München - Mit Ricardo Rodriguez hat Wolfsburgs Trainer und Manager Felix Magath den achten Neuzugang in diesem Winter vorgestellt. In den vergangen zehn Jahren gab es keinen Verein, der in der Winterpause mehr Transfers zu vermelden hatte. Nach dem enttäuschenden Abschneiden der Wolfsburger in der Hinrunde versucht Magath offensichtlich mit möglichst viel frischem Personal das Ruder herumzureißen.

Doch wie erfolgreich ist dieses Konzept? Zahlt es sich aus, eine Mannschaft mit möglichst vielen Neuzugängen aufzufrischen? Oder ist es besser, an den bewährten Spielern festzuhalten?

Keine Verbesserung trotz vieler Neuverpflichtungen

Um diese Fragen zu beantworten, lohnt ein Blick in die jüngere Vergangenheit der Bundesliga. Dort zeigt sich, dass die Teams, die in den letzten zehn Jahren in einer Wintertransferperiode die meisten Neuzugänge verpflichtet haben, in der Rückserie nicht unbedingt erfolgreicher waren. Wolfsburg tätigte schon in der Winterpause der vergangenen Saison die meisten Transfers aller Bundesligisten - noch vor der erneuten Verpflichtung von Magath. Der VfL beendete die Spielzeit mit Platz 15 - zwei Plätze schlechter als seine Platzierung nach der Hinrunde.

Auch Felix Magath war schon einmal in der Situation, dass er im Winter Neuzugang auf Neuzugang präsentierte. In der Saison 2009/2010 verpflichtete er insgesamt sieben neue Spieler für seinen damaligen Verein, den FC Schalke 04. Doch das Ergebnis blieb das gleiche, denn die Schalker landeten am Ende der Saison auf demselben Tabellenplatz, den sie schon nach der Hinrunde belegt hatten.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass es sich hierbei um Tabellenplatz 2 handelte. Magath ging also auf Einkaufstour, obwohl seine Mannschaft nach Abschluss der ersten 17 Spiele auf Champions-League-Kurs gelegen hatte.

Wintertransferperiode von Hektik bestimmt

Das ist allerdings nicht das typische Verhalten der Bundesligaclubs. In den meisten Fällen wird die Wintertransferperiode durch Vereine bestimmt, die in der Hinrunde die Erwartungen nicht erfüllt haben und sich gezwungen sehen, kurzfristig nachzubessern.

Dementsprechend ungeplant sind die Verpflichtungen häufig, was aber nicht darauf schließen lässt, dass sie auch undurchdacht wären. Oft wird ein Transfer vorgezogen, der ursprünglich für den nächsten Sommer geplant war. Immer wieder aber kommen Wintertransfers als Folge von Hektik unerwartet in Abstiegsängste geratener Vereine zustande, was die Erfolgsaussichten dieser Transfers schmälert.

Hoffenheims Absturz

Wie Magaths Schalker im Frühjahr 2010 investierte auch 1899 Hoffenheim im Winter der Saison 2008/2009 trotz eines hervorragenden Tabellenstands. Die Kraichgauer hatten die Bundesliga gerade mit ihrem spektakulären Fußball begeistert und eine überragende Hinrunde als Aufsteiger mit der Tabellenführung abgeschlossen.

Trotzdem vermeldete Hoffenheim in der Winterpause die meisten Neuzugänge aller Bundesligavereine - und stürzte in der Rückrunde von Platz 1 auf Platz 7 ab. Ein Beispiel dafür, dass die Neuzugänge eine funktionierende Mannschaft eher geschwächt haben als verstärkt.

Hamburg und Köln verbesserten sich

Fast könnte man meinen, viele Winterneuverpflichtungen hätten in den vergangenen zehn Jahren überhaupt keinen positiven Effekt gehabt: Doch es gibt auch andere Beispiele, bei denen es Vereine mit vielen Transfers geschafft haben, das Blatt zu wenden und am Ende der Saison besser dazustehen. Besonders beeindruckend ist das dem Hamburger SV in der Saison 2006/2007 gelungen.

Nach der Hinrunde lagen die Hamburger auf Abstiegsrang 17. Dann holte der Verein die zweitmeisten Neuzugänge aller Bundesligaclubs der damaligen Winterpause und spielte eine überragende Rückrunde. An deren Ende standen die Hanseaten auf Rang 7.

Ähnlich ging es dem 1. FC Köln, der in der vergangenen Saison fünf Neuzugänge in der Winterpause präsentierte. Das waren die zweitmeisten im letzten Winter, und es zahlte sich aus für den FC. Am Ende der Rückserie hatten die Rheinländer ihre Tabellenposition um sechs Plätze auf Rang 10 verbessert.

Erfolg nicht garantiert

Diese Beispiele machen deutlich, dass der VfL Wolfsburg mit seinem Transferrekord Erfolg haben kann, dieser aber keinesfalls garantiert ist. Die Anzahl der Teams, die sich in der Rückrunde nach vielen Neuzugängen verschlechtert haben, fällt in den vergangenen zehn Jahren eindeutig geringer aus als die Anzahl der Teams, die sich verbessert oder gar nicht verändert haben.

Trotzdem gibt es zu viele Negativbeispiele, als dass man davon ausgehen kann, dass sich der VfL Wolfsburg nach Magaths Einkaufstour zwingend besser präsentieren wird. Der Verlauf der Wolfsburger Rückrunde wird aber auf jeden Fall einen weiteren Hinweis liefern, ob es sich lohnt in der Winterpause zahlreiche neue Gesichter in die Mannschaft zu integrieren. Denn erst nach Ende der Saison können die Wolfsburger Verantwortlichen eine Bilanz ziehen. Her gilt, was schon so viele Spieler, Trainer und Manager in der Bundesligageschichte festgestellt haben: Abgerechnet wird zum Schluss.

Daniel Knoke

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