Felix Magath gilt in den Medien als der Alleinherrscher des VfL Wolfsburg. Seit seinem Amtsantritt im Juni 2007 ist der 55-Jährige Trainer, Sportdirektor und Geschäftsführer in einer Person. bundesliga.de wirft einen Blick hinter das System-Magath.

Beim VfL Wolfsburg hat man sich vor der Saison 2007/08 für eine in der Bundesliga einmalige Konstellation entschieden. Eine einzige Person hat die wahrscheinlich drei wichtigsten Dinge im sportlichen Bereich in der Hand. Die Verantwortlichen sahen in Felix Magath die ideale Besetzung für diese Struktur nach englischem Vorbild. "Die Personale Felix Magath passt einfach perfekt zum VFL Wolfsburg. Für den Verein ist es die perfekte Konstellation", sagt Josef "Seppo" Eichkorn. Der muss es wissen, denn Eichkorn arbeitet seit fast acht Jahren mit Magath zusammen.

Kein Alleinherrscher in Wolfsburg

Dass dieses System Erfolg haben kann, hat Magath in seinen beiden Jahren bei den "Wölfen" bereits bewiesen. "Die Tätigkeit macht mir Spaß. Solch eine tolle Aufgabe findet man nicht überall", sagt der wichtigste Mann in Wolfsburg über seine Rolle. "Der Erfolg gibt dem Modell Recht", meint Wolfsburgs Verteidiger Sascha Riether.

Dieses Modell wird natürlich auch vom Verein überwacht. "Felix kann nicht einfach eine Millionensumme für einen Spieler ausgeben. Wichtige Entscheidungen müssen natürlich, wie in jeden anderen Verein, vom Aufsichtsrat abgesegnet werden", stellt Eichkorn klar, dass Magath eben kein Alleinherrscher ist.

Viele Kritiker glauben, dass sich Magath mit den drei Jobs zu viel auflädt und die Mannschaft zu kurz kommt. "Das Gefühl habe ich überhaupt nicht, eher das Gegenteil. Er fühlt sich in dieser Position sehr wohl", kann sein Co-Trainer Eichkorn berichten. Auch die Vorteile dieser Aufgabenverteilung macht er deutlich: "Für die Spieler gibt es nur eine Ansprechperson, das erleichtert vieles. Felix Magath ist immer für unsere Spieler da."

Magath braucht Unterstützung

Die Dreifachbelastung scheint ihm nichts auszumachen. "Natürlich hat Felix viele Termine. Er kann sich sicher keine anderen Hobbys leisten, aber die Familie kommt nie zu kurz. Er ist ein richtiger Familienmensch", so Eichkorn weiter.

Ganz alleine kann Magath seine Aufgabenfelder aber nicht schaffen. Ihm stehen mit Wolfgang Hotze und Jürgen Marbach zwei weitere Geschäftsführer zur Seite, die ihm viele Dinge abnehmen. Genau wie sein Assistent Pablo Thiam, der zum Beispiel organisatorische Dinge erledigt. In sportlichen Anliegen wendet er sich an seine beiden Co-Trainer Seppo Eichkorn und Bernd Hollerbach, oder an die Scouts der "Wölfe".

Die Arbeit auf dem Platz kommt bei all seinen Terminen aber nie zu kurz. "Es passiert sehr sehr selten, dass er mal später kommt oder erst nach dem Aufwärmen. Er ist der Trainer und will keine Einheit verpassen. Er muss sehen, was seine Jungs, die er aufstellt, unter der Woche im Training machen", sagt Eichkorn.

Ordnung, Disziplin und Fitness

Auch das Klischee des "harten Hundes" kann Magaths Co-Trainer entkräften: "Natürlich gibt es längere Ausdauerläufe. Aber wir denken, dass es im Fußball notwendig ist, eine gewisse konditionelle Grundlage zu haben. Solange Felix und ich bei den meisten Läufen noch mitmachen können, kann das Training nicht zu hart sein", sagt Eichkorn lächelnd. Magath und sein Assistent haben die gleiche Auffassung in der Trainingsarbeit. Ordnung, Disziplin und Fitness gehören bei ihnen zu den Grundlagen. "Es gibt intensivere Einheiten, aber um erfolgreich zu spielen, muss man auch auf allerhöchstem Niveau trainieren."

Angst muss man vor Felix Magath nicht haben, man muss mit seiner Art umgehen können. "Er sagt den Spielern offen was sie können oder auch nicht können. Er macht ihnen deutlich, wo sie sich verbessern müssen. Das kommt vielleicht nicht immer gut an", verrät Eichkorn.

Bei Magaths Erfolgen als Trainer wird oft vergessen, dass er schon früher als Manager tätig war. Beim Hamburger SV, Saarbrücken und Uerdingen saß er im Bürosessel. In Stuttgart führte er nach der Entlassung von Rolf Rüssmann (2002) schon einmal die Doppelfunktion Trainer/Manager aus.

Magath will verlängern

Daher weiß Magath, dass es am Verhandlungstisch oft härter zu geht, als auf dem Platz. "Es ist nicht leicht gestandene Spieler, wie zum Beispiel einen deutschen Nationalspieler, zu holen. Da kommen ganz andere Vereine ins Spiel und Wolfsburg sind Grenzen gesetzt. Mit Andrea Barzagli oder Zvjezdan Misimovic ist es Felix aber schon gelungen", so Eichkorn.

Die Konstellation Wolfsburg und Magath harmoniert bestens. Der Vertrag des "Ein-Mann-Trios" Felix Magath endet im Sommer 2010, aber er hat schon signalisiert, dass er verlängern möchte. Denn Felix Magath hat mit dem VfL Wolfsburg noch viel vor, gerade im sportlichen Bereich.

Mark Schnell