München - bundesliga.de lässt im großen Jahresrückblick das spannende Fußball-Jahr 2010 Revue passieren. Lesen Sie nach, was sich im APRIL 2010 ereignet hat: "Die Preise werden im Mai vergeben", pflegt Bayern-Trainer Louis van Gaal hartnäckigen Fragestellern immer zu antworten, wenn sich die Bayern wieder einmal in eine schwierige Situation manövriert haben. Und er hat natürlich recht.

Im April aber fallen die Vorentscheidungen. Oder um es frei nach van Gaal zu formulieren: "Im April werden die möglichen Preisträger nominiert." In dieser Saison heißen die Nominierten: Bayern und Schalke in der Bundesliga, Bayern und Bremen im Pokal und Bayern und Inter in der Champions League. Doch der Reihe nach.

Bayer schnuppern am "Triple"

Bayern München träumt vom ganz großen Wurf, vom Triple, dem Gewinn von Meisterschaft, Pokal und Champions League im gleichen Jahr. Die Chancen dafür stehen außerordentlich gut. Allerdings steht alles spitz auf Knopf. Der totale Triumph ist möglich, aber auch das komplette Scheitern, wie es Bayer Leverkusen im Jahr 2002 bitter erleben musste.

Leverkusen spielt in dieser Spielzeit bei der Titelvergabe keine Rolle mehr. 24 Spieltage dominierte Bayer ungeschlagen die Bundesliga, dann kam der Absturz. Im März und April holen die "Werkskicker" in sieben Ligaspielen nur 4 Punkte und kassieren fünf Niederlagen.

Damit ist aus dem Titeldreikampf ein Duell zwischen Bayern und Schalke geworden. Nachdem die "Knappen" am 28. Spieltag die Tabellenführung übernommen hatten, schlägt das Imperium zurück. Nur wenige Wochen nach dem Pokaltriumph an gleicher Stelle demonstrieren die Bayern eindrucksvoll, warum sie der erfolgreichste deutsche Club der letzten vierzig Jahre sind.

Die Bayern schlagen Schalke auch in der Bundesliga, diesmal . Sie erledigen ihre Aufgabe kühl und überlegen. Ein Doppelschlag von Franck Ribéry und Thomas Müller nach nicht einmal einer halben Stunde bringt sie auf die Siegerstraße, Kevin Kuranyis Anschlusstor kurz danach ist alles was die "Königsblauen", die nach der Ampelkarte für Bayerns Hamit Altintop 50 Minuten in Überzahl spielen, zu Stande bringen.

Magath wagt sich aus der Deckung

Der enormen Dreifach-Belastung ist es geschuldet, dass Bayern sich in der Bundesliga nicht absetzen kann. In Leverkusen und Mönchengladbach begnügen sich die Münchener mit Punkteteilungen. So kann Schalke Ende April nach dem 32. Spieltag nach Punkten mit den Bayern gleichziehen (Tabellenkonstellation nach dem 32. Spieltag).

Erst jetzt, nachdem der Champions-League-Platz gesichert ist, wagt sich Schalke-Trainer Felix Magath aus der Deckung und bekennt sich zum Ziel Titelgewinn. Der Meistermacher des Vorjahres (mit Wolfsburg) versucht mit Psychotricks den Tabellenführer aus München unter Druck zu setzen.

Magath ist ohnehin bereits einer der Gewinner der Saison. Mit bescheidenen Mitteln hat er auf Schalke ein Spitzenteam geformt, dass neben etablierten Stars wie Kevin Kuranyi, Manuel Neuer, Marcelo Bordon, Heiko Westermann oder Rafinha auch gespickt ist mit vorher wenig bekannten Talenten wie Christoph Moritz, Lukas Schmitz oder Joel Matip. Ob es für den ganz großen Coup reicht?

Werder holt fulminant auf

Im Kampf um den dritten Champions-League-Platz hat inzwischen Werder Bremen die besten Karten. Nach dem verpatzten Rückrundenstart und zwischenzeitlich 16 (!) Punkten Rückstand auf Bayer Leverkusen hat der Pokalsieger mächtig aufgedreht und 29 Zähler aus zwölf Begegnungen geholt. Auch Borussia Dortmund rechnet sich neben Bayer Leverkusen noch Chancen auf Rang 3 aus.

Im Abstiegskampf verschiebt sich die Gemengelage mit jedem Spieltag. Hoffnungen machen sich noch der 1. FC Nürnberg, der SC Freiburg, Hannover 96 und der VfL Bochum. Allerdings bekommt der sich bereits gesichert wähnende VfL nichts mehr auf die Reihe.

Nach nur einem Punkt aus den letzten acht Spielen und dem Abrutschen auf Platz 16 wird Trainer Heiko Herrlich gefeuert und durch Dariusz Wosz ersetzt, der als vierter VfL-Coach der laufenden Saison das Abstieg abwenden soll.

Hertha mit Negativrekord

Kaum noch Chancen auf den Klassenerhalt besitzt die Berliner Hertha, die einen neuen Negativrekord aufstellt und seit 15 Spielen auf einen Heimsieg wartet. Da helfen auch vier spektakuläre Auswärtssiege (in Hannover, Freiburg, Wolfsburg und Köln) bei einem Torverhältnis von 14:1 nicht mehr.

Neben dem VfL Bochum zieht auch der Hamburger SV kurz vor Toresschluss noch einmal die Reißleine und entlässt Trainer Bruno Labbadia. Der hatte erst mit dem HSV einen Rekordstart von 20 Punkten aus den ersten acht Saisonspielen hingelegt und dann wie schon im Vorjahr in Leverkusen den Absturz nicht mehr verhindern können.

Nur noch sechs "Dreier" landeten die Hanseaten in den folgenden 24 Partien, in der Bundesliga ging es runter auf Platz 7. Einzig das gute Abschneiden in der Europa League, in der der HSV ins Halbfinale einzog, rettete Labbadia vor einer früheren Entlassung.

Moniz übernimmt vorübergehend beim HSV

Als aber das Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Fulham torlos endet und seine Truppe kurz darauf in Hoffenheim widerstandslos , muss Labbadia gehen. Sein Nachfolger Ricardo Moniz soll irgendwie versuchen, mit dem HSV doch noch ins Endspiel einzuziehen, das in diesem Jahr ausgerechnet in Hamburg stattfindet.

In der Champions League macht es der FC Bayern besser. Wieder ist Arjen Robben der Mann der entscheidenden Tore. Erst sorgt sein Traumtor zum 2:3 in Manchester für den Einzug ins Halbfinale. Und auch dort ist er Schütze des goldenen Tores beim 1:0-Hinspielerfolg über Olympique Lyon.

Nach der 3:0-Gala im Rückspiel mit dem dreifachen Torschütze Ivica Olic steht Bayern München erstmals wieder seit 2001 im Endspiel der Königsklasse. Gegner dort ist überraschend Inter Mailand, das die klar sich gegen den Klar favorisierten FC Barcelona mit 3:1 und 0:1 durchsetzt.

In der 2. Bundesliga macht der 1. FC Kaiserslautern den Aufstieg gegen Hansa Rostock zwei Runden vor Schluss perfekt, da auch der FC Augsburg patzt (Tabellenkonstellation nach dem 32. Spieltag der 2. Bundesliga).

Kuriosiät des Monats

Hannover 96 ist die große Wundertüte der Saison. Kaum ein Verein in der Bundesliga musste eine so extrem harte Saison durchmachen. Nach frühem Trainerwechsel und gutem Start rutschte 96 nach der Tragödie um Robert Enke in tiefste Abstiegsgefahr.

Erst mit Mirko Slomka, dem dritten Coach, geht es langsam bergauf, Rückschläge inklusive. Im April präsentiert Hannover innerhalb von acht Tagen die ganze Bandbreite. Dem grandiosen 4:2 gegen Schalke 04 folgt ein bei Bayern München. Doch die Rettung ist immer noch möglich.

Tobias Gonscherowski


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