Blatter gegen Sarkozy, FIFA gegen Frankreich: Der Fußball-Weltverband droht der gedemütigten "Grande Nation" unverhohlen mit Suspendierung und stellt den Vize-Weltmeister auf eine Stufe mit Macao, Samoa und Kuwait. "Frankreich hat eine wahre Staatsaffäre aus dem Fußball gemacht, aber der Fußball gehört in die Hände der Verbände", sagte Präsident Joseph S. Blatter und forderte die Politik ultimativ auf, eine Einmischung beim nationalen Verband FFF zu unterlassen.

Die Worte waren offenbar eine Reaktion auf die Aussage der Sprecherin der französischen Nationalversammlung, wonach Nationaltrainer Raymond Domenech, dessen Vertrag nach der WM endet, und Verbands-Präsident Jean-Pierre Escalettes, der am Montag seinen Rücktritt erklärt hatte, vor einem parlamentarischen Ausschuss am Mittwoch zu erscheinen haben.

Ausschlüsse für Irak und Co.

Blatter erlaubte sich sogar, den Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy persönlich zu rügen. "Der französische Fußball kann auf die FIFA zählen, sollte es zu politischen Einmischungen kommen - selbst, wenn es auf präsidialer Ebene geschieht." Dies, sagte Blatter, "ist eine klare Botschaft. Sollten die weiteren Konsultationen scheitern, bleibt uns als einziges Mittel die Suspendierung."

Das Undenkbare ist plötzlich gar nicht mehr so weit entfernt. Es wäre eine erstaunliche Eskalation der Grande Blamage einer einst stolzen Fußball-Nation. Zuletzt waren eben Macao, Samoa, Kuwait, der Irak und Peru wegen Einmischung von staatlicher Stelle in sportliche Belange ausgeschlossen worden. Und jetzt Frankreich?

Politik kleinlaut

Nach Blatters verbaler Attacke gab Sportministerin Roselyne Bachelot am Dienstag klein bei: "Unter keinen Umständen sollte sich die Politik in die Belange der Sportautoritäten einmischen. Ich bin entschlossen, den Verband gegen jede Form der Eimischung zu verteidigen", sagte sie und vollzog eine Rolle rückwärts.

Eine Lex Frankreich wird es aus Sicht der FIFA jedenfalls nicht geben, unmissverständlich sind die Aussagen. "Wir schauen ganz genau hin. Das gilt für Frankreich genauso wie für jedes andere Land", erklärte FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke - und sein Wort hat Gewicht, denn Valcke ist Franzose.

Fußball wichtiger als G20-Gipfel

Eine massive Einmischung nach dem von skandalösen Vorfällen begleiteten WM-Aus der Nationalmannschaft hat bereits stattgefunden - ob sie geahndet wird, ist offen. Angeführt von Sarkozy und der resoluten Sportministerin Roselyne Bachelot hatte die Politik Druck auf Escalettes ausgeübt - dieser demissionierte mittlerweile entnervt.

Sarkozy hatte sogar seine Vorbereitung auf den G20-Gipfel unterbochen, um sich der "Equipe Tricolore" zu widmen. Er traf sich mit Nationalspieler Thierry Henry und berief für Oktober eine "Generalversammlung des Fußballs" ein.

Valcke reagierte auf derartige Vorgänge gereizt. "Ich habe der französischen Sportministerin gesagt, dass sie vorsichtig sein soll. Kein Politiker kann einen Sportfunktionär zum Rücktritt zwingen", sagte der Generalsekretär, ehe am Dienstag Blatter das Wort ergriff.