Im Ligabetrieb ist sich Felix Magath bislang treu geblieben. Woche für Woche fahren seine Schützlinge fleißig Punkte ein, Woche für Woche predigt der Schalke-Coach, dass damit noch gar nichts erreicht sei. Das Wort "Titel" scheut er wie der Teufel das Weihwasser - trotz lediglich einem Punkt Rückstand auf den Spitzenreiter.

Es bestätigt die abgedroschene Weisheit von den pokaleigenen Gesetzen, dass der Erfolgscoach ausgerechnet vor dem Halbfinale gegen den FC Bayern (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker) seine Zurückhaltung ablegt. Erstmals nimmt der ehemalige Meistercoach der Bayern auch offiziell eine Trophäe mit den "Königsblauen" ins Visier. "Wir wollen ins Finale und den Pokal gewinnen, das ist das klare Ziel."

Magath will zum doppelten Stolperstein werden

"Wir haben den Vorteil des Heimspiels, vor allem weil Team und Fans wieder zusammengerückt sind. Deshalb sind die Bayern jetzt mein Traumlos. Zu Hause haben wir eher eine Chance als in Berlin", meinte der Erfolgscoach.

Das DFB-Pokal-Halbfinale zwischen beiden Teams am Mittwoch ist der erste Teil des doppelten Duells zwischen Schalke 04 und Bayern München. Ausgerechnet Magath kann mit seiner kampfstarken Truppe damit zum doppelten Stolperstein für den Rekordmeister auf dem Weg zum achten Double der Vereinsgeschichte werden, denn bereits am 29. Spieltag der Bundesliga müssen die Münchner erneut auf Schalke ran.

Mit Einsatzwille und Laufbereitschaft

Zwar sei der deutsche Rekord-Pokalsieger technisch und taktisch stärker als die "Knappen", doch "diese Eigenschaften zählen nicht allein im Fußball", betont Magath und verspricht. " Wir haben nicht nur Hoffnung, sondern berechtigte Aussichten, das Spiel zu unseren Gunsten zu entscheiden. Mit Einsatzwille und Laufbereitschaft wird unsere junge Mannschaft den Bayern Paroli bieten."

Genau diese Karte wollen auch seine Spieler ausspielen: "Für uns gilt es, in der Partie eng am Gegenspieler zu sein, aggressiv zu spielen und den Münchenern den Schneid abzukaufen", weiß Lukas Schmitz. Im Duell mit den Bayern baut Magath auf den Kader der letzten Wochen. "Der Trainer kann aus dem Vollen schöpfen, wie es so schön heißt", freute sich Magath.

"Foulspiele gehören im Fußball dazu"

Der ganzen Diskussion um die angebliche "Foul-Taktik der Schalker" (Nerlinger) blickt Magath relativ entspannt entgegen. "Natürlich sind wir nicht in der Lage Spieler zu kaufen, die technisch und taktisch bereits voll ausgebildet sind. Wir müssen und wollen unsere Fußballer selbst ausbilden. Da kann es durchaus sein, dass sie noch nicht in der Lage sind, Spielern wie Ribéry und Robben Paroli zu bieten.

Der Trainer der "Knappen" sieht die Spielweise eher als ein Attribut seiner Mannschaft. "Jeder spricht immer über den englischen Fußball, der sich großer Beliebtheit erfreut, weil es dort auf dem Platz mit gesunder Härte zur Sache geht. Aber wenn man viel Einsatz zeigt und Zweikämpfe sucht, dann gehören Foulspiele im Fußball dazu."

"Darf kein zweites Mal passieren"

Für Schalke ist es der Auftakt zu einer Reihe von richtungweisenden Duellen. Die wohl entscheidende Phase beginnt mit dem Pokalduell, findet am Samstag bei Bayer Leverkusen seine Fortsetzung und endet am 3. April mit der Revanche gegen Bayern in der Bundesliga.

Die Münchner schmücken ihre Wochen der Wahrheit noch mit den beiden Champions-League-Duellen mit Manchester United und müssen in der Bundesliga auch in Leverkusen antreten. Diesmal wollen sie sich nicht wie im Vorjahr von Magath bremsen lassen. "Der hat uns mit Wolfsburg schon mal ein Bein gestellt", sagte Schweinsteiger, "das darf kein zweites Mal passieren."

"Ich will alle drei Titel gewinnen"

Zumal Louis van Gaal in dieser Spielzeit noch Großes vor hat. "Ich will alle drei Titel gewinnen. Ich denke, für Bayern ist der Meistertitel das größte Ziel. Aber alle Spieler wollen auch den Pokal gewinnen und die Champions League", tönt Bayern-Coach Louis van Gaal vor dem Hit auf Schalke. "Entweder wir bekommen die Gladiolen oder wir sind tot."

Schön für van Gaal ist, dass er gegen Schalke auf die zuletzt angeschlagenen Ivica Olic, Daniel van Buyten und vor allem auf Franck Ribery wieder zurückgreifen kann. In Frankfurt war Ribery noch geschont worden. Rechtzeitig für die Wochen der Wahrheit steht er nun wieder auf dem Platz.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Schalke: Neuer - Rafinha, Höwedes, Bordon, Westermann - Matip - Kluge (Baumjohann), Rakitic, Schmitz - Farfan, Kuranyi

München: Butt - Lahm, van Buyten, Badstuber, Alaba - Robben, van Bommel, Schweinsteiger, Müller (Ribery) - Klose, Olic

Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg)