Mönchengladbach – "Ein hartes Stück Arbeit" gehört zu den Lieblingsaussagen von Gladbachs Trainer Lucien Favre. Gerne vor, fast immer nach dem Spiel wählt der Schweizer diese Formulierung. Am angenehmsten lässt es sich über die Ausübung des Berufs freilich referieren, wenn der Einsatz am Ende von Erfolg gekrönt ist. Bei Borussia Mönchengladbach momentan ein Dauerzustand. Seit neun Pflichtspielen sind die Fohlen in dieser Saison bereits ohne Niederlage.   

Da es in der Bundesliga bekanntlich keine leichten Gegner gibt, wartet in Favres Sinne der nächste "schwere Brocken" auf die Elf vom Niederrhein, wenn es am Samstag zum ersten Bundesliga-Duell beim SC Paderborn kommt. Beide Teams trafen bisher nur in der Zweitligasaison 2007/08 aufeinander (Sieg Borussia und Remis).

Obwohl der Überraschungsaufsteiger, nach München als Tabellenführer gereist, bei den Bayern unter der Woche eine herbe 0:4-Niederlage einstecken musste, ist das Gladbacher Lager gewarnt. "Wenn wir verlieren, liegen wir in der Tabelle wieder hinter ihnen. Für einen Aufsteiger hatten sie einen sehr guten Saisonstart. Wir dürfen uns nicht ausruhen und müssen alle Kräfte bündeln, um dort zu bestehen", meint Max Kruse, Schütze des goldenen Tores beim 1:0-Sieg gegen den Hamburger SV.

Defensive extrem stabil

Die Niederlage beim Meister werde den SC Paderborn nicht zurückwerfen, ist sich der Goalgetter sicher. Die Ostwestfalen sind zwar saisonübergreifend seit sechs Partien ungeschlagen, doch auch die Gäste können statistisch einige Top-Werte aufweisen. Mönchengladbach überstand erstmals seit 38 Jahren die ersten fünf Spieltage ohne Niederlage – damals wurde die Fohlenelf letztmals Meister - und mit nur zwei Gegentoren stellt sie zudem aktuell die zweitbeste Abwehr der Liga (Vereinsrekord aus der Saison 1970/71 eingestellt).

Gerade defensiv präsentiert sich die Favre-Elf enorm stabil. Angefangen von der Innenverteidigung mit Martin Stranzl und Tony Jantschke, die kaum einen Zweikampf verliert, bis hin zu den Offensivkräften, die konsequent nach hinten arbeiten, leistet jeder Spieler einen wichtigen Beitrag zur Abwehrarbeit. So lässt es sich auch hier und da verschmerzen, wenn es in der Offensiv-Abteilung mal nicht optimal läuft, wie gegen den Hamburger SV, als Stürmer Raffael mehrere hundertprozentige Chancen liegen ließ. "In Spielen, in denen du mal nicht mehr als ein Tor schießt, ist es wichtig, hinten sehr kompakt zu stehen. Das machen wir momentan sehr gut und arbeiten alle elf gut gegen den Ball", so Kruse. 

Variabilität zahlt sich aus

Auch der viel zitierte breite Kader und die daraus resultierende Variabilität zahlen sich bei Teilnahme an drei Wettbewerben in der frühen Phase der Saison bereits aus. Wohl dem, der Spieler wie Fabian Johnson, Patrick Herrmann, Branimir Hrgota oder Thorgan Hazard auf der Bank hat und Veränderungen vornehmen kann, ohne an Qualität zu verlieren.  „Dass es Wechsel geben wird, ist bei der Vielzahl an Spielen gut und ganz normal“,  erklärt Favre, der zuletzt Thorgan Hazard gegen den HSV sein Bundesliga-Startelf-Debüt gönnte. 

"Wir haben einfach momentan die Qualität, auch knappe Spiele für uns zu entscheiden", lobt Kruse die Kompaktheit, in der sich die Mannschaft aktuell präsentiert. Eine Qualität, die der Europa-League-Teilnehmer den frechen Aufsteiger aus Paderborn spüren lassen und die Serie ausbauen will, auch wenn es – um bei den Worten des Trainers zu bleiben – mal wieder ein hartes Stück Arbeit werden könnte.      

Markus Hoffmann