Jürgen Klinsmann hat den Samstagnachmittag im Stehen verbracht. 90 Minuten lang verfolgte er das Spiel seiner Bayern gegen Bielefeld an der Seitenauslinie. Allzu viel gestikulieren musste er allerdings nicht, die Münchner dominierten die Partie so deutlich wie noch nie zuvor in dieser Spielzeit.

Konsequenz des 3:1 (1:1) und damit vierten Bundesliga-Siegs in Serie: Die Münchner stehen zum zweiten Mal in dieser Saison unter den ersten Drei der Liga.

Im Interview spricht Klinsmann über das vom Ergebnis her lange offene Spiel gegen Bielefeld, die Systemumstellung zur zweiten Halbzeit und die Tabellensituation.

Frage: Herr Klinsmann, wie fällt Ihr Fazit nach dem Spiel aus?

Klinsmann: Es war ein Spiel gegen - wie erwartet - sehr defensive, sehr kompakte Bielefelder. Es war klar, dass wir Geduld haben müssen. Durch den Elfmeter haben wir es uns selbst schwer gemacht. Aber wir haben dann den Druck immer mehr erhöht und das 2:1 erzwungen. Irgendwann musste der Ball ja reingehen. Die Mannschaft hat heute ein tolles Engagement gezeigt. Es hätte auch gut und gerne 6:1 oder 8:1 ausgehen können.

Frage: Sie haben Lukas Podolski erst zur Halbzeit gebracht und mit dessen Einwechslung auch das System umgestellt: Von 4-2-3-1 auf 4-4-2. Warum haben Sie nur mit einem Stürmer angefangen?

Klinsmann: Wir wollten sehen, wie das funktioniert. Es ist eine interessante Variante. Wir wollen es dem Gegner nicht so einfach machen, immer zu wissen, wie wir spielen. Wir haben in der ersten Halbzeit gesehen, dass wir mit drei offensiven Mittelfeldspielern viel bewegen können. Und es hat auch mitgeholfen, Lukas auf Touren zu bringen.

Frage: Waren Sie mit Podolskis Leistung zufrieden?

Klinsmann: Er hat sehr professionell reagiert; er hat die Reaktion gezeigt, die man sich als Trainer wünscht. Sein Engagement und sein Rhythmus waren absolut in Ordnung.

Frage: War er als Elfmeterschütze vorgesehen? Vor dem Strafstoß gab es ein kurzes Zwiegespräch mit Franck Ribery, der ihm den Ball offenbar ganz gerne abgenommen hätte…

Klinsmann: So etwas wird auf dem Platz geregelt. Aber Lukas ist der beste Elfmeterschütze, den wir haben. Das Tor war sehr wichtig für ihn.

Frage: Wie sehen Sie nun die Tabellensituation?

Klinsmann: Wir wollen natürlich immer weiter nach oben. Wir sind jetzt eine Position nach oben gerückt auf Platz drei. Und die anderen beiden vor uns werden wir auch noch packen.

Aus München berichtet Michael Gerhäußer