andrang beim ersten Training

Doch dieses Mal war es nicht nur ein Trainerwechsel, es war nahezu ein Geniestreich der Verantwortlichen. Mit der überraschenden Rückholaktion von Meistertrainer Felix Magath schafften sie in der Volkswagen-Stadt im Handumdrehen die doch so herbeigesehnte Aufbruchstimmung im und rund um den Verein.

Geht es bei den Trainingseinheiten der "Wölfe" meist doch eher beschaulich zu, so strömten am vergangenen Freitag bei der ersten Übungseinheit unter Magath etwa 1.500 Fans zum Trainingsgelände und empfingen "ihren" Felix wie einen Messias, der ihnen 2009 sensationell die Deutsche Meisterschaft beschert hatte.

Spieler begeistert

Auch die Spieler äußerten sich begeistert vom Coup ihres Arbeitgebers. "Die Mannschaft hatte mit Magath viel Erfolg. Es ist gut für uns, dass er da ist. Ich hoffe, mit ihm kommen wir bald aus der Abstiegszone heraus", freute sich Torjäger Grafite über Magaths Rückkehr.

Landsmann Diego äußerte sich ähnlich. "Ich bin sehr glücklich. Es ist eine Freude, mit einem Champion wie Felix Magath zusammenzuarbeiten. Was wir brauchen, ist eine Siegermentalität. Und ich hoffe, dass er uns helfen wird, sie zu bekommen", sagte der Spielmacher.

Klare Worte vom Chef

Schon zwei Tage später feierte Magath im Spiel beim VfB Stuttgart sein Debüt auf der Trainerbank der "Wölfe". Das Ergebnis ist bekannt: 1:1 hieß es am Ende, den Ausgleich kassierten die Niedersachsen erst in der 4. Minute der Nachspielzeit. Damit verharrt der VfL auf Platz 17 - einem direkten Abstiegsplatz.

Magaths Reaktion: "Der Punkt ist grundsätzlich kein schlechtes Ergebnis. Aufgrund des Spielverlaufs und der vielen Konterchancen hätten wir den Platz aber ganz klar als Sieger verlassen müssen. Meine Aufgabe ist es jetzt, die Mannschaft in einen besseren Zustand zu bringen. Außerdem braucht es ein anderes Bewusstsein. Einige haben anscheinend noch nicht registriert, dass wir auf einem Abstiegsplatz stehen. Wir müssen noch einiges tun, um da unten wieder rauszukommen. In den nächsten Tagen steht viel Konditionsarbeit an."

Arbeiten, arbeiten, arbeiten

Und Magath ließ seinen Worten Taten folgen. Am Dienstag standen fast zwei Stunden harte Trainingsarbeit auf dem Programm. Die Spieler schwitzen, gingen an ihre körperlichen Grenzen - ohne zu murren. Sie vertrauen Magath und seinen Methoden.

"Wenn wir so weitermachen, dann sind wir in zwei Wochen gegen Frankfurt wieder topfit", so Grafite nach der Einheit. Mittelfeldstratege Josue stieß ins gleiche Horn: "Die Woche wird hart, denn Felix Magath gibt immer Vollgas. Aber man hat gesehen, dass wir die Kondition dringend brauchen." Dennoch freut sich der Brasilianer auf die Zusammenarbeit mit seinem neuen, alten Trainer: "Unter Magath habe ich meine besten Leistungen für den VfL gebracht. Er vertraut in meinen Fußball - und ich mag es, viel und hart zu trainieren."

Lösbare Aufgaben

An ihre Leistungsgrenze müssen die "Wölfe" auch in den restlichen sieben Saisonspielen gehen, um den drohenden Abstieg in die 2. Bundesliga zu verhindern. Das Restprogramm scheint machbar. So treffen die Wolfsburger fast ausschließlich auf Gegner aus dem unteren Feld der aktuellen Tabelle. Zuhause erwartet der VfL noch Eintracht Frankfurt, St. Pauli, Köln und Kaiserslautern. Auswärts geht's noch nach Schalke, Bremen und Hoffenheim.

Der VfL Wolfsburg wird diese Partien mit neuer Kraft und der nötigen Aufbruchstimmung angehen - dank Felix Magath.

Sven Becker