München - Wen erwischt es am Samstag direkt, wer muss in die Relegation? Der 1. FC Köln und Hertha BSC kämpfen derzeit um die letzte Chance, dem Abstieg doch noch zu entgehen. Im exklusiven Interview mit bundesliga.de bewertet der ehemalige Kölner Trainer Erich Rutemöller, der heute für den DFB, die UEFA und die FIFA Trainerausbildungsprojekte betreut, die Aussichten der beiden Clubs.

bundesliga.de: Am letzten Spieltag der Bundesliga richtet sich das Interesse der Fans vor allem auf die anstehende Entscheidung um den Relegationsplatz 16, um den sich im Fernduell der 1. FC Köln und Hertha BSC streiten. Wem drücken Sie die Daumen?

Erich Rutemöller: Das fragen Sie einen ehemaligen Trainer des 1. FC Köln? Ich mache mir großen Sorgen um den FC. Ich hoffe sehr, dass die Kölner es schaffen. Mit dem Herzen fiebere ich mit, aber der Verstand sagt mir, dass es ganz schwer wird. Denn irgendwann wird die Berliner Heimschwäche auch einmal zu Ende gehen. Und wenn die Hertha am Samstag gegen Hoffenheim gewinnt, muss Köln gleichzeitig Bayern München schlagen.

bundesliga.de: Worauf kommt es am 34. Spieltag vor allem an?

Rutemöller: Es wird auf die Tagesform ankommen und darauf, wer seine Nerven im Griff hat. Auch der Spielverlauf der jeweils anderen Partie spielt eine Rolle. Aus Kölner Sicht machen die beiden letzten Heimspiele gegen Bremen und vor allem gegen Stuttgart Mut. Die Auswärtsschwäche des FC ist bekannt, aber im eigenen Stadion ist etwas möglich. Auch gegen den FC Bayern, der den Kölnern sicher nichts schenken wird. Hoffnung macht auch, dass sich Lukas Podolski in seinem letzten Bundesliga-Spiel nicht als Absteiger verabschieden will.

bundesliga.de: Hat der Trainerwechsel von Stale Solbakken zu Frank Schaefer den Kölnern noch einmal gut getan?

Rutemöller: Ja. Ich kenne Schaefer sehr gut und bin überzeugt davon, dass er die Mannschaft hervorragend einstellen wird. Ich habe Frank Schaefer noch als B-Junior beim FC trainiert, damals war er noch Torwart. Er musste dann schon als Juniorenspieler nach einem Kahnbeinbruch seine Karriere beenden und wurde Trainer.

bundesliga.de: Wie schätzen Sie die Lage der Hertha ein?

Rutemöller: Die Berliner kann ich aus der Entfernung nur schwer einschätzen. Ich kann mich aber an ihr Heimspiel gegen Wolfsburg erinnern, in dem sie Riesenchancen besaßen und äußerst unglücklich verloren. Umso unerklärlicher war die schlechte Vorstellung vor zwei Wochen gegen Kaiserslautern. In der Hinrunde lief es unter Markus Babbel noch gut. Jetzt sitzt er beim Gegner Hoffenheim auf der Bank. Er wird hochmotiviert sein, aber für seine Mannschaft geht es um nichts mehr. Ich gespannt, wie sich die Hoffenheimer in Berlin verkaufen.

bundesliga.de: Was läuft Ihrer Meinung nach in Berlin schief?

Rutemöller: Grundsätzlich kann man zur Hertha sagen, dass vier Trainer in einer Saison nicht gesund sein können. Da kann keine klare Linie reinkommen. Aber am letzten Spieltag ist es bei der Konstellation fast egal, wer auf der Bank sitzt. Es ist die letzte Chance für die Hertha, nur ein Sieg hilft weiter. Ich bin überzeugt davon, dass sich alle zusammenreißen und die Fans hinter der Mannschaft stehen werden.

bundesliga.de: Retten sich die Kölner?

Rutemöller: Es wird eine ganz enge Kiste werden und aus Kölner Sicht das große Zittern geben. Vielleicht hilft auch nur noch Beten.

bundesliga.de: Und wie stehen die Chancen dann in der Relegation?

Rutemöller: Selbst wenn der FC den 16. Platz erreichen sollte, ist die Relegation auf keinen Fall ein Selbstläufer. Gerettet ist man noch lange nicht. Sollte es tatsächlich gegen Fortuna Düsseldorf gehen, muss ich niemandem erzählen, was dann im Rheinland los ist. Das wird eine ganz harte Nuss, auch wenn der Bundesligist in der Relegation grundsätzlich leichter Favorit ist.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski