Zusammenfassung

  • Lukas Hradecky wird Eintracht Frankfurt am Saisonende verlassen.

  • Der finnische Torhüter will im zweiten Pokalfinale in Folge endlich den Titel.

  • Seine Parade gegen Burgstaller hat ihm auf Schalke Sicherheit gegeben.

Köln – Als er seinen Interview-Marathon nach dem Spiel absolviert hatte, stapfte Lukas Hradecky lachend Richtung Kabine: "Jetzt wird getrunken!" Zum Feiern hatten der finnische Keeper und Eintracht Frankfurt allen Grund – sie stehen nach dem 1:0-Erfolg beim FC Schalke 04 zum zweiten Mal in Folge im DFB-Pokalfinale in Berlin. Hradecky half dabei mit Weltklasseparaden und träumt jetzt vom perfekten Abschied.

Frage: Lukas Hradecky, die Eintracht steht zum zweiten Mal in Folge im Pokalfinale – auch dank Ihrer starken Paraden.

Lukas Hradecky: Wenn es zählt, dann bin ich da (lacht). Es war schön, dass ich mich ausgerechnet in diesem Spiel auszeichnen konnte nach ein paar schwierigen Wochen.  Ich denke, ich habe meine Arbeit gemacht und ich bin glücklich, dass ich der Mannschaft helfen konnte. Mein letztes Spiel für die Eintracht werde ich jetzt in Berlin machen und meinen Abschied dort mit dem Finale erleben. Wenn ich dann den Pokal in die Höhe halten kann, wäre es das Allergrößte. Darauf freue ich mich jetzt richtig.

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Frage: Würde der Pokalsieg Ihre Zeit in Frankfurt und diese Saison so richtig abrunden?

Hradecky: Ich möchte natürlich einen guten Eindruck hinterlassen in Frankfurt und bei den Eintracht-Fans (lacht). Solche Spiele wie gegen Schalke helfen dabei natürlich. Bis hierher war es sehr schön und eine richtig gute Saison für uns. Wir können uns in der Bundesliga für den europäischen Wettbewerb qualifizieren. Wenn wir auch noch den Pokal holen, dann wäre es eine sensationelle Saison.

"Es war ein bisschen wie Schach in der ersten Halbzeit." Lukas Hradecky, Eintracht Frankfurt

Frage: Sie hatten in diesem Spiel nicht viel zu tun, waren aber dafür ein paar Mal richtig gefordert und haben glänzend reagiert. Wie schwierig war das Spiel?

Hradecky: Es war insgesamt ein schwieriges Spiel. Es war ein bisschen wie Schach in der ersten Halbzeit, fast ein bisschen langweilig. Schalke hat da nicht viel gemacht und ich hatte auch fast nichts zu tun. In der zweiten Halbzeit haben sie dann Druck gemacht, nachdem wir das Tor gemacht haben. Da sind sie ein paar Mal in unseren Strafraum gekommen. Aber wir haben wie Krieger da gestanden und alles verteidigt. Ich bin stolz auf die Mannschaft. Wir haben es uns verdient, im Finale zu stehen.

Frage: Sie hatten zuletzt schwierige Wochen. Haben Sie dieses Mal direkt gemerkt, dass Sie gut im Spiel sind?

Hradecky: Jede Szene hilft natürlich. Dass ich viel mitspielen konnte, war auch wichtig. Und es war wichtig für mich, dass ich bei dem Kopfball von Burgstaller in der ersten Halbzeit retten konnte. Das hat es dann einfacher gemacht für mich.

Lukas Hradecky parierte im Halbfinale gleich zwei Mal überragend gegen Guido Burgstaller
Lukas Hradecky parierte im Halbfinale gleich zwei Mal überragend gegen Guido Burgstaller © imago / Schueller

Frage: Ist das jetzt wieder der alte Lukas Hradecky, den man zuletzt etwas vermisst hatte?

Hradecky: Hoffentlich! Aber der alte Lukas ist nie wirklich weg gewesen (lacht). Vielleicht hat er ein bisschen Urlaub gemacht. 

Frage: War das Tor von Jovic eher ein Geniestreich oder ein Glückstreffer?

Hradecky: Wir haben die Ecken schon trainiert, aber natürlich ist es trotzdem auch ein bisschen Glück, wenn der Ball dann so kommt. Aber Luka macht das auch richtig gut, wie er ihn dann mit der Hacke ins Tor lenkt.

Frage: Wie sehr ist Ihnen in der Nachspielzeit das Herz in die Hose gerutscht, als der Ball plötzlich doch noch im Frankfurter Tor lag?

Hradecky: Der Schiedsrichter hatte die Pfeife zum Glück direkt im Mund und hat es so bewertet, dass die Hand im Spiel war. Glück für uns!

"Und vielleicht hilft uns auch die Erfahrung, die wir beim letzten Mal sammeln konnten." Lukas Hradecky, Eintracht Frankfurt

Frage: Der Wechsel von Trainer Niko Kovac zu den Bayern hat zuletzt für viel Wirbel gesorgt. Wie konnte sich die Mannschaft davon frei machen?

Hradecky: Alles, was in den letzten Tagen gesagt und geschrieben wurde, hat uns schon beeinflusst. Aber jetzt ging es nur darum, ins Pokalfinale zu kommen. Der Trainer hat uns auch gesagt, dass wir es dem Verein schuldig sind, dafür alles zu geben. Das haben die Jungs auch gemacht. Dass wir das jetzt noch einmal in Berlin erleben können mit dem Trainer zusammen, ist einfach schön. Und dann noch gegen seine zukünftige Mannschaft – ich bin mir sicher, da will er erst recht gewinnen. 

Frage: Haben Sie das letzte Pokalfinale noch im Kopf?

Hradecky: Dass wir da gegen den BVB als Verlierer den Platz verlassen mussten, war natürlich eine Enttäuschung. Dass wir es jetzt direkt noch einmal probieren dürfen, ist umso schöner. Das gibt uns Energie. Und vielleicht hilft uns auch die Erfahrung, die wir beim letzten Mal sammeln konnten.  

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte

Video: Lukas Hradecky "Under Pressure"