Damit hatte die deutsche Nationalmannschaft nicht gerechnet. Im Hinspiel in Aserbaidschan setzten die Hausherren dem dreimaligen Weltmeister ordentlich zu. Am Ende sprang nur ein 2:0 für die DFB-Elf heraus.

Im Rückspiel erwartet Aserbaidschans Co-Trainer Olaf Janßen aber ein ganz anderes Spiel.

Im bundesliga.de-Interview spricht der ehemalige Bundesliga-Profi über den deutschen Gegner, die Entwicklung in Aserbaidschan und die Zukunft - auch über die von Berti Vogts.

bundesliga.de: Herr Janßen, haben Sie die Hinspiel-Niederlage gegen Deutschland verdaut?

Olaf Janßen: Ja, auf jeden Fall. Wir waren ja trotz des 0:2 sehr zufrieden. Denn wenn man bedenkt, wo die Mannschaft vor einem Jahr stand, dann war unsere Leistung schon außergewöhnlich gut.

bundesliga.de: Wie sah es denn vor einem Jahr mit dem Fußball in Aserbaidschan aus?

Janßen: Die Infrastruktur war damals mehr wie schlecht, das kann man glaube ich so sagen. Es gab kaum professionelle Verbandstrukturen. Das fußballerische Niveau und der körperliche Zustand der Spieler war vielleicht Oberliga tauglich. Die Leistungssprünge, die wir gemacht haben, haben wir Trainer in der Form kaum für möglich gehalten. Der Verband sieht jetzt eine Perspektive. Die Entwicklung ist höchst professionell und es wird vernünftig investiert.

bundesliga.de: Im Ausland sind die Spieler aus Aserbaidschan aber noch nicht gefragt – lediglich ein Legionär steht bei Ihnen im Kader. Woran liegt es, dass Ihre Spieler bislang noch nicht in Europas Top-Ligen Fuß gefasst haben?

Janßen: Wir haben sicherlich schon zwei, drei Spieler mit Bundesliga Niveau. Aber die Vereine haben Aserbaidschan noch nicht auf ihrer Landkarte eingezeichnet. Dazu muss diese positive Entwicklung weiter fortgeführt werden. Am Ende ist ja nicht die Nationalität entscheidend, sondern die Leistung.

bundesliga.de: Auf Vereinsebene ist die Entwicklung dabei schon deutlich zu erkennen. FK Karabag und der FC Baku sind nur knapp am Einzug in die Gruppenphase der Europa League gescheitert.

Janßen: Ja, wir sind da auf dem richtigen Weg. Sechs Spieler, die bei Karabag in der Startformation stehen, waren auch beim Hinspiel gegen Deutschland in der Startelf. Vor einem Jahr hat die Hälfte der Nationalspieler noch nicht einmal in Aserbaidschan gespielt.

bundesliga.de: Was erwarten Sie im Rückspiel von der deutschen Elf?

Janßen: Deutschland wird ganz anders in das Spiel gehen. Die Spieler sind in der Saison schon weiter und werden körperlich wesentlich fitter sein. Sie waren sicherlich alle über unsere Leistung überrascht. Aber Joachim Löw wird da schon die Lehren draus gezogen haben und seine Mannschaft darauf einstellen.

bundesliga.de: Und was erwarten Sie von Ihrem Team?

Janßen: Es gilt in der verbleibenden Zeit bis Mittwoch darum die mehr als unverdiente Niederlage gegen Finnland aus den Köpfen unserer Spieler zu bekommen. Sie haben bis zum letzten Blutstropfen für den Sieg gekämpft, haben das erste Tor erzielt,aber sind letztendlich an ihrer Unerfahrenheit gescheitert. Die Partie in Deutschland ist sicher ein sportlicher Höhepunkt für alle Spieler aus Aserbaidschan. Vor ausverkauftem Haus in Hannover zu spielen ist ein tolles Erlebnis und sicher eine gute Möglichkeit, sich zu präsentieren.

bundesliga.de: Wie geht es mit Ihnen und Trainer Berti Vogts in Aserbaidschan weiter? Ihre Verträge laufen nur bis zum Ende des Jahres.

Janßen: Nach dem Deutschland-Spiel werden Gespräche geführt. Da wollen wir ein Fazit ziehen. Wir legen unsere Eindrücke offen dar und vergleichen diese mit den Eindrücken des Verbandes. Es geht um strukturelle Dinge, die sich ändern müssen, damit sich der Fußball in Aserbaidschan weiter entwickeln kann. Uns macht die Arbeit mit der Mannschaft auf jeden Fall sehr viel Spaß, weil alle Spieler mitziehen.


bundesliga.de: Würden Sie denn gerne weiter mit Berti Vogts zusammenarbeiten?

Janßen: Auf jeden Fall. Denn die Arbeit mit Berti Vogts und Uli Stein im Trainerteam ist für mich eine riesen Bereicherung. Berti Vogts verfügt sportlich über einen riesen Erfahrungsschatz – und ist menschlich gesehen etwas ganz besonderes. Von beiden Dingen darf ich bei unserer täglichen Arbeit profitieren. Wie er sich für sein gesamtes Team einsetzt, wie er sich allen gegenüber verhält, so etwas habe ich in der Form noch nicht erlebt. Es ist eine wirklich außergewöhnliche Zusammenarbeit die aus meiner Sicht noch länger andauern dürfte.

Das Gespräch führte Michael Reis