Düsseldorf - Zehn Spiele, zehn Siege und drei Traumtore - die deutsche Nationalmannschaft hat ihren Husarenritt durch die Qualifikationsrunde zur EM 2012 mit einem Rekord gekrönt. Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw, die ihr Ticket zur EURO nach Polen und in die Ukraine bereits im September gelöst hatte, setzte ihre imposante Erfolgsserie mit einem 3:1 (2:0) auch gegen Belgien fort und leistete der Türkei die versprochene Schützenhilfe auf dem Weg in die Playoffs.

Die Tore von Mesut Özil (30.), Andre Schürrle (33.) und Mario Gomez (48.) beendeten gleichzeitig die Hoffnung der "Roten Teufel", die durch Marouane Fellaini zum Ehrentreffer kamen (86.), auf Gruppenplatz 2 und die Teilnahme an den Playoffs, zumal auch die Türken ihre Partie gegen Aserbaidschan mit 1:0 gewannen.

Özil: "Freue mich für meine türkischen Freunde"

"Es war schon wichtig, dass wir das Finish durchziehen, und auch wichtig als Botschaft an die Konkurrenz. Die Belgier haben stark begonnen und alles gegeben. Sie hatte schließlich nichts zu verlieren. In dieser Phase war es gut, dass Mesut getroffen hat. Wir wollten uns schließlich nicht nachsagen lassen, dass wir mit einer schlechten Leistung den Wettbewerb beeinflussen. Wir haben nicht für die Türkei, sondern in erster Linie für uns gewonnen", resümierte DFB-Coach Löw.

"Wir hatten zu Beginn einige Schwierigkeiten, dann lief es nach dem 1:0 besser. Ich bin glücklich, dass mir das Tor gelungen ist. Ich freue mich natürlich für meine türkischen Freunde und hoffe, dass sie sich nun über die Play-offs für die EM qualifizieren", meinte Özil und Schürrle ergänzte: "Wir haben viel Qualität in der Mannschaft und können aus dem Nichts Tore machen. Am Ende waren die Belgier mit den drei Treffern noch gut bedient."

Der Spielverlauf vor 48.483 Zuschauern in Düsseldorf erinnerte an jenen am vergangenen Freitag beim 3:1 im vorletzten Gruppenspiel in Istanbul. Denn wie die Türkei, begannen auch die Belgier erwartet offensiv.

Belgien beginnt stark

Viel Verkehr und damit mehr als ihm vermutlich lieb war, herrschte folglich in der Anfangsphase vor dem Tor von Manuel Neuer. Die Belgier standen schon im Mittelfeld äußerst kompakt und ließen kaum Spielaufbau und Angriffsaktionen der DFB-Auswahl zu, die sich nach einigen Umstellungen zunächst offenbar noch in der Selbstfindungsphase befand.

Denn Löw hatte gegenüber der Partie in Istanbul insgesamt fünf Veränderungen in der Anfangsformation vorgenommen. Es fehlten die angeschlagenen Bastian Schweinsteiger und Jerome Boateng, im zentralen Mittelfeld spielte wieder Özil, der verletzungsbedingt beim Auftritt im Land seiner Vorfahren gefehlt hatte.

Schürrle für Podolski

Schürrle lief anstelle von Lukas Podolski auf, Toni Kroos ersetzte Schweinsteiger. In die Vierer-Abwehrkette rückten Benedikt Höwedes und Mats Hummels, der in der Innenverteidigung neben Per Mertesacker agierte.

Hummels sowie England-Legionär Mertesacker konnten sich über einen Mangel an Beschäftigung nicht beklagen, zumal die Belgier verstärkt über die Außenpositionen versuchten Druck aufzubauen. Doch große Möglichkeiten ergaben sich für das junge Team von Coach Georges Leekens nicht, weil es teilweise zu hektisch agierte. Aber auch die deutsche Mannschaft ließ zunächst jeglichen Zug zum Tor vermissen. Den ersten ernsthaften Versuch eines Torschusses lieferte der Leverkusener Schürrle erst in der 25. Minute.

Özil an allen Treffern beteiligt

Die deutsche Auswahl bemühte sich in dieser Phase um mehr Ballbesitz, um das Spiel in den Griff zu bekommen - und schlug in der 30. Minute wie aus heiteren Himmel zu. Nachdem zunächst Gomez freistehend an Torhüter Simon Mignolet gescheitert war, erzielte Özil nach dem fälligen Eckball mit einem wuchtigen Schuss aus 18 Meter unter die Latte das 1:0. Wenig später schloss Schürrle einen Konter nach einem Pass von Gomez souverän ab.

Der Torjäger von Rekordmeister Bayern München stellte kurz nach der Pause mit seinem sechsten Treffer in der Qualifikation nach einer Vorlage von Özil, der damit an allen drei Treffern beteiligt war, die Zeichen endgültig auf Sieg. Fortan agierte die deutsche Mannschaft mit breiter Brust, die Kombinationen liefen flüssiger und zielstrebiger. Die Partie erinnerte gegen frustrierte Belgier eher einem Trainingsspiel auf hohem Niveau.

Gündogan debütiert

Allzu lässlig ließ es Hummels jedoch in der 68. Minute angehen. Der Dortmunder leistete sich einen unnötigen Ballverlust, so dass Neuer mit der ersten Parade des Spiels gegen Romelu Lukaku klären musste.

In der 84. Minute kam auch der Dortmunder Ilkay Gündogan zu seinem ersten Einsatz in der Nationalmannschaft und hat sich damit für die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes festgespielt.


Schema:

Deutschland: Neuer/Bayern München (25 Jahre/24 Länderspiele) - Höwedes/Schalke 04 (23/5), Mertesacker/FC Arsenal (27/78), Hummels/Borussia Dortmund (22/10), Lahm/Bayern München (27/85) ab 84. Gündogan/Borussia Dortmund (20/1) - Khedira/Real Madrid (24/22), Kroos/Bayern München (21/22) - Müller/Bayern München (22/23) ab 71. Reus/Borussia Mönchengladbach (22/2), Özil/Real Madrid (22/28), Schürrle/Bayer Leverkusen (20/10) - Gomez/Bayern München (26/49) ab 76. Cacau/VfB Stuttgart (30/20)

Belgien: Mignolet/FC Sunderland (23 Jahre/8 Länderspiele) - Ciman/Standard Lüttich (26/8), Kompany/Manchester City (25/44), Vertonghen/Ajax Amsterdam (24/33), Lombaerts/Zenit St. Petersburg (26/18) - Fellaini/FC Everton (23/30), Simons/1. FC Nürnberg (34/88) - Dembele/FC Fulham (24/35) ab 64. Mertens/PSV Eindhoven (24/7), Witsel/Benfica Lissabon (22/24), Hazard/OSC Lille (20/24) - Ogunjimi/KRC Genk (23/7) ab 46. Lukaku/FC Chelsea (18/13)

Schiedsrichter: Svein Oddvar Moen (Norwegen)

Tore: 1:0 Özil (30.), 2:0 Schürrle (33.), 3:0 Gomez (48.), 3:1 Fellaini (86.)

Zuschauer: 48.483

Gelbe Karten: Khedira - Witsel

Erweiterte Statistik:
Torschüsse: 10:20
Ecken: 3:10
Ballbesitz: 55:45 Prozent
Fouls: 7:18